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Leserückgang bei Jugendlichen vorerst gebremst

Immer weniger Jugendliche lesen täglich Bücher – im Jahr 2023 hat sich dieser Trend jedoch abgeschwächt. Das zeigen Daten des DJI-Surveys AID:A. Mädchen lesen weiterhin deutlich häufiger täglich als Jungen

21. April 2026 -

Bei jungen Menschen in Deutschland nimmt die Bedeutung des Bücherlesens ab, gleichzeitig bleibt es fester Bestandteil ihrer Freizeit. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A)“, die das Deutsche Jugendinstitut (DJI) anlässlich des „Welttags des Buchs“ veröffentlicht hat.

Während im Jahr 2009 noch 35 Prozent der 12- bis 17-jährigen Mädchen und 21 Prozent der Jungen angaben, täglich Bücher zu lesen, sank dieser Anteil innerhalb eines Jahrzehnts auf 18 Prozent bei den Mädchen und 7 Prozent bei den Jungen. Diese Befunde bestätigen den Abwärtstrend, den internationale Studien belegen. Zugleich deuten die AID:A-Daten aus dem Jahr 2023 darauf hin, dass sich die negative Entwicklung zwischenzeitlich abgeschwächt hat: Der Anteil lesender Jugendlicher lag 2023 sogar wieder leicht über dem Niveau von 2019 (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die täglich Bücher lesen (in Prozent)




Starke Geschlechterkluft bei 15- bis 23-Jährigen 

Der langfristige Rückgang der täglichen Buchlektüre zeigt sich nicht nur im Zeitverlauf, sondern auch zwischen den Altersstufen: 2023 lesen jüngere Altersgruppen deutlich häufiger täglich als ältere (siehe Abbildung 2). Die AID:A-Daten bilden diese unterschiedlichen Lesegewohnheiten junger Menschen in Deutschland erstmals durchgehend vom Kindes- bis ins junge Erwachsenenalter ab. 

Abbildung 2: Anteil junger Menschen, die täglich Bücher lesen nach Altersgruppe und Geschlecht (in Prozent)



Gleichzeitig verweisen die Daten auf klare Geschlechterunterschiede beim Lesen von Büchern: Mädchen bzw. junge Frauen lesen über alle Altersgruppen hinweg deutlich häufiger täglich Bücher als Jungen bzw. junge Männer. Diese Differenz variiert nach Alter und fällt insbesondere bei den 15- bis 23-Jährigen besonders groß aus. Die Kluft in der genannten Altersgruppe hat sich in früheren AID:A-Erhebungen nicht so deutlich gezeigt. Die DJI-Wissenschaftler:innen Dr. Simone Schüller, Dr. Anne Berngruber, Dr. Lisa Hasenbein und Dr. Claudia Zerle-Elsäßer vermuten, dass dies unter anderem mit dem auch in Deutschland zu verzeichnenden Boom des sogenannten „New-Adult“-Genres zusammenhängen könnte. Diese Literatur für junge Erwachsene handelt vom Erwachsenwerden, von Identitätsfindung sowie von ersten Beziehungen und ist bei jungen Frauen besonders beliebt. 

Der DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A)“ ist eine standardisierte Befragung, die seit 2009 bundesweit durchgeführt wird und auf einer Zufallsstichprobe basiert. Erhoben werden Daten zum Aufwachsen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie zu den Lebenslagen von Familien in Deutschland. 


Schüller, Simone u.a. (2026): „Lesen in der Krise? Lesegewohnheiten von Jugendlichen 2009 bis 2023DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A)“

 

Kontakt

Dr. Simone Schüller
Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung von Familien“
089/62306-242
schueller@dji.de

Dr. Anne Berngruber
Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“
089/62306-591
berngruber@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de