Engpass Ausbildung
Mehr junge Menschen suchen einen Ausbildungsplatz, doch das Angebot geht zurück. Für den Übergang ins Berufsleben wird Unterstützung für Jugendliche und Betriebe wichtiger – und muss gezielt weiterentwickelt werden.
Von Hubert Ertl[1]
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt verschärft sich. Das zeigen die Daten für das Ausbildungsjahr 2025. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO) geregelten Ausbildungsberufen um 10.300 auf rund 476.000 gesunken und damit deutlich gegenüber den Vorjahren zurückgeblieben (2023: 489.200; 2024: 486.300). Die Zahl der Neuabschlüsse 2025 stellt den niedrigsten Wert seit der Covid-19-Pandemie dar, die 2020 zu einem Einbruch der Ausbildungszahlen geführt hatte. Der damalige Wert von 467.500 stellte einen Rückgang binnen eines Jahres um fast 11 Prozent und die niedrigste Zahl von Neuabschlüssen seit der deutschen Wiedervereinigung dar. In den Folgejahren erholte sich der Ausbildungsmarkt leicht, und bis 2023 stieg die Zahl gegenüber dem Krisenjahr 2020 wieder um 4,6 Prozent an, lag aber immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2019 (Christ u.a. 2025).
Die Anzahl von betrieblichen Ausbildungsplätzen sinkt
In der aktuellen Situation ist ein deutlicher Rückgang des Angebots an Ausbildungsplätzen zu verzeichnen: Es sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr um rund 25.300 (–4,6 Prozent) auf insgesamt nur noch 530.300. Demgegenüber stieg die Ausbildungsplatznachfrage im Vergleich zu 2024 um rund +3.700 (+0,7 Prozent) auf etwa 560.300. Abbildung 1 stellt die Entwicklung von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsstellenmarkt in einem längeren Zeitverlauf dar und unterscheidet das betriebliche und das außerbetriebliche Angebot von Ausbildungsstellen. Diese Differenzierung verdeutlicht, dass sich der gegenwärtige Rückgang des Angebots vor allem auf die sinkende Zahl von betrieblichen Ausbildungsstellen zurückführen lässt (–5 Prozent im Vergleich zu 2024) (Christ u.a. 2025).

Eine differenzierte Betrachtung des Ausbildungsmarkts macht im Handwerk und in den Freien Berufen 2025, wie etwa medizinischen oder Steuerfachangestellten, ein leichtes Plus bei den Neuabschlüssen in der dualen Ausbildung nach BBiG und HwO deutlich. Dagegen gingen die Zahlen neuer Ausbildungsverträge in Industrie und Handel zurück. Ebenso zeigen sich regionale Unterschiede: In einigen Bundesländern nahm die Zahl der Neuabschlüsse zu. Auch stieg die Zahl der Anfänger:innen in der schulischen Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen 2025 auf 203.180 an (+7.442 bzw. +3,8 Prozent gegenüber 2024) (Statistisches Bundesamt 2026).
Erschwerte Übergänge von der Schule in den Beruf
Es muss konstatiert werden, dass die unsichere politische Lage und die sich daraus ergebende wirtschaftliche Unsicherheit dazu geführt haben, dass es Betrieben schwerer fällt, Ausbildungsplätze in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen. Dies wiederum verschlechtert die Chancen von Jugendlichen auf dem Ausbildungsmarkt. So stieg die Zahl der erfolglos suchenden Ausbildungsplatzbewerber: innen im Vergleich zu 2024 um rund +14.000 (+19,9 Prozent) auf 84.400. Dies entspricht rund 15 Prozent der gesamten Ausbildungsplatznachfrage und stellt den höchsten Wert seit der Weltfinanzkrise 2009 dar. Insgesamt ist die aktuelle Lage durch eine wachsende Diskrepanz zwischen einem rückläufigen Ausbildungsplatzangebot und einer steigenden Nachfrage von Jugendlichen nach beruflicher Ausbildung gekennzeichnet.
Damit verbunden sind die in den letzten Jahren steigenden Zahlen im Übergangsbereich, in den 2025 262.210 Jugendliche einmündeten (+1.740 bzw. +0,7 Prozent gegenüber 2024), was einem Anteil von 13,7 Prozent am gesamten (Aus-) Bildungsgeschehen entspricht (Statistisches Bundesamt 2026). Dabei spielen auch die Zahlen von ausländischen Jugendlichen mit Fluchthintergrund, zunächst aus Syrien und später aus der Ukraine, eine Rolle, die seit 2014 angestiegen sind. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes finden sich diese Zugewanderten insbesondere in Programmen zum Erlernen der deutschen Sprache (Statistisches Bundesamt 2024).
Insgesamt lässt sich aus den verfügbaren Daten ablesen, dass der Weg für Jugendliche von der Schule in Ausbildung und damit in eine erfolgreiche Berufskarriere schwieriger wird. Dies hat auch, aber nicht ausschließlich, damit zu tun, dass Betriebe angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Somit kommt den Unterstützungsmaßnahmen, die es sowohl für Jugendliche als auch für Betriebe gibt, immer größere Bedeutung zu.
