Frühe Bildung: Es werden weiterhin Plätze benötigt
Neue Ergebnisse der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) zeigen Ausbaubedarf in der Kindertagesbetreuung in Deutschland sowie deutliche regionale Unterschiede in der Bedarfsdeckung

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Wie entwickeln sich die Nutzung von und der Bedarf an Angeboten der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) in Deutschland? Wie passgenau und verlässlich sind die Angebote? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern? Hierzu liegen aktuelle Auswertungen der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) vor. Sie wurden nun in Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2026 und in der elften Ausgabe von „Kindertagesbetreuung Kompakt“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) veröffentlicht. Die Daten belegen, dass bei Kindern unter drei Jahren in den meisten westdeutschen Ländern nach wie vor eine große Lücke zwischen dem Platzangebot und dem elterlichen Bedarf besteht. Für Kinder zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt ist die Versorgungslage mit Plätzen in der FBBE dagegen gut und erreicht insbesondere in einigen Regionen Ostdeutschlands eine Vollversorgung
FBBE-Angebote für Kinder unter drei Jahren weiterhin nicht bedarfsdeckend
49 Prozent der Eltern äußerten im Jahr 2025 einen Bedarf an einem Platz in der FBBE. Dies waren seit dem Jahr 2021 erstmals wieder weniger Eltern. Der Bedarf fällt damit in dieser Altersgruppe etwas niedriger aus als im Vorjahr. Dennoch konnten 11 Prozent der Eltern keinen Platz für ihr Kind nutzen. In Westdeutschland ist die Lücke mit 12 Prozentpunkten größer als in Ostdeutschland mit 5 Prozentpunkten.
Nach Analysen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) an der Technischen Universität Dortmund sind auch für das Jahr 2025 und insbesondere in Ostdeutschland seit einigen Jahren deutliche demografische Rückgänge bei der Zahl der Kinder zu beobachten. Trotzdem konnten nicht alle Eltern mit Bedarf ein entsprechendes Angebot nutzen. Dabei zeigen sich bei Eltern mit ein- und zweijährigen Kindern deutliche regionale Unterschiede: Während der Bedarf in kleinen ostdeutschen Gemeinden (< 20.000 Einwohnende) am seltensten ungedeckt bleibt, sind Familien in westdeutschen Mittelstädten (20.000 bis 100.000 Einwohnende) besonders häufig betroffen. Auf Bundesebene war für 14 Prozent der Eltern mit einem ein- oder zweijährigen Kind der ungedeckte Bedarf besonders akut: Sie haben bereits seit längerer Zeit einen Bedarf und verfügen zum Befragungszeitpunkt noch über keine Platzzusage. Weitere 25 Prozent hatten zumindest eine Platzzusage erhalten.
Bedarf nach erweiterten Halbtagsplätzen steigt leicht an
Eltern in Ostdeutschland wünschen und nutzen häufiger größere Umfänge und bevorzugen überwiegend Ganztagsangebote. Eltern in Westdeutschland bevorzugen hingegen häufiger Angebote im Umfang eines erweiterten Halbtagsplatzes mit mehr als 25 und bis zu 35 Stunden wöchentlich. Bei Kindern unter drei Jahren zeigte sich im Jahr 2025 – in Ost- und Westdeutschland – eine leichte Verschiebung von Ganztagsplätzen hin zu erweiterten Halbtagsplätzen. Doch häufig fehlt es an einer grundlegenden Passung zwischen Angebot und Bedarf: Es werden größere Umfänge von den Eltern gewünscht als tatsächlich genutzt werden – und umgekehrt. Dies korrespondiert laut Auswertungen der TU Dortmund mit tendenziell kürzer werdenden Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtungen. Dabei ist ein anhaltendes Ost-West-Gefälle zu beobachten: Einrichtungen in Ostdeutschland haben durchschnittlich früher und länger geöffnet als im restlichen Bundesgebiet. Auch im Jahr 2025 waren viele Eltern von gekürzten Öffnungszeiten, aber auch ungeplanten Schließtagen betroffen. Gegenüber dem Jahr 2024 nahm insbesondere der Anteil der Eltern zu, die von ungeplanten Schließtagen berichteten. Dies wurde primär auf akute und strukturelle Personalengpässe zurückgeführt.
Die DJI-Kinderbetreuungsstudie
Die DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) ist eine jährliche bundeslandrepräsentative Befragung von etwa 33.000 Eltern von Kindern ab der Geburt bis zum Ende der Grundschulzeit. Die Schwerpunkte der Studie sind neben der aktuellen Situation sowie dem elterlichen Bedarf unter anderem die Passung und Verlässlichkeit der Angebote, die Kosten, Ferienbetreuung bei Grundschulkindern, die Gründe, weshalb Eltern kein Betreuungsangebot für ihr Kind nutzen, und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das BMBFSFJ fördert die Studie.
Die neu erschienene Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreports 2026 enthält vertiefende und umfangreiche Analyseergebnisse zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung und zum elterlichen Bedarf in Bezug auf Kinder unter drei Jahren und von drei Jahren bis zum Schuleintritt aus KiBS 2025.
Die Ergebnisse aus KiBS 2025 fließen auch in die Broschüre „Kindertagesbetreuung Kompakt“ ein und werden dort den durch die AKJStat berechneten Beteiligungsquoten gegenübergestellt.
Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung: elterlicher Bedarf im Jahr 2025, Studie 1 des DJI-Kinderbetreuungsreport 2026 (PDF)KiBS-Dashboard: Trendverläufe des elterlichen Bedarfs und weitere Indikatoren seit 2012 nach Altersgruppen, Ost- und Westdeutschland und BundesländernKindertagesbetreuung Kompakt: Ausbaustand und Bedarf 2025. Publikation des BMBFSFJ (PDF)
Kontakt
Theresia Kayed
DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS)
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Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
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