Gaming etabliert sich im Familienalltag
Während der Pandemie holten bislang weniger gamingaffine Familien auf. Diese Entwicklung setzt einen langfristigen Trend fort

Foto: Getty Images/Jose Luis Pelaez Inc
Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) untersucht, wie sich die Gaming-Nutzung in Familien zwischen den Jahren 2019 und 2021 verändert hat. Die Ergebnisse zeigen deutliche Veränderungen im häuslichen Gaming-Verhalten während der Corona-Pandemie. Besonders Familien, in denen Gaming zuvor eine geringere Rolle gespielt hatte, verzeichneten starke Zuwächse. Ergänzende Analysen deuten zudem darauf hin, dass die beobachteten Entwicklungen Teil eines längerfristigen Trends sein könnten.
Vor allem Jungen und Kinder im Grundschulalter nutzen vermehrt digitale Spiele
Der Anteil der Kinder im Alter von 0 bis 11 Jahren, die digitale Spiele nutzten, stieg innerhalb von zwei Jahren um 22 Prozentpunkte. Gleichzeitig erhöhte sich die tägliche Spielzeit um durchschnittlich 23 Minuten. Unter den Kindern, die im Jahr 2019 bereits spielten, lag der Zuwachs sogar bei 39 Minuten pro Tag. Besonders deutlich fiel die Entwicklung bei Jungen und Kindern im Grundschulalter aus.
Für Mütter zeigen die Analysen ein anderes Bild. Während ihre individuelle Gaming-Nutzung leicht zurückging, nahm das gemeinsame Spielen mit ihren Kindern geringfügig zu. Dies deutet darauf hin, dass digitale Spiele in Familien während der Pandemie teilweise stärker als gemeinsame Aktivität genutzt wurden. Für Väter liegen keine längsschnittlichen Daten vor.
Gaming für Familien immer alltäglicher
Die Veränderungen fielen jedoch nicht in allen Familien gleichermaßen aus. Zwar nahm die Gaming-Nutzung in allen untersuchten Familiengruppen zu, besonders deutliche Zuwächse zeigten sich jedoch in den beiden großen Familiengruppen, in denen digitale Medien und Gaming vor der Pandemie eine vergleichsweise geringere Rolle gespielt hatten. Familien, die bereits vor der Pandemie häufig digitale Medien nutzten, verzeichneten ebenfalls Anstiege, allerdings weniger ausgeprägt. Die Forschenden interpretieren dies als einen möglichen „Aufhol-Effekt“: Familien mit niedrigerer Ausgangsnutzung näherten sich während der Pandemie den medienaffineren Gruppen an.
„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass Gaming heute in immer mehr Familien selbstverständlich zum Medienalltag gehört“, sagt Dr. Simone Schüller, DJI-Wissenschaftlerin und Erstautorin der Studie. „Die Pandemie war dabei möglicherweise ein Verstärker einer Entwicklung, die bereits zuvor begonnen hatte.“
Langfristiger Trend erkennbar
Die Ergebnisse lassen sich in einen größeren gesellschaftlichen Wandel einordnen. Ergänzende Auswertungen, die Entwicklungen seit dem Jahr 2009 berücksichtigen, deuten darauf hin, dass die beobachtete Entwicklung nicht allein auf die besonderen Bedingungen der Pandemie zurückzuführen ist. Vielmehr fügt sie sich in einen längerfristigen Trend ein: Digitale Spiele gewinnen im Alltag von Kindern und Familien seit Jahren an Bedeutung. Parallel dazu verlieren einige traditionelle Freizeitaktivitäten, darunter das Lesen von Büchern, an Verbreitung. Ob diese Entwicklungen miteinander zusammenhängen und in welchem Umfang digitale Aktivitäten andere Freizeitformen verdrängen, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Studie jedoch nicht kausal beurteilen.

Für die Studie analysierten die Forschenden Daten der DJI-Längsschnittstudie „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) von 930 Müttern und 1.499 Kindern im Alter von 0 bis 11 Jahren. Verglichen wurden die Angaben der Befragten aus dem Jahr 2019, vor der Pandemie, mit ihren Angaben aus dem Jahr 2021. Die Forschenden weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Studie keine Aussagen über positive oder negative Folgen der gestiegenen Gaming-Nutzung treffen kann. Sie zeigt jedoch, wie stark sich digitale Spiele inzwischen im Familienalltag etabliert haben.
Fachartikel (Englisch) in der Zeitschrift "Family Relations"Foliensatz zum Vortrag „Verändertes Gaming von Müttern und Kindern in der Pandemie?“, DJI Lunchbag Session vom 10. Juli 2024Pressemeldung „Leserückgang bei Jugendlichen vorerst gebremst“mehr DJI-Forschung zum Thema „Medien“
Kontakt
Dr. Simone Schüller
Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung von Familien“
Tel.: 089/62306-242
schueller@dji.de
Martin Kern
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-397
mkern@dji.de