Babyklappe, anonyme Geburt, vertrauliche Geburt
Um die Tötung oder das Aussetzen von Neugeborenen zu verhindern sowie Schwangere und Mütter in Problemlagen zu unterstützen, wurden in Deutschland 1999 die ersten Babyklappen eingerichtet. Später wurde auch die Möglichkeit geschaffen, Kinder „anonym“ zur Welt zu bringen. Diese Angebote unterlaufen den bestehenden Rechtsrahmen sowie das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft. Aus Sicht des Deutschen Ethikrates sind sie zu verbieten. Eine DJI-Studie hatte 2011 ermittelt, dass sich viele Träger dieser Angebote eine klare gesetzliche Regelung wünschten, um alle Beteiligten aus dem ethischen und rechtlichen Dilemma zu befreien. Am 1. Mai 2014 trat dann das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt (SchwHiAusbauG) in Kraft. Babyklappen: Hierbei gibt es keinen persönlichen Kontakt zwischen der abgebenden Person und den Mitarbeiter/innen des Angebots. Eine medizinische Versorgung oder Beratung findet in der Regel nicht statt. Anonyme Übergabe: Nachdem die abgebende Person mit einem Anbieter telefonisch Ort und Zeit vereinbart hat, findet die Übergabe des Neugeborenen bei einem persönlichen Treffen statt; die sogenannte „Arm-zu-Arm-Übergabe“. Anonyme Geburt: In diesen Fällen ist eine medizinische Versorgung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt gewährleistet. Es besteht zudem die Möglichkeit der Beratung. Personendaten der Mutter werden zu keinem Zeitpunkt erhoben. Vertrauliche Geburt: Diese seit Mai 2014 mögliche Form ist die einzige, die rechtlich abgesichert ist. Ein vertraulich geborenes Kind hat nach 16 Jahren die Chance, den Namen seiner leiblichen Mutter zu erfahren. Informationen über die Identität der Mutter werden in einem verschlossenen „Herkunftsnachweis“ von der Beratungsstelle an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Angelegenheiten (BAFzA) weitergeleitet.Und dann bin ich aber ins Internet und hab nach Babyklappe geschaut, das war so mein erster Gedanke halt, dass das Kind jetzt weg muss. (Martina, 32)
Das DJI-Projekt: Anonyme Geburt und Babyklappen in Deutschland. Fallzahlen, Angebote, Kontexte
„Was diese junge Mutter vor allem NICHT brauchte, war eine Babyklappe. Sie brauchte Orientierung, Information, Beratung, Unterstützung. (...) Mütter in Not- und Krisensituationen brauchen Beratung und Unterstützung, und sie brauchen Schutz vor unbedachten Entscheidungen. Was sie in einer solchen Situation gerade nicht brauchen, ist Anonymität. Ein anonymes Angebot ist geradezu kontraproduktiv, weil es zu überstürzten Handlungen verleitet.“ (Ulrike Herpich-Behrens, Landesjugendamt Berlin)






