Kinder, Jugendliche und Familien nach der Flucht: Kinder und Jugendhilfe gefordert
Die Flüchtlingsfrage stellt auch die Kinder- und Jugendhilfe vor immense Herausforderungen. Diese werden in einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe der Hochschule München und der Katholischen Stiftungsfachhochschule thematisiert und diskutiert. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung, an der 300 Gäste aus bayerischen Ministerien, dem Bayerischen Landtag, Hochschulen und Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege teilnahmen, wies Dr. Heinz Kindler (DJI) in seinem Fachvortrag „Schutz und Sicherheit als Aufgaben“ darauf hin, dass von vielen Fachkräften erhöhte Unsicherheiten im Umgang mit Kinderschutzfragen bei Migrationshintergrund geäußert werden. Bemerkenswert sei, dass es trotz einer Vielzahl von Belastungsfaktoren zu keiner Überrepräsentation bei Gefährdungsmeldungen gekommen sei. Die hauptsächlich wahrgenommen Gefährdungssituationen waren verschiedene Formen der Vernachlässigung, das Miterleben von Partnerschaftskonflikten und Partnerschaftsgewalt sowie geschlechtsspezifische Formen der Gefährdung wie der Verdacht auf Zwangsverheiratung, das Einsperren von Mädchen oder das Ausüben von sexueller Gewalt. Strukturelle Bedingungen in den Gemeinschaftsunterkünften und institutionelle Mängel trügen maßgeblich zu den Gefährdungen bei. Häufig gäbe es viel zu wenig Personal und keine verstetigte Präsenz von Unterstützungsangeboten vor Ort. Viele Eltern und Kinder erhielten nicht die Hilfen, die notwendig seien, um die Folgewirkungen psychischer Belastungen abzumildern. Daher bestehe ein hohes Chronifizierungsrisiko mit deutlichen Auswirkungen auf den weiteren Lebenslauf.