Publikationen

Die mitgenommene Generation


Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention (Hrsg.) (2002):
Die mitgenommene Generation. Aussiedlerjugendliche - eine pädagogische Herausforderung für die Kriminalitätsprävention.
München Deutsches Jugendinstitut
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Männliche junge Aussiedler werden immer wieder mit Kriminalität und Brutalität in Verbindung gebracht. Die Vermutung, diese "jungen Russen" seien die stille Reserve der RussenMafia, wird selbst von Fachleuten hin und wieder verbreitet. Dahinter verbirgt sich eine Ratlosigkeit im Umgang mit diesen "fremden" jungen Männern, die inzwischen selbst in der Jugendhilfe eingestanden wird. Gleichzeitig aber fördert ein sachlicher Blick auf diese Zielgruppe wenig Spektakuläres zu Tage. Wie viele andere minderjährige Migranten wurden sie von den Eltern ungefragt in ein fremdes Land "mitgenommen". Dort stehen sie mit leeren Händen da. Die meisten in der Heimat erworbenen und mitgebrachten Erfahrungen und Kenntnisse gelten in Deutschland nichts. Sie beherrschen weder die deutsche Sprache noch kennen sie die deutsche Kultur. Dass sie "russisch" aufgewachsen und geprägt sind schadet ihnen nur Darüber wissen einheimische Fachkräfte der Jugendhilfe nur wenig. Kaum jemand spricht Russisch, russische Kultur und Lebensart bleiben fremd und gelten nicht viel. Es wäre aber wichtig, wenn sich Fachleute auf die Vorgeschichten und Erfahrungen der Aussiedlerjugendlichen einließen. Wenn sie fragen würden: Wo kommen die Minderjährigen her? Was bringen sie mit? Welche guten und welche schlechten Erfahrungen haben sie gemacht?

Der vorliegende Band greift folgende Themen auf:

Zunächst wird über die schwierigen ökonomischen und sozialen Bedingungen des Aufwachsens in Russland und über die aktuelle Lage von Kindern und Jugendlichen in der Region Wolgograd berichtet. Danach stehen die frühkindliche Erziehung in Russland und die Möglichkeiten der Arbeit mit den Eltern der jungen Aussiedler in Deutschland im Mittelpunkt. Anschließend werden Erfahrungen aus der mobilen Jugendarbeit vorgestelltSie ist deshalb so wichtig, weil gerade Straßen und öffentliche Plätze für männliche junge Aussiedler ein wichtiger Aufenthaltsort sind und weil sie dort schnell auffallen und stören Oft wird berichtet, dass sie Konflikte schnell mit körperlicher Gewalt lösen und deshalb werden sie als gewalttätig und brutal bezeichnet. Mit diesem Verhalten haben deutsche Fachkräfte immer wieder ProblemeMöglichkeiten pädagogischen Umgangs, über die in diesem Band berichtet wird, sind deshalb von besonderer Bedeutung In den deutschen Jugendgefängnissen sind junge männliche Aussiedler überrepräsentiert und gelten als besonders schwierig. Sie bleiben unter sich und befolgen eigene "Gesetze". Neben Erfahrungen aus einer Jugendstrafanstalt werden auch Lösungsansätze vorgestellt Als ein positives Beispiel praktischer Arbeit mit schwierigen jugendlichen Aussiedlern wird ein Projekt beschrieben, das sich innovativ mit drogenabhängigen und delinquenten Jugendlichen, die sonst eher aus den Angeboten der Jugendhilfe ausgeschlossen werden, befasst Damit wird deutlich: es bewegt sich etwas. Und wenn die Grundlagen der Arbeit in der Kinder und Jugendhilfe ausreichend beachtet und abgeklärt werden, dann gibt es auch passende Angebote für "mitgenommene" Kinder und Jugendliche mit "schwierigem Gepäck". Die Zielgruppe "Aussiedler" steht hier nur als ein Beispiel. Erfolgreiche Arbeit ist auch für Kinder und Jugendliche aus anderen Ländern möglichDas Handwerkszeug ist vorhanden, es muss nur richtig eingesetzt werden.


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