Islamistischer Extremismus: Online-Prävention und bessere Vernetzung werden immer wichtiger
DJI-Abschlussbericht beschreibt Bedarfe zivilgesellschaftlicher Projekte und Initiativen in Berlin, die im Bereich der pädagogischen Islamismus-Prävention und Deradikalisierung aktiv sind
Der Umgang mit der islamistischen Radikalisierung von Jugendlichen stellt eine große gesellschaftliche Herausforderung dar. Pädagogische Fachkräfte müssen sich zunehmend damit auseinandersetzen, ob junge Menschen Tendenzen gewaltorientierter Radikalisierung zeigen und wie sie solchen Entwicklungen in der Praxis begegnen können. Der Abschlussbericht des Deutschen Jugendinstituts (DJI) „Bedarfe der pädagogischen Islamismusprävention in Berlin“ bietet einen empirischen Einblick in aktuell bestehende Angebots-, Problem- und Bedarfslagen im Land Berlin. Es lassen sich hieraus auch Schlüsse für das gesamte Bundesgebiet ziehen.
Angebotslandschaft bedarfsgerecht aufgestellt
Das Berliner „Landesprogramm Radikalisierungsprävention“ fördert zivilgesellschaftliche Initiativen gegen Islamismus und bündelt bestehende Maßnahmen, um Radikalisierung zu verhindern und Ausstiege zu begleiten. Der Bericht der DJI-Wissenschaftler:innen Dr. Maruta Herding, Dr. Maria Jakob und Tobias Johann zeigt, dass die Träger der Angebote fachlich sehr gut für die Arbeit mit radikalisierungsgefährdeten und radikalisierten jungen Menschen aufgestellt sind. Auch von den Ressourcen her sind sie weitgehend in der Lage, auf die Nachfrage an Beratungs- und Unterstützungsangeboten einzugehen.
Weiterhin Bedarf an Präventionsangeboten, besonders im Online-Bereich
Die im Jahr 2025 befragten Fachkräfte nahmen Islamismus im Vergleich zu den 2010er Jahren als weniger präsent wahr. Dennoch wird im Bericht deutlich, dass Islamismusprävention in Berlin weiterhin dringend notwendig ist – wie der jüngste Anschlag am 25. Juli 2026 schmerzhaft vor Augen führte. Auch die Radikalisierung auf Online-Plattformen ist in den vergangenen Jahren immer bedeutender geworden. Aus diesem Grund ist es wesentlich, dass Präventionsprojekte digitale Räume systematisch einbinden, betonen die Verfasser:innen des Berichts. Der grenzüberschreitende Charakter extremistischer Online-Aktivitäten erfordert darüber hinaus eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Bundes- und EU-Ebene.
Unterstützung bei Anzeichen von Islamismus und bessere Vernetzung notwendig
Pädagogische Fachkräfte in den Regelstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe (z.B. Schulsozialarbeit oder Offene Kinder- und Jugendarbeit) äußern vor allem den Bedarf, mögliche Anzeichen von Islamismus besser deuten und einordnen zu können. Hier leisten die gezielten Angebote der Islamismusprävention wichtige Unterstützung. Fachkräfte in allen Handlungsfeldern sollten zu den Themen Islamismus und Radikalisierung, aber auch zu darüberhinausgehenden Ideologien, grundlegend sensibilisiert werden.
In den Regelstrukturen, beispielsweise in der Arbeit mit jungen Geflüchteten, sind die Angebote des Berliner Landesprogramms jedoch noch nicht bei allen Fachkräften bekannt. Die Wissenschaftler:innen empfehlen deshalb, Mitarbeitende beispielsweise aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit oder muslimischen Jugendarbeit mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit stärker über diese Angebote zu informieren. Außerdem sei es notwendig, die Fachkräfte aus der Präventionsarbeit besser mit den Mitarbeitenden der Regelstrukturen zu vernetzen, Multiplikationsstrukturen aufzubauen und klare Kommunikationskanäle zu etablieren.
Methodisches Vorgehen
Die DJI-Forschenden führten Interviews mit zwölf Expert:innen aus der Präventionsarbeit und verwandten Praxisfeldern durch. Zudem sprachen sie im Rahmen von Gruppendiskussionen mit 29 pädagogischen Fachkräften aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der muslimischen Jugendarbeit und aus Migrant:innen-Selbstorganisationen, aus der Arbeit mit jungen beziehungsweise unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, der Schulsozialarbeit und der Mobilen Jugendarbeit/Straßensozialarbeit. Die erhobenen Daten wurden inhaltsanalytisch auswertet.
Der Abschlussbericht wurde von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport) gefördert.
Bedarfe der pädagogischen Islamismusprävention in Berlin. Maruta Herding, Maria Jakob, Tobias Johann, 67 Seiten, ISBN: 978-3-86379-588-7, DOI: 10.36189/DJI202539 (PDF)DJI-Projekt „Bedarfe der pädagogischen Islamismusprävention in Berlin“Interview mit Maruta Herding und Tobias Johann zu den pädagogischen Angeboten der Islamismusprävention in Berlin, bezugnehmend auf den islamistischen Anschlag vom 25. Juli 2026
Kontakt
Dr. Maruta Herding
Fachgruppe Politische Sozialisation und Demokratieförderung
0345/68178-18
herding@dji.de
Tobias Johann
Fachgruppe Politische Sozialisation und Demokratieförderung
0345/68178-77
johann@dji.de
Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
waldschuk@dji.de