Die Jugend ist ihr nie fremd geworden

Nach 35 Jahren am DJI geht Jugendforscherin Martina Gille in den Ruhestand. Die Soziologin hat sich seit 1985 mit den Lebenszielen und Lebensentwürfen Jugendlicher und junger Erwachsener auseinandergesetzt.

22. September 2020 -

„Unabhängig sein, mitbestimmen können, sich selbstverwirklichen – all das ist jungen Menschen heutzutage viel wichtiger als Generationen vor ihnen. Gleichzeitig stehen Leistungsorientierung und Pflichtbewusstsein nach wie vor hoch im Kurs“, sagt Martina Gille. Auch im Alter von 66 Jahren ist ihr die Jugend nicht fremd geworden. Die Diplom-Soziologin, die an der Ludwigs-Maximilians-Universität studierte, setzte sich am Deutschen Jugendinstitut (DJI) seit 1985 wissenschaftlich mit den Lebenszielen und Lebensentwürfen Jugendlicher und junger Erwachsener auseinander. 

Von Beginn an gestaltete sie den Jugendsurvey des Instituts mit, eine Langzeituntersuchung mit Befragungen in den Jahren 1992, 1997 und 2003, bei der die soziale und politische Sozialisation im Mittelpunkt stand. Dabei ging es auch darum, wie sich die politischen Einstellungen junger Menschen in Ost- und Westdeutschland unterscheiden und angleichen. Ein Thema, das die gebürtige Leipzigerin auch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie interessierte. 

2009 wurde der Jugendsurvey, dessen dritte Welle Martina Gille leitete, in den Survey „AID:A, Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ integriert. Bis heute werden in dieser bundesweiten, repräsentativ angelegten Untersuchung nicht nur Jugendliche, sondern auch Kinder und Eltern zu ihrer sozialen Lage und Teilhabe, ihrer Lebensführung und ihrem Wohlergehen befragt. Das „Kompetenzteam Jugend“ von AID:A führte Martina Gille viele Jahre lang.

Neben den wissenschaftlichen Analysen setzte sich Martina Gille auch ganz praktisch mit Themen ihrer Forschung auseinander, etwa mit Rollenvorstellungen und Geschlechterverhältnissen. Als Gleichstellungsbeauftragte am DJI führte sie in den 1990er-Jahren beispielsweise eine Statistik ein, die erstmals transparent machte, dass am DJI zu dieser Zeit viel mehr Männer als Frauen unbefristete Stellen und Führungspositionen hatten, obwohl ihr Anteil an der gesamten Mitarbeiterschaft deutlich geringer war. Seit dem Jahr 1996 war Martina Gille außerdem betriebliche Datenschutzbeauftragte des DJI. Nun ist für sie die Zeit gekommen, sich mit Dingen zu beschäftigen, die bisher zu kurz kamen, etwa die Malerei. Martina Gille geht zum 1. Oktober 2020 in den Ruhestand.


Zum Survey „AID:A, Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“

Kontakt

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
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