Mindestlohn: Working-Poor-Projekt präsentiert Ergebnisse bei Bundesagentur für Arbeit
Auf Einladung der Bundesagentur für Arbeit nahmen Julia Schwarz-Zeckau und Shih-cheng Lien vom Deutschen Jugendinstitut an einer Fachtagung der Reihe „Wissenschaft trifft Praxis“ teil. In Nürnberg stand das Thema „Mindestlohn, Niedriglohn und Beschäftigung“ auf dem Programm. Yasmin Fahimi (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) und Prof. Dr. Joachim Möller (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) sorgten für den Auftakt, bevor sich Wissenschaft und Praxis in vier Parallelworkshops austauschten. Die Zwischenergebnisse des DJI-Projekts „Working Poor“ wurden im Workshop „Armut trotz Arbeit“ diskutiert: Jede zehnte Familie von Erwerbstätigen in Deutschland ist armutsgefährdet und hat weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens (bedarfsgewichtet) zur Verfügung. Laut Erhebungen des DJI-Surveys AID:A II sind vor allem Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Familien mit Migrationshintergrund von Erwerbsarmut betroffen. Shih-cheng Lien betonte, dass das Armutsrisiko keineswegs nur Niedrigqualifizierte betrifft. Auch Familien mit einer mittleren Bildung zählen überdurchschnittlich häufig zu den Working Poor. Ein weiterer Risikofaktor ist ein geringer Erwerbsumfang. Eine einzelne Vollzeitstelle reicht für viele Paarfamilien nicht mehr aus. Julia Schwarz-Zeckau wies darauf hin, dass Working Poor-Familien häufig Mehrfachbelastungen durch finanzielle Enge, Zeitnot und Teilhabedruck ausgesetzt sind. Wesentliche Schritte zur Entlastung sind damit nicht nur eine höhere Erwerbsintegration, sondern auch vielfältige familiale Unterstützung.