Um Fachkräfte zu halten, setzen Kitas auf Personalentwicklung

Vielen Kindertageseinrichtungen fällt es schwer, offene Stellen zu besetzen, zeigt eine bundesweite Befragung

(Foto: Felix Krammer)

11. Februar 2020 -

Die Kindertagesbetreuung ist seit Jahren auf Expansionskurs. Zwischen den Jahren 2006 und 2019 ist die Zahl der Beschäftigten um 81 Prozent auf zuletzt 752.220 gewachsen, die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei nur 1,1 Prozent. Der hohe Fachkräftebedarf macht sich in den Einrichtungen bemerkbar, wie Ergebnisse einer bundesweiten Kita-Befragung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) am Deutschen Jugendinstitut (DJI) zeigen: Für viele Einrichtungen ist es schwer, offene Stellen zu besetzen und Personalausfälle im Team auszugleichen. Gleichzeitig gewinnt das Thema Personalentwicklung an Bedeutung.

Einrichtungen konkurrieren um Fachkräfte

Frühpädagogische Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt: Berufseinsteigerinnen und -einsteiger können häufig zwischen mehreren Jobangeboten wählen. 27 Prozent der Befragten in den Einrichtungen gaben an, mindestens eine offene Stelle zu haben, in 13 Prozent der Kitas bleiben Stellenanteile mehr als sechs Monate unbesetzt. In knapp neun von zehn Einrichtungen wird die Besetzung von Fachkraftstellen als (eher) schwierig eingeschätzt, 82 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern fehle, 33 Prozent sehen die Konkurrenz zu anderen Kitas als Problem. Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung haben 25 Prozent der  Einrichtungen bereits Personal ohne die gewünschte Qualifikation eingestellt und 16 Prozent mussten Neuzugänge nachqualifizieren.

Personalentwicklung wird immer wichtiger
Um für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger attraktiver zu sein, etablierte Kräfte zu halten und die Betreuungsqualität zu sichern, setzen die Einrichtungen verstärkt auf Strategien der Personalentwicklung. In vier von fünf Kitas sind die Befragten der Meinung, dass das Thema Personalentwicklung in den letzten fünf Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Und sie sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Personalentwicklung und der Qualität ihres pädagogischen Angebots.

An ester Stelle steht die Teamentwicklung
Insbesondere mit der Teamentwicklung beschäftigen sich über 70 Prozent der Einrichtungen sehr intensiv, gefolgt von der Personalbindung und der Weiterbildung der Beschäftigten. Dabei gilt: Je größer die Einrichtung, desto mehr Ressourcen werden für Fragen der Personalentwicklung aufgewendet. 62 Prozent der großen Einrichtungen mit mehr als 14 pädagogisch Tätigen beschäftigen sich beispielsweise intensiv mit der Gewinnung von Personal, im Gegensatz zu 27 Prozent der sehr kleinen Teams mit bis zu vier pädagogisch Tätigen. Dies liegt zum einen am höheren Bedarf, zum anderen an der weitreichenderen Freistellung für Managementaufgaben, über die Leitungen großer Teams verfügen.

Zuständigkeiten für Personalentwicklung sind oft ungeklärt
Personalentwicklung gehört zu den Führungsaufgaben von Kita-Trägern, die sie in unterschiedlichem Umfang an die Leitungen ihrer Einrichtungen delegieren. Damit diese sich dem Thema kompetent widmen können, müssen sie ihre Spielräume kennen und wissen, wo ihre Zuständigkeiten liegen. Wie die Kita-Befragung zeigt, liegt hier eine Hürde für eine systematische Personalentwicklung. In 30 Prozent der Einrichtungen fehlt eine verbindliche Klärung zwischen Träger und Einrichtungsleitung, wer für Personalentwicklung zuständig ist. Ebenso gab ein Drittel an, dass ihr Träger keine ausreichenden Informationen zur Verfügung stellt und keine hohe Fachkompetenz in diesem Bereich besitzt.

Dünne Personaldecke erschwert Arbeit der Leitungen

Knapp ein Drittel der befragten Einrichtungen arbeitet nach eigenen Angaben häufig unterhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssels, etwa wenn ein Teammitglied krank ist. In jeder vierten Einrichtung findet Personalentwicklung aufgrund von langfristigen Personalausfällen demnach nicht statt. „Das Thema Personalentwicklung ist in Kindertageseinrichtungen angekommen, allerdings wird das Potenzial vieler Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft“, sagt Dr. Kristina Geiger, wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut, die die Studie durchgeführt hat. „Ein Teil der Träger muss mehr Verantwortung übernehmen und auch die Kita-Leitungen selbst sollten stärker in den Fokus von Personalentwicklungsmaßnahmen rücken, damit sie in Zeiten des Fachkräftemangels ihren anspruchsvollen Aufgaben gerecht werden können.“   
 
An der Kita-Befragung zur Personalentwicklung haben sich zwischen Dezember 2017 und Mai 2018 bundesweit 1.431 Einrichtungen, die nicht ausschließlich Schulkinder betreuen, beteiligt. Unter Personalentwicklung werden sämtliche Maßnahmen verstanden, die der individuellen und teambezogenen Weiterentwicklung der Fach- und Leitungskräfte unter Berücksichtigung der Ziele der Einrichtung dienen.


WiFF-Studie Band 32 „Personalgewinnung. Personalentwicklung. Personalbindung.“DJI-Projekt Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF)

Kontakt
Kristina Geiger,Wissenschaftliche Referentin
Abteilung Kinder und Kinderbetreuung
089/62306-424
kgeiger@dji.de

Annemarie Schuldt, Projektmarketing
Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF)
089/62306-249
schuldt@dji.de