Mehr Unterstützung bei der frühen Bildung von unter Dreijährigen erforderlich
Ergebnisbericht der OECD-Studie TALIS Starting Strong zeigt, welche Rahmenbedingungen die frühe Bildung von Kindern in den ersten Lebensjahren erschweren
Obwohl die überwiegende Mehrheit des pädagogischen Personals in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) von unter 3-jährigen Kindern in Deutschland zufrieden mit der eigenen beruflichen Tätigkeit ist (87 Prozent), rangiert Deutschland im Ländervergleich bei der Arbeitszufriedenheit nur auf dem vorletzten Platz. Das zeigt der neu erschienene internationale Bericht zur Situation in Kindertageseinrichtungen für Kinder unter 3 Jahren im Rahmen der „TALIS Starting Strong 2024“.
Auch wenn die berufliche Tätigkeit insgesamt überwiegend positiv bewertet wird, verweist die Studie zugleich darauf, dass sich in Deutschland insbesondere Beschäftigte in sogenannten altersintegrierten Einrichtungen belastet fühlen. Die Erhebung in Deutschland wurde von Wissenschaftler:innen des Internationalen Zentrums frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC) am Deutschen Jugendinstitut (DJI) durchgeführt und ausgewertet.
In Deutschland werden Kinder unter 3 Jahren einerseits in sogenannten Krippen betreut, die auf diese Altersgruppe begrenzt sind, und andererseits in altersintegrierten Einrichtungen mit Kindern bis zur Einschulung. Der Studie zufolge berichten Leitungen in altersintegrierten Einrichtungen häufiger als ihre Kolleg:innen in Krippen, dass ein Mangel an qualifiziertem Personal (+21,2 Prozentpunkte) und Personalausfälle (+12,5 Prozentpunkte) die Qualität der pädagogischen Arbeit mit unter 3-Jährigen beeinträchtige. Außerdem geben sie deutlich häufiger an, dass Lärm die Arbeit in den Gruppen belaste (+42,0 Prozentpunkte). Pädagogisch Tätige empfinden zudem häufiger Stress aufgrund von Multitasking (+27,0 Prozentpunkte) und Verwaltungsaufgaben (+18,2 Prozentpunkte).
Obwohl das pädagogische Personal in alltagsintegrierten Einrichtungen tendenziell über ein höheres Ausbildungsniveau verfügt, fühlt es sich nicht ausreichend auf die Herausforderungen des pädagogischen Alltags vorbereitet: Häufiger als pädagogisch Tätige in Krippen äußern sie Fortbildungsbedarf für die Arbeit mit sozio-ökonomisch benachteiligten Kindern (+16,0 Prozentpunkte) sowie im Hinblick auf die frühe Förderung von Kindern, die zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen (+8,6 Prozentpunkte).
„Für die Weiterentwicklung der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern in den ersten Lebensjahren kommt es nicht allein auf den Ausbau von Plätzen und Personal an. Entscheidend sind passende Fortbildungsangebote und Rahmenbedingungen, die eine bedarfsgerechte Arbeit mit sehr jungen Kindern ermöglichen“, betonen die DJI-Wissenschaftler:innen Dr. Tijana Lujic, Dr. Samuel Bader und Daniel Turani vom ICEC, die die Studie für Deutschland durchführten und auswerteten. Die zentrale Herausforderung bestehe darin, die weit verbreiteten altersintegrierten Einrichtungen so zu stärken, dass sie die Potenziale ihrer hohen Personalqualifikation besser nutzen und zugleich die besonderen Bedürfnisse der jüngsten Kinder verlässlich berücksichtigen können.
Die Studie TALIS Starting Strong[1] wurde im Jahr 2024 zum zweiten Mal von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Kooperation mit nationalen Partnern durchgeführt. Mehr als 6.000 Pädagogisch Tätige und Leitungen in Kindertageseinrichtungen aus der Flämischen Gemeinschaft (Belgien), Deutschland, Irland, Israel, Kanada (New Brunswick, Québec), Neuseeland und Norwegen haben an der U3-Studie teilgenommen - in Deutschland waren es etwa 1.000 pädagogisch Tätige und Leitungen aus knapp 200 Kitas. Gefördert wird die Erhebung in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)[2] und der Europäischen Union (EU)[3].
Building Quality Education and Care for Children under Three Further Results from TALIS Starting Strong 2024[4]
TALIS Starting Strong Survey am DJI[5]Internationales Zentrum frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC) am DJI [6]
Kontakt
Dr. Tijana Lujic
Wissenschaftliche Referentin am ICEC
089 62306-264
lujic@dji.de[7]
Dr. Samuel Bader
Wissenschaftlicher Referent am am ICEC
089-62306-381
sbader@dji.de[8]
Daniel Turani
National Project Manager
089-62306-276
turani@dji.de[9]
Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de[10]