Einblicke in die Praxis
Drei Kita-Fachkräfte beschreiben, wie sie Kindern in ihrer Einrichtung tagtäglich Partizipation ermöglichen und wo die Herausforderungen liegen.Robert Friedrich, Erzieher in einer Einrichtung mit 150 Kindern vom Krippenalter bis zum Schuleintritt in Berlin

Sie diskutierten rege und probierten aus, wie man das Seil befestigen könnte. Sie schleppten es einen Stock höher auf einen Balkon, um es zu spannen. Ich half ihnen, den Korb daran zu befestigen. Sie zogen den Korb nach oben und debattierten, wer von ihnen in den Korb steigen sollte. Sie sorgten sich, dass der Korb brechen oder das Seil reißen könnte und fanden soheraus, dass niemand mit der Seilbahn wirklich fahren wollte. So gestalteten acht bis 14 Kinder zweieinhalb Stunden ihres Kita-Tages selbst und waren dabei ganz auf sich gestellt.
Sie haben engagiert, eigenverantwortlich und gemeinschaftlich gehandelt. Mein Beitrag war es, mich nicht einzumischen. Relevante Fragen, ob das eigentlich zu gefährlich ist, konnten die Kinder sich selbst stellen und beantworten. In solchen Situationen kann es auch mal zu Überforderungen kommen. Das sehe ich aber nicht negativ. Es ist zwar für die Kinder anstrengend, unterschiedliche Interessen in Einklang zu bringen – und auch für mich, sie darin zu unterstützen. Andererseits ist es sehr sinnvoll, weil es einen Kompetenzzuwachs für die Kinder ermöglicht, und das ist auch für mich erfüllend. (Foto: privat)
Ina Horlbeck, Einrichtungsleitung eines Integrationskindergartens mit 60 Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt in München

Über Ausflugsziele oder das Spielen im Garten, also Dinge, die ihren Alltag betreffen, dürfen die Kinder in demokratischen Abstimmungsverfahren entscheiden. So haben wir beispielsweise im Rahmen einer Kinderkonferenz mit ausgewählten Kindern aus den Gruppen Regeln für das Spielen in unserem weitläufigen Garten festgelegt. Die erarbeiteten Regeln wurden von den Vertreterinnen und Vertreternder Gruppen anschließend aufgemalt, um sie den anderen Kindern vorzustellen. Danach konnten alle Kinder über die Regeln abstimmen. (Foto: privat)
Alexandra Ulrich-Uebel, Leitung einer Kita mit 75 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren in Kirn-Sulzbach (Rheinland-Pfalz)


Weitere Analysen gibt es in Ausgabe 1/2018 der DJI Impulse „Demokratie lernen – Wie sich politische Bildung in Zeiten von Digitalisierung und gesellschaftlicher Polarisierung wandeln muss“.