Digitale Mediennutzung in Familien

„Von solitären Interneteltern und gemeinschaftsorientierten Fernsehfamilien“ – DJI Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen Forschungsergebnisse vor

Kinder sitzen vor Laptop

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25. November 2021 -

Smartphones, Tablets und Laptops sind im familialen Lebensalltag nicht mehr wegzudenken und haben einen großen Einfluss auf das Familienleben. Organisatorische und logistische Abläufe und gemeinsame Aktivitäten stimmen Eltern und Kinder täglich miteinander ab. Die digitalen Medien dienen dabei vor allem dazu, Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich kommunikativ auszutauschen.

Bislang gibt es für Deutschland kaum repräsentative Studien darüber, wie Familien digitale Technologien anwenden und wie Kindern der Umgang mit Medien vermittelt wird. Hier setzt eine aktuelle Studie an. Der Aufsatz der Forscherinnen und Forscher ist in der aktuellen Ausgabe 4/2021 der Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (ZSE) erschienen. Auf Basis der Daten des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A) 2019“ fokussiert er in 1.945 Zwei-Eltern-Familien mit mindestens einem Kind unter zwölf Jahren sowohl die Mediennutzung der Eltern und der Kinder als auch die gemeinsame Mediennutzung.

Mediatisierung des Familienalltags

Die Mediatisierung des Familienalltags verändert die Prozesse des Heranwachsens und Erwachsenwerdens. Eltern spielen bei der Vermittlung von Medienerfahrungen und -kompetenzen eine zentrale Rolle und fühlen sich hauptverantwortlich dafür, ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien nahezubringen. Gleichzeitig stehen sie angesichts dieser vielfältigen Herausforderungen unter Druck und sind oft unsicher, welche Strategie sie anwenden sollen.

Sie besprechen beispielsweise Dauer und Inhalte der Mediennutzung mit ihren Kindern. Durch ihr erzieherisches Handeln beeinflussen sie deren kognitive und emotionale Entwicklung, indem sie versuchen, positive Medieneffekte zu fördern und negative abzuschwächen. In der Forschungsliteratur werden folgende vier Strategien, um Medienerfahrungen zu regulieren, unterschieden: restriktive Medienerziehung, aktive Medienerziehung, Schaffen gemeinsamer Nutzungssituationen und -räume sowie Supervisions- und Überwachungsstrategien.

„Wir konnten zeigen, dass Medien nicht nur eine zentrale Rolle im Alltagsleben von Familien spielen, sondern auch ein wichtiger Faktor des familialen Sozialisationsprozesses sind und das familiale Umfeld der wichtigste Ort ist, an dem Kinder den Umgang mit Medien erschließen. Unser Ziel war, eine aktuelle Typologie familialer Digitalmediennutzung für Familien mit Kindern unter zwölf Jahren zu entwickeln,“ erläutert DJI-Wissenschaftlerin Dr. Claudia Zerle-Elsäßer. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten auch, in welchem Zusammenhang die empirisch zu findenden Typen mit soziodemografischen Merkmalen wie der elterlichen Bildung, dem sozioökonomischen Hintergrund, dem Alter und dem Geschlecht der Kinder stehen.

Typologie familialer Mediennutzung

Sie identifizierten vier Gruppen: die „Gemeinschaftsorientierte Fernseh-Familie“ (49,2 %), die „Solitären Internet-Eltern“ (36,9 %), die „Gemeinschaftsorientierten Medien-Affinen“ (10,9 %) und die „Solitären Onliner“ (3,0 %). Die „Gemeinschaftsorientierte Fernseh-Familie“ zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Kinder generell wenig mit digitalen Medien beschäftigen – am ehesten schauen sie fern oder nehmen Streaming-Angebote in Anspruch – und dies gemeinsam mit den Eltern. In Familien der „Solitären Internet-Eltern“ werden Medien insgesamt am wenigsten konsumiert, aber auch seltener gemeinsam mit den Kindern. Wenn Medien genutzt werden, dann nur von den Elternteilen. Die „Gemeinschaftsorientierten Medien-Affinen“ fallen dagegen dadurch auf, dass diverse Medien, vor allem Computerspiele und Internet auch häufig gemeinsam genutzt werden. Bei den „Solitären Onliner“ beschäftigen sich Eltern und Kinder vor allem allein mit Internet, Fernsehen und (mobile) Gaming.

„Die vorliegenden Ergebnisse weisen darauf hin, dass das rezeptive Fernsehen, das Eltern schon aus ihrer eigenen Kindheit kennen, auch heute noch weit verbreitet ist,“ so DJI-Wissenschaftlerin Dr. Alexandra Langmeyer. Es ist daher nicht überraschend, dass die „Gemeinschafts­orientierte Fernseh-Familie“ die dominante Gruppe der Typologie ist. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen schlussfolgern daraus, dass es wichtig ist, Eltern und Kinder in ihrer Medienerziehung zu unterstützen und ihnen alternative, kreative Wege an die Hand zu geben. Außerdem hebt die Typologie hervor, dass Mediennutzung und Nutzungssetting Hand in Hand gehen. Vor allem bei jüngeren Kindern zählt das gemeinsame Nutzen von Medien mit den Eltern zum Alltag.

Claudia Zerle-Elsäßer, Simone Schüller, Alexandra N. Langmeyer, Thorsten Naab, Stephan Heuberger. Von solitären Interneteltern und gemeinschaftsorientierten Fernsehfamilien. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 41, 4, 413-431Claudia Zerle-Elsäßer, Alexandra N. Langmeyer, Thorsten Naab, Stephan Heuberger. Unter Druck: Doing Family in mediatisierten Lebenswelten. merz medien + erziehung Zeitschrift für Medienpädagogik, 2021/02, 10-16DJI-Survey AID:A 2019 „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten von Kindern, Jugendlichen und Familien“


Kontakt
Dr. Claudia Zerle-Elsäßer
Tel.: 089/62306-317
zerle@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de