Kitas sind nicht für eine übermäßige Infektionsverbreitung verantwortlich

Corona-KiTa-Studie: Im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung sind Kinder deutlich seltener Corona-positiv als Erwachsene

25. Januar 2021 -

Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich in vielen Kitas der Alltag für alle Beteiligten gravierend geändert. Weil Personal fehlt oder Einrichtungen vorübergehend schließen müssen, werden viele Kinder nicht mehr betreut. Das bedeutet einen großen Einschnitt für Familien, denn für die Eltern war und ist die Kindertagesbetreuung meist die einzige Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Auch für die Kinder ist die Situation bitter. Sie vermissen den vertrauten Tagesrhythmus, die Spielkameraden, Erzieherinnen und Erzieher, Räume zum Spielen und Erleben.

Die Arbeitssituation der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Kindertagesbetreuungsangeboten sowie Tagespflegestellen hat sich ebenfalls deutlich geändert. Sie mussten und müssen die Gruppenkonzepte verändern, beispielsweise von offenen zu geschlossenen Gruppen, sich vor möglichen Ansteckungen schützen, Hygienemaßnahmen umsetzen, mit Verdachts- und Infektionsfällen umgehen sowie Personalausfälle kompensieren.

Zwischenergebnisse der Corona-KiTa-Studie

Bei diesen großen Herausforderungen setzt die Corona-KiTa-Studie an, die das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und das Robert Koch-Institut (RKI) gemeinsam durchführen. Die bundesweite Studie soll bei der komplexen Aufgabe helfen, die Lage besser bewerten und steuern zu können, denn die hier erhobenen und analysierten Daten können bei Beratungen und Entscheidungen auf politischer und administrativer Ebene zugrunde gelegt werden. Durch die aktuellen und generalisierbaren Informationen ist es unter anderem auch möglich, die teilweise gegensätzlichen Interessen von Eltern und Kita-Personal auszubalancieren.

„Unsere Hoffnung ist, dass die Studie dazu beiträgt, dass die Fronten zwischen Eltern und Kitapersonal in der aktuellen Lage nicht härter werden und beide Seiten weiterhin Kompromisse finden. Alle haben trotz unterschiedlicher Sichtweisen ein gemeinsames Ziel: die möglichst beste Förderung und den Schutz der Kinder“, sagt Dr. Susanne Kuger, DJI-Projektleiterin der Corona-KiTa-Studie und ergänzt: „Insgesamt scheinen jüngere Kinder weniger infektiös als Erwachsene zu sein. Eine Aussage, welche der Altersgruppen innerhalb der Kinder am infektiösesten ist, kann jedoch noch nicht verlässlich gemacht werden. Kolleginnen und Kollegen des RKI haben im Rahmen einer Literaturrecherche, bei der  knapp 300 internationale Studien gefunden wurden, 14 relevante Studien zu dem Thema der Infektiosität von Kindern ausgewertet. Das Ergebnis: Viele davon sind nicht aussagekräftig. Zudem werden in den Untersuchungen Kinder bis sechs Jahre und Schulkinder oft gemeinsam betrachtet. Dies halte ich für problematisch, da es bei der Infektiosität teilweise deutliche Hinweise auf Altersunterschiede gibt.“

Bundesweite Auswertungen zeigen laut Zwischenberichten der Corona-KiTa-Studie: Im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung werden Kinder unter 6 Jahren deutlich seltener positiv auf das Corona-Virus getestet als Erwachsene. Jedoch muss hierbei beachtet werden, dass meist nur Personen mit Covid-19-Symptomen oder Kontaktpersonen ersten Grades getestet werden. Kinder zeigen bei einer Infektion jedoch seltener Symptome als Erwachsene und werden aus diesem Grund weniger getestet. Sie werden eher aufgrund eines Infektionsgeschehens in der Kita oder als Kontaktpersonen im familiären Umfeld getestet. Die Wissenschaftlerin erklärt: „Von der Anzahl der Infektionen kann auch nicht automatisch auf die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf andere geschlossen werden. Viele Kitas engagieren sich auch intensiv, die Kinder durch organisatorische und infektionshygienische Maßnahmen zu schützen. Die Erkrankungszahlen müssen daher vor diesem Hintergrund interpretiert werden. Kitas sind somit ein Teil des gesamtgesellschaftlichen Infektionsgeschehens. Wenn man die bisher bewertbaren Informationen der vier Module unserer Studie aneinanderlegt, dann lässt sich das gut dokumentieren.“

Susanne Kuger berichtet von den Untersuchungen des RKI innerhalb der Studie: Anhand der Meldedaten zu Ausbrüchen in Kitas und Horten ist zu erkennen, dass häufig Erwachsene betroffen sind. Die Virusweitergabe innerhalb der Familien und bei Fachkräften spielen somit bei den nachgewiesenen Infektionen eine wichtige Rolle. Die Zwischenergebnisse der Corona-KiTa-Studie bestätigen, dass Infektionen auch in Kitas weitergegeben werden können. Es ist somit wichtig, wie in allen anderen Lebensbereichen auch, dass Eltern, Kinder und das pädagogische Personal konsequent Präventionsmaßnahmen umsetzen müssen.

Corona-KiTa-Studie

Für die Corona-KiTa-Studie bündeln das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und das Robert Koch-Institut (RKI) ihre sozialwissenschaftliche und medizinische Expertise: Sie begleiten die Kindertagesbetreuung während der Pandemie mit einer bundesweiten interdisziplinären Längsschnittstudie. Das Bundesfamilienministerium und das Bundesgesundheitsministerium finanzieren die Studie.
 

Projektwebsite Corona-KiTa-Studie, Zwischenberichte, Anmeldung zum KiTa-Register

Spiegel.de: Verbreitung durch Kinder – Interview mit Dr. Susanne Kuger, 19. Januar 2021 (€)

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Abteilung Medien und Kommunikation
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