Publikationen

Professionalisierung im System Kindertagespflege

Ullrich-Runge, Claudia/Lipowski, Hilke/Wirner, Lisa
Professionalisierung im System Kindertagespflege.
Fachgruppe für Entwicklungspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs)/Universität Leipzig/Fachgruppe für Pädagogische Psychologie der DGPs "Fachtagung paEpsy 2019 - Variation: Noise or Norm?" 10.09.2019
Die Kindertagespflege in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer nachbarschaftlichen Hilfe hin zu einer berufsorientierten Tätigkeit entwickelt. Dieser Prozess wurde intensiv durch Maßnahmen auf unterschiedlichen Steuerungsebenen unterstützt. Insbesondere Bund und Länder tragen mit ihren Förderprogrammen dazu bei. Diese tätigkeitsfeldbezogenen Professionalisierungsbemühungen sind geprägt von der Veränderung der strukturellen Rahmungen, z.B. Anhebung der Qualifizierungsumfänge und der Anerkennung als gleichrangiges Angebot im Feld der Kindertagesbetreuung. Nach dem Modell des kompetenten Systems (European Commission 2011) wirken sich diese Entwicklungen auf die Qualität des pädagogischen Handelns der Kindertagespflegepersonen aus (Friederich/Schoyerer 2016). Der Beitrag geht der Fragestellung nach, welche Möglichkeiten das Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB) (Schuhegger u.a. 2015) zur Entwicklung von professionellem Handeln der Tagespflegepersonen und weiterer Akteure im System dieser Betreuungsform bietet. Kindertagespflegepersonen benötigen keine berufliche Ausbildung. Wesentliche Voraussetzungen für die Erteilung einer Pflegerlaubnis sind jedoch „vertiefte Kenntnisse hinsichtlich der Anforderungen der Kindertagespflege“, welche in qualifizierten Lehrgängen oder in anderer Weise erworben werden (vgl. § 43 Abs. 2 SGB VIII). Der derzeit beinahe bundesweit geforderte Mindestumfang dieser Kurse sind 160 Unterrichtseinheiten (UE), das Konzept des QHB erweitert diesen Umfang auf 300 UE. Im Symposium werden die Analyseergebnisse aus Fokusgruppen und fallintensiven Interviews mit Expert_innen aus dem Feld der Kindertagespflege vorgestellt, die im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Bundesprogrammes KTP durchgeführt wurden. Anhand der Aussagen der Expert_innen wird deutlich, dass die (angehenden) Kindertagespflegepersonen durch den kompetenzorientierten Ansatz und die damit verbundene enge Theorie-Praxis-Verzahnung ihre Fähigkeiten zur Selbstreflexion steigern und ihre professionelle Haltung weiterentwickeln. Diese Prozesse werden als Motor für die Professionalisierung des gesamten Unterstützungssystems in der Kindertagespflege gesehen. Dies zeigt sich z.B. in Form von Weiterbildung für Fachberatungen oder in der Bereitstellung von Ressourcen (Lipowski u.a. in Vorbereitung). Hierzu werden i.R. des Beitrages ergänzend Teilanalysen der quantitativen Studie „Qualität in Kindertagespflege“ des Deutschen Jugendinstituts vorgestellt.