Familienleben im Blick der Forschung

Die Publikation „Doing und Undoing Family. Theoretische und empirische Entwicklungen“ bietet umfassende Einblicke in Familienbeziehungen und -prozesse

20. Mai 2020 -

Familie ist nicht nur eine Institution, die im Familienrecht verankert ist, sondern eine Institution, die durch alltägliche Praxen immer wieder neu hergestellt und gelebt wird. Eine Familie hat man nicht einfach, man muss sie „tun“. Dabei interessieren die Tätigkeiten aller Akteure in einer Familie wie Eltern, Kinder, Geschwister, Großeltern und andere. Diese Aussage umreißt knapp den nun weiter entwickelten Ansatz des „Doing Family“, der im Deutschen Jugendinstitut (DJI) in einem Team um Karin Jurczyk, der ehemaligen Leiterin der Abteilung „Familie und Familienpolitik“. Das Buch wurde überwiegend von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DJI verfasst und bündelt einige Jahre intensiver gemeinsamer Arbeit.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verstehen das permanente Gestalten des Familienlebens unter komplexen Rahmenbedingungen als Herstellungsleistung. Denn es ist zunehmend kompliziert, die gesellschaftlich erwarteten familialen Tätigkeiten wie beispielsweise Versorgung, Pflege, Zuwendung und vieles mehr zu erbringen und sie mit der Erwerbstätigkeit beider Elternteile in Einklang zu bringen. Die Erwartungen an Familien kommen von vielen Seiten: Hohe Ansprüche aus dem Bildungs- und Erziehungsbereich an eine optimale Förderung von Kindern, die fortschreitende räumliche und zeitliche Entgrenzung des Erwerbslebens, immer ungleichere Lebenslagen, neue technische Herausforderungen und nicht zuletzt Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin. Das Modell einer „sorgenden Gesellschaft“ ist nicht in Sicht: nach wie vor wird Familien die meiste Last der Sorgearbeit als privat zu lösendes Problem zugewiesen.

Der Sammelband enthält theoretische Abhandlungen, beispielsweise über Care, Gender, soziale Ko-Produktion von Familie sowie Praxistheorien. Auch Prozesse des „Undoing Family“, das heißt des Distanznehmens und des Grenzen Ziehens sowie schädigende Prozesse, wie das Auflösen, Weggehen, Ignorieren und in Frage stellen von Familienbeziehungen sind neue, wichtige Themen des Buches.

Hinzu kommen empirische Beiträge über Adoptiv-Familien, zum Leben in erweiterten Familiennetzwerken, zur Versorgung älterer Menschen in privaten Haushalten mit migrantischen Haushaltsarbeiterinnen, zu multilokalem und transnationalem Familienleben und einigem mehr. Auch das Zusammenwirken von individuellem und institutionellem „Doing Family“ in familienanalogen Erziehungsstellen oder die gestiegene Bedeutung neuer Medien und Kommunikationstechnologien berühren wichtige Themen des DJI.


Doing und Undoing Family, Konzeptionelle und empirische Entwicklungen, Herausgegeben von Karin Jurczyk, Buch, broschiert, 451Seiten, ISBN: 978-3-7799-6291-5
Interview mit Dr. Karin Jurczyk

Kontakt
Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
horn@dji.de

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