Unterstützungsangebote gewinnen an Relevanz
Auf Bundes- und Landesebene werden vielfältige Programme gefördert, die Jugendliche beim Übergang ins Berufsleben unterstützen. Die Programmdatenbank der Fachstelle „Überaus“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bietet einen systematischen und aktuellen Überblick über relevante Unterstützungsangebote. Gegenwärtig sind dort 292 Förderprogramme und -initiativen von Bund, Ländern und der EU gelistet (www.ueberaus.de). Neben Angeboten für breite Zielgruppen, zum Beispiel im Bereich der Berufsorientierung oder zur Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten ausländischer Jugendlicher, werden zum Teil auch speziellere Problemstellungen aufgegriffen. So fokussieren einige der Angebote auf die Förderung von MINT-Kompetenzen von jungen Frauen und greifen damit die Herausforderung auf, das Leistungspotenzial von jungen Frauen im MINT-Bereich stärker als bisher auszuschöpfen und sie davon zu überzeugen, dass in diesem Segment des Arbeitsmarktes bisher ungenutzte Chancen liegen (Gentrup/Liebelt/ Burblies 2025).
Die Initiative Bildungsketten des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) bietet über ihre Programme einen breiten Rahmen zur Unterstützung des Übergangs von der Schule in den Beruf (www.bildungsketten.de). Darüber hinaus gibt es Förderinstrumente im Sozialrecht, also Maßnahmen, die gezielt leistungsschwächere Jugendliche unterstützen, wozu es ebenfalls bei der Fachstelle „Überaus“ eine Übersicht gibt. In Bezug auf ihre potenzielle Breitenwirkung sind folgende Instrumente hervorzuheben:
- Das Konzept der „Assistierten Ausbildung“ beinhaltet eine Reihe von Unterstützungsangeboten (zum Beispiel gezielten Nachhilfeunterricht) während einer beruflichen Ausbildung, die von Bildungsträgern im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit vor Ort umgesetzt werden. In 2021 wurde das Konzept fortentwickelt und die Zielgruppe erweitert; seitdem firmiert das Instrument unter „Assistierte Ausbildung flexibel (AsA flex)“.
- Förderung in Form von Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit zielt darauf ab, Versäumnisse in schulischen Lernprozessen auszugleichen und gegebenenfalls Schulabschlüsse nachzuholen.
- Noch während der Schulzeit soll die Berufseinstiegsbegleitung dazu beitragen, den erfolgreichen Schulabschluss zu erreichen. Dieses Instrument wird im Moment in fünf Bundesländern im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit angeboten.
- Verschiedene Initiativen wie das bundesweite Projekt „Verbesserung von Ausbildungsabschlüssen“ (VerAplus) (vera.ses-bonn.de) oder die „Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule“ (QuABB) in Hessen (www. quabb-hessen.de) setzen auf einen Mentor:innen-Ansatz, bei dem im Berufsleben erfahrene Personen Auszubildende während ihrer Ausbildung begleiten.
- In mehreren Bundesländern gibt es KAUSA-Landesstellen. Ziel der Koordinierungsstellen ist es, die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erhöhen sowie junge Menschen und ihre Eltern über die berufliche Ausbildung zu informieren.
Zu beachten ist, dass über die Nutzung und Wirkung dieser Instrumente insgesamt wenig bekannt ist. In Bezug auf die „Assistierte Ausbildung“ hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) Daten des IAB-Betriebspanels 2023 ausgewertet. Über alle Betriebskategorien hinweg geben nur 7 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe in Deutschland an, dieses Konzept zu kennen. Dieser Wert variiert stark nach Betriebsgröße: Während der Bekanntheitsgrad des Förderinstruments bei Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten bei 24 Prozent liegt, ist die Quote bei Kleinbetrieben mit bis zu neun Beschäftigten mit nur 5 Prozent deutlich niedriger (Leber/Schwengler 2025).
Eine zielgerichtete Stärkung von Förderinstrumenten erfordert Wirkungsforschung
Angesichts der problematischen Entwicklungen im Ausbildungssektor muss es das Ziel sein, die Unterstützung beim Übergang zwischen Schule und Beruf auszubauen und vorhandene Instrumente bekannter zu machen. Dies gilt sowohl in Hinblick auf die Jugendlichen als auch auf (potenzielle) Ausbildungsbetriebe. Es gibt Anzeichen dafür, dass geschlechterspezifische und regionale Muster in der Weise interagieren, dass Kompensationsansätze für Jugendliche mit ungünstigen Zugangsbedingungen gerade für eine betriebliche Ausbildung nur begrenzt Wirkung erzielen (Detemple/Weßling/Kleinert 2026, in Begutachtung). Für eine zielgerichtete und evidenzbasierte Konzeption von Unterstützungsmaßnahmen scheint eine verstärkte Stakeholder-orientierte Entwicklungs- und Wirkungsforschung am Übergang zwischen Schule und Beruf unabdingbar zu sein.
Christ, Alexander u.a. (2025): Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025. Analysen auf Basis der BIBB Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September 2025. Version 1.0. Bonn
Detemple, Jan / Wessling, Katrin / Kleinert, Corinna (2026, in Begutachtung): A Matter of Where You Live? Exploring the Gendered Impact of the Local STEM Prevalence on Young People’s Aspirations for STEM Occupations.
Gentrup, Sