Lehren aus dem Missbrauchsfall Staufen

Die Kommission Kinderschutz, in der Forschungsdirektorin Sabine Walper mitwirkt, legt Empfehlungen vor

19. February 2020 -

In Staufen im Breisgau wurde ein Junge jahrelang durch seine Mutter und ihren Lebensgefährten missbraucht und im Internet als Sexualobjekt angeboten. Das Leid des Kindes blieb lange unentdeckt, den Behörden wurde in diesem Zusammenhang Versagen vorgeworfen. Das Land Baden-Württemberg hat daraufhin im Jahr 2018 ein Expertengremium einberufen, um konkrete Maßnahmen für einen besseren Kinderschutz zu erarbeiten. Diese stellte die Kommission Kinderschutz, der auch Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) angehört, zusammen mit ihrem Abschlussbericht der Öffentlichkeit vor. Der Bericht enthält mehr als 100 Einzelempfehlungen.

Als zentrales Defizit identifizierte die Kommission Kinderschutz, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen, die in die Verfolgung von Missbrauchsfällen eingebunden werden, nicht gut funktioniere. Unterschiedliche Vorgehensweisen und jeweils verschiedene Fachsprachen in Justiz, Polizei und Jugendämtern führten dazu, dass Informationen in Einzelfällen gar nicht oder nicht rechtzeitig weitergegeben würden, erläuterte Sabine Walper. Zudem erwiesen sich Datenschutzregeln häufig als Hemmnis. Die Weitergabe von Informationen soll deshalb künftig klarer  geregelt werden. Zudem soll gesetzlich verankert werden, dass Jugendämter in familiengerichtlichen Verfahren mitwirken und dass betroffene Minderjährige in Kinderschutzverfahren sachkundig angehört werden: „Es ist wichtig, Kindern eine Stimme zu geben und sie angemessen zu hören“, sagte Walper.

Damit das Gefährdungsrisiko für Kinder leichter einzuschätzen sei, empfiehlt die Kommission, praktisch gut handhabbare Standards festzulegen und wirksame Methoden zu entwickeln. Den Jugendämtern kommt hierbei eine zentrale Rolle zu. Sie werden aktuell durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DJI und des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) bei der Qualitätsentwicklung beraten. Vorausgegangen war eine Befragung aller im Kinderschutz tätigen Fachkräfte der baden-württembergischen Jugendämter zu ihrer Arbeitssituation und Entwicklungsbedarfen. Auf diese Ergebnisse des DJI-Forschungsprojekts „Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Baden-Württemberg“ konnte die Kommission Kinderschutz bereits vor Veröffentlichung zurückgreifen, um sich ein umfassendes Bild von der Situation der Jugendämter zu machen.


Pressemitteilung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg zum Abschlussbericht der Kommission KinderschutzForschungsprojekt „Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Baden-Württemberg“
Themen, Projekte und Forschende im Bereich „Kinderschutz“

Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)


Kontakt
Prof. Dr. Sabine Walper
Forschungsdirektorin
089/62306-289
walper@dji.de

Dr. Heinz Kindler
Leitung der Fachgruppe Familienhilfe und Kinderschutz
089/62306-245
kindler@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
hofele@dji.de

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