Ausbau der Kinder- und Jugendhilfe vorerst gebremst

Kostenentwicklung bei Kindertagesbetreuung und Hilfen zur Erziehung sowie Rückgänge in der Kindertagesbetreuung sind zentrale Themen der aktuellen KomDat-Ausgabe

18. Dezember 2025 -

Die finanziellen Aufwendungen für die vielfältigen Leistungsbereiche der Kinder- und Jugendhilfe haben in den 1990er-Jahren noch moderat zugenommen und sind seit etwa Mitte der 2000er-Jahre deutlich gestiegen. In der Kindertagesbetreuung trugen vor allem der massive Platzausbau für Kinder unter 3 Jahren (U3), aber auch der Platzausbau für Kinder ab 3 Jahren sowie qualitative Verbesserungen, wie zum Beispiel der Personal-Kind-Schlüssel oder die Ausweitung der Eingliederungshilfe, zum Kostenanstieg bei. 

Kostenentwicklung bleibt herausfordernd

Auch die Erziehungshilfen haben sich im Zuge des enormen Ausbaus der ambulanten Hilfen deutlich ausgeweitet sowie durch intensive Kinderschutzdebatten qualitativ verbessert. Durch die zeitweise gestiegenen Unterstützungsbedarfe von geflüchteten Minderjährigen wurden neue Zielgruppen erschlossen – alles im allem Faktoren, die zu wachsenden Aufwendungen führten. Hinzu kommt der enorme Ausbau von Eingliederungshilfen bei einer seelischen Behinderung insbesondere im schulischen Kontext.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor für die gesamte Kinder- und Jugendhilfe ist zudem die allgemeine Preisentwicklung: Zwischen den Jahren 2006 bis 2023 waren mindestens 43 Prozent des nominalen Ausgabenanstiegs der Kinder- und Jugendhilfe darauf zurückzuführen.

Weitere Rückgänge in der Kindertagesbetreuung

Nach dem ersten bundesweiten Rückgang im Vorjahr sind die Kinderzahlen in der Kindertagesbetreuung im Jahr 2025 erneut gesunken. Diese Entwicklung ist in Ostdeutschland bereits seit Jahren zu beobachten, unter anderem bedingt durch sinkende Geburtenraten. Es fällt nun auf, dass auch in Westdeutschland im U3-Bereich ein erneuter Rückgang erfolgt ist. Dies geschieht, obwohl dort weiterhin eine deutliche Lücke zwischen Angebot und Nachfrage besteht. Zwar müssen die aktuellen Daten im Kontext der neuen Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022 vorsichtig interpretiert werden, doch deuten die rückläufigen Einrichtungs- und Personalzahlen in Ostdeutschland sowie das nachlassende Wachstum in Westdeutschland auf eine mögliche Trendwende hin.

Auch andere Leistungsfelder zeigen Anzeichen einer Abschwächung: Bei den Amtsvormundschaften und den Adoptionen bleiben im Jahr 2024 die Zahlen in etwa auf dem Vorjahresniveau, in den Inobhutnahmen sind sogar Rückgänge erkennbar. Selbst im bislang stark expandierenden Bereich der Eingliederungshilfen nach SGB IX scheint sich der rasante Ausbau vorerst zu verlangsamen.

Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe (KomDat) – 3/2025 (PDF)

Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund

 

Kontakt
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