Aufwachsen in Migrationsfamilien

Bildung gilt als Schlüssel für Integration und Teilhabe. Dabei spielen auch die Lebenssituation und die Sozialisation in der Familie eine bedeutende Rolle

28. August 2020 -

Rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Wie ihre Integration und Teilhabe hierzulande gelingen, wird vorrangig im Hinblick auf ihre Bildungsbeteiligung diskutiert. Dabei kommen auch der Sozialisation in der Familie, ihrer Lebenssituation und den Migrationserfahrungen eine zentrale Bedeutung zu, schreiben Alexandra Jähnert und Dr. Eveline Reisenauer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse.

Während ein Großteil der jungen Menschen hier aufgewachsen ist und nur ihre Eltern oder Großeltern eingewandert sind, kamen andere zusammen mit erwachsenen Angehörigen oder gar als unbegleitete minderjährige Schutz- und Asylsuchende nach Deutschland. Diese unterschiedlichen Migrationserfahrungen bringen jeweils eigene Integrationsbedingungen und -verläufe im Einwanderungsland mit sich, betonen die DJI-Wissenschaftlerinnen. Sie haben auf Basis des DJI-Kinder- und Jugendmigrationsreports 2020 die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen im Kontext von Migration analysiert und kommen zu dem Schluss: Von einer homogenen Gruppe junger Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland kann nicht die Rede sein. Neben der nationalen Herkunft und der Aufenthaltsdauer in Deutschland seien Familienstruktur und -beziehungen prägend. Meist haben Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund außerdem eine schlechtere sozioökonomische Situation. Unter anderem steht ihnen oft weit weniger Wohnraum zur Verfügung, da sie mit mehr Geschwistern als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund aufwachsen.

Jähnert und Reisenauer plädieren deshalb dafür, einerseits Risikokonstellationen in Verbindung mit Migration im Blick zu behalten, um strukturellen Benachteiligungen im Kindes- und Jugendalter entgegenzuwirken, andererseits die Herausforderungen zu differenzieren, und dabei die soziale Lage, die Migrationsgeneration sowie die kulturelle und nationale Herkunft einzubeziehen. Darüber hinaus empfehlen sie, den Blick nicht nur auf Benachteiligungen zu richten, sondern auch die Potenziale zu sehen, die mit dem Aufwachsen in Migrationskontexten einhergehen, wie etwa Kompetenzen in Bezug auf Mobilität, Mehrsprachigkeit und interkulturelles Wissen.

Zur wissenschaftlichen AnalyseWeitere Analysen zum Thema MigrationForschungsmagazin DJI Impulse „Ungleiche Kindheit und Jugend – Wie jungen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland aufwachsen“ 

Kontakt:

Alexandra Jähnert
Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden am DJI
089/62306-601
jaehnert@dji.de

Dr. Eveline Reisenauer
Abteilung Familie und Familienpolitik am DJI
089/62306-368
reisenauer @dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
hofele@dji.de