Familienrecht: Vater, Mutter, Kind – viele Familien sehen heute anders aus

Der Begriff Familie umfasst heute eine größere Vielfalt als noch vor 50 Jahren. Er wird auch in der Bevölkerung breiter gefasst. Alleinerziehende mit oder ohne engagierten externen Elternteil, Patchwork-Familien mit zwei, drei oder vier Eltern, Pflegefamilien, gleichgeschlechtliche Paare mit Kind, Familien nach Samen- oder Embryonenspende – in Deutschland gibt es viele Formen, mit Kindern zusammen zu leben. Auch das Recht muss den Veränderungen Rechnung tragen. Auf dem deutschen Juristentag wurde u.a. diskutiert, wie ein zeitgemäßes Familienrecht aussehen kann. Dort sprach man sich beispielsweise mehrheitlich für eine Gleichstellung homosexueller Paare bei Adoptionen aus, ein Thema, das auch in der SWR-Sendung „Radioreport Recht“ diskutiert wurde. Die stellvertretende DJI-Direktorin Prof. Dr. Sabine Walper wies in der Runde mit Blick auf aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass die reine Familienform deutlich nachrangig sei gegenüber der Frage, wie Familie gelebt wird. Auch in den Patchworkfamilien seien Stiefmütter und -väter häufig wichtige Vertrauens- und Bezugspersonen für die Kinder. Denn meist werde die Entscheidung, als Stieffamilie einen gemeinsamen Haushalt mit den nicht leiblichen Kindern zu führen und sich um diese zu kümmern, ja sehr bewusst getroffen. Ein deutlich größeres Risiko für die Entwicklung der Kinder seien hochstrittige Beziehungen der Eltern, die wegen Fragen des Sorge- oder Umgangsrechts sogar vor Gericht ziehen.