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20. November 2015

Professor Dr. Thomas Rauschenbach: Kita-Kindheit neue Normalität in Deutschland

Nicht einmal 25 Jahre haben genügt, um die Koordinaten des Aufwachsens von Kindern im Vorschulalter grundlegend zu verändern, sagte Prof. Dr. Thomas Rauschenbach in seinem Eröffnungsvortrag zur DJI-Jahrestagung 2015 in Berlin. So besuchen in der Bundesrepublik heute 96 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren eine Kita; auch von den Zweijährigen wird bereits mehr als die Hälfte in einer Kindertageseinrichtung betreut. Solche hohen und weiter steigenden Quoten signalisieren, dass eine neue Normalität erreicht sei, so Rauschenbach. Während in der alten Bundesrepublik gerade einmal 15 Prozent der Kinder unter 6 Jahren einen Kindergarten besuchten, sind heute bereits 71 Prozent aller U6-Kinder in einer Kindertagesbetreuung. Wichtigste Triebfeder bei dieser Entstehung einer „Kita-Kindheit“ seien veränderte Erwerbsmuster: Das traditionelle elterliche Erwerbsmodell mit dem Vater als Alleinverdiener wird nur noch von einer Minderheit der Paare gelebt. Inzwischen sind von den Müttern mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren rund 70 Prozent erwerbstätig – vor 20 Jahren waren es nur 50 Prozent. Demzufolge sinkt das Kita-Einstiegsalter: Im Westen liegt es heute im Schnitt bei 2,7 Jahren und im Osten mit 1,9 Jahren noch deutlich darunter, wobei hier die Tagespflege mit ihrem häufig sehr frühen Beginn im Lebensverlauf noch nicht eingerechnet ist. Dennoch dürfe die zeitliche Verfügbarkeit von Eltern für den Arbeitsmarkt nicht zu einer extremen Ausweitung der Betreuungszeiten von Kleinkindern führen. Immerhin verbrächten viele Vorschulkinder heute schon in der Kita so viel Zeit wie ein vollzeitbeschäftigter Erwachsener an seinem Arbeitsplatz und sogar mehr Zeit als ein Kind in der herkömmlichen Grundschule. Vortragsfolien Der Verlagerung der Erziehungsaufgaben in die Kita widmet sich auch der BR-Hörfunkbeitrag von Gabriele Knetsch: Bildungsort Familie
17. November 2015

Integration von Flüchtlingen durch Bildung – Themenreihe der Transferagentur Mitteldeutschland

Der zentrale Schlüssel zur Integration in Gesellschaft und Erwerbsleben ist Bildung. Doch für die mittlerweile bundesweit über 800.000 Flüchtlinge gestaltet sich der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen vielfach ebenso unübersichtlich wie der Weg in eine Ausbildung oder den Beruf. Hier kann kommunales Bildungsmanagement helfen, die Übersicht zu behalten, Lücken im Angebot zu schließen und Akteure zu vernetzen. Unterstützung hierbei boten drei Bildungswerkstätten zu den Themen „Sprache und Kultur“, „Arbeitsmarktintegration“ und „interkulturelle Öffnung der Verwaltung“, veranstaltet von der am DJI angesiedelten Transferagentur Mitteldeutschland (TransMit). Deutlich wurde in den Fachtreffen der Wunsch nach stabilen Netzwerkstrukturen, validen Daten, einem Bildungsmonitoring und interkommunalen Kooperationen. Problematisch sah man hingegen, dass die Verwaltungen derzeit überlastet sind und eher chaotisch reagieren als planvoll vorgehen. Erschwerend kommt hinzu, dass Angebote nur Zugewanderten mit entsprechendem Aufenthaltsstatus gemacht werden können. Eine verbesserte Kommunikation und Koordination versprachen sich viele Teilnehmenden u.a. durch die Einführung kommunaler Bildungskoordinatoren.TransMit ist eine von acht Transferagenturen in Deutschland, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Kommunen und Landkreise auf ihrem Weg zu einem kommunalen Bildungsmanagement beraten und begleiten.