Mitbestimmen bei der Ganztagsbetreuung

Das Bundesjugendkuratorium fordert, Grundschulkinder bei der Gestaltung der Angebote stärker einzubeziehen

15. September 2020 -

Als Kitas, Horte und Schulen sowie von Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit während der Corona-Pandemie vorrübergehend geschlossen waren, hat sich besonders deutlich gezeigt, wie wichtig diese Institutionen für Kinder und Familien sind: Sie spielen für eine verlässliche und qualitativ hochwertige Bildung der Kinder und für die Möglichkeit der Eltern, Familie und Beruf vernünftig vereinbaren zu können eine entscheidende Rolle, aber auch für Freundschaften und die Freizeitgestaltung. Umso wichtiger sei es, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, ab 2025 gute Ganztagsangebote für Kinder im Grundschulalter bereitzustellen, schreibt das Bundesjugendkuratorium (BJK) in seiner aktuellen Stellungnahme. Das BJK fordert, Kinder stärker als bisher in die Diskussion über den Ganztag einzubeziehen und sie an der Gestaltung der an sie gerichteten Angebote zu beteiligen.

Die Frage, was es für Kinder bedeutet, wenn sie den größten Teil des Tages in einem institutionalisierten Rahmen verbringen, welche Rechte sie haben, und was sie benötigen, um sich körperlich, sozial sowie emotional gesund zu entwickeln und zu entfalten, müsse bei der Entwicklung der Angebote stärker in den Fokus rücken. Ein Indiz dafür, dass dies noch zu wenig geschehe, zeige die Forschung zum Thema Ganztag. Darin nehmen Studien, welche die Perspektive von Grundschulkindern untersuchen, bislang einen vergleichsweise geringen Anteil ein, kritisiert das BJK. Dabei sei für das Gelingen des Ganztags ausschlaggebend, dass die Kinder die Angebote annehmen. Die wenigen Studien, die es zur Perspektive von Kindern gibt, zeigen außerdem, dass sich die Kinder mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten wünschen. Die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention könne hierfür allen Akteuren als gemeinsame rechtliche und normative Referenz dienen.

Notwendige Rahmenbedingungen und fachliche Standards, die eine kind- und altersgerechte Ausgestaltung der Ganztagsangebote ermöglichen, formuliert das Bundesjugendkuratorium in seiner Stellungnahme.

Das Bundesjugendkuratorium (BJK) ist ein von der Bundesregierung eingesetztes Sachverständigengremium. Es berät die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe und in Querschnittsfragen der Kinder- und Jugendpolitik. Dem BJK gehören bis zu 15 Sachverständige aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft an. Die Mitglieder wurden durch die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die Dauer der laufenden Legislaturperiode berufen. Die „Arbeitsstelle Kinder­ und Jugendpolitik“, die am Deutschen Jugendinstitut (DJI) angesiedelt ist, unterstützt das Gremium seit vielen Jahren bei dieser Aufgabe. DJI-Direktor Prof. Dr. Thomas Rauschenbach ist Ständiger Gast im Bundesjugendkuratorium.

BJK-Stellungnahme "Für einen Rechtsaanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter - Kinderrechte stärken, Bildungsqualität für alle gestalten", 14.09.2020


Kontakt

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Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik
Tel: 089/62306-388
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Abteilung Medien und Kommunikation
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