Care-Arbeit in Partnerschaften gerecht verteilt?
Im Rahmen der Schwerpunktwoche Familie im Bayerischen Rundfunk war Dr. Karin Jurczyk, Leiterin der DJI-Abteilung Familie und Familienpolitik gleich zwei Mal als Expertin geladen. In der Sendung „Füreinander sorgen“ beantwortete Karin Jurczyk die Frage, ob Familien das heute überhaupt noch können, mit der Gegenfrage, ob Familie unbedingt der beste Ort dafür sei. Betreuen und pflegen zu Hause bedeute ja nicht, dass dies automatisch liebevoll und kompetent geschehe. „Früher wurde fast alle Fürsorgearbeit in der Familie gemacht, aber es hat zum Teil viel Gewalt in der Betreuung von alten Menschen gegeben. Auch Kinder haben nicht immer die nötige Zuwendung erhalten, sondern sind manchmal einfach nur ruhig gestellt worden.“ Dennoch: Damit fürsorgewillige Familien unterstützt werden, plädiert Jurczyk für Lösungen wie integrierte Wohnformen, Mehrgenerationenhäuser und bessere öffentliche Kinderbetreuung. Unterstützungsleistungen dürften im Übrigen nicht auf die biologische Familie beschränkt bleiben, sondern müssten auch für Freunde und Nachbarn gelten, die sich verlässlich kümmern. Auch die Männer sollten stärker mit einbezogen werden. Das gehe aber nur, wenn sich die Rahmenbedingungen in den Unternehmen änderten und Care aufgewertet wird. Ein stärkeres Engagement der männlichen Familienmitglieder forderte Jurczyk auch in der Notizbuch-Sendung „Partnerschaftliche Rollen - noch immer eine Illusion?“ ein. Der DJI-Studie AID:A zufolge teilen sich heute nur 8% der befragten Paare mit Kindern Beruf und Familie wirklich egalitär, d.h. sie sind gleich lang erwerbstätig und übernehmen Familienarbeit zu gleichen Anteilen.