Betreuungswünsche vieler Eltern bleiben unerfüllt
Jede fünfte Familie mit einem ein- oder zweijährigen Kind gibt in Westdeutschland an, dass ihr Kind derzeit nicht institutionell betreut wird, obwohl Bedarf besteht
Die soeben erschienenen differenzierten Analysen der Elternbefragung zeigen, inwiefern das Betreuungsangebot dem Bedarf der Eltern entspricht. Die größte Lücke zwischen Nachfrage und Angebot existiert demnach im Bereich der frühkindlichen Betreuung – mit regionalen Unterschieden. So gibt in Westdeutschland jede fünfte befragte Familie mit einem ein- oder zweijährigen Kind an, dass ihr Kind derzeit nicht institutionell betreut werde, obwohl ein Bedarf bestehe. In Ostdeutschland trifft das auf 12 Prozent dieser Familien zu (siehe Grafik). Damit suchen in Westdeutschland ungefähr 245.000 und in Ostdeutschland etwa 35.000 Eltern vergebens einen Betreuungsplatz für ihr Kind.
Bei Kindern im Kindergartenalter (U6-Kinder) ist die Versorgung mit Betreuungsplätzen dagegen bislang noch gut. Deutschlandweit nutzen nur fünf Prozent dieser Kinder (130.000 bis 150.000 Kinder) kein Betreuungsangebot, ungefähr 60.000 dieser Familien hätten gerne einen Betreuungsplatz. „Wegen des Geburtenanstiegs könnten aber auch in dieser Alterskohorte bald mehr Plätze fehlen“, warnt Dr. Christian Alt, Leiter der DJI-Kinderbetreuungsstudie. Zudem geben 9 Prozent der Eltern von Grundschulkindern in Westdeutschland an, trotz ihres Bedarfs keinen Betreuungsplatz zu haben. In Ostdeutschland betrifft das 3 Prozent der Familien. Demnach gibt es bundesweit einen Bedarf in Höhe von etwa 200.000 Betreuungsplätzen für Grundschulkinder. Auch wenn nach Abschluss der Grundschule der Wunsch nach einer institutionellen Betreuung für Kinder seltener wird, gibt es auch in der sogenannten Sekundarstufe I einen ungedeckten Betreuungsbedarf (9 Prozent Westdeutschland, 12 Prozent Ostdeutschland).
Zu wenig Plätze, aber auch zu kurze Betreuungszeiten
Den Ergebnissen der Studie zufolge müssten in Westdeutschland für alle Altersgruppen vor allem Plätze geschaffen werden, die die Zeit bis zum frühen Nachmittag abdecken, sogenannte (erweiterte) Halbtagsplätze. In Ostdeutschland wird hingegen überwiegend eine ganztägige Betreuung nachgefragt.
Ein Bedarf ist aber nicht allein durch die Inanspruchnahme eines Betreuungsplatzes gedeckt. „Einige Eltern, die für ihr Kind bereits einen Betreuungsplatz haben, benötigen deutlich längere Betreuungszeiten als sie derzeit nutzen“, sagt Alt. Dies gilt insbesondere, wenn der Bedarf (auch) außerhalb der Zeit von 8 bis 17 Uhr liegt. 22 Prozent der Eltern von Kindern im Krippenalter und 17 Prozent der Eltern von Kindergartenkindern, die einen Bedarf an solchen Betreuungszeiten haben, benötigen einen Betreuungsumfang, der um mehr als fünf Stunden pro Woche über dem genutzten Umfang liegt.
Diese und weitere differenzierte Analysen der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) sind im DJI-Kinderbetreuungsreport 2018 neu erschienen. Erste zentrale Ergebnisse der Elternbefragung, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert, erscheinen regelmäßig in der Broschüre „Kindertagesbetreuung kompakt“.
Downloads
Kinderbetreuungsreport 2018 - Inanspruchnahme und Bedarfe bei Kindern bis 14 Jahre aus Elternperspektive – ein BundesländervergleichSchaubild (JPG)Schaubild (PDF, druckfähig)
Kontakt
KiBS-Projektteam:
kibs@dji.de
Dr. Christian Alt (Projektleitung)
Fachgruppenleitung „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“
Tel.: 089/62306-239
alt@dji.de
Birgit Taffertshofer
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-180
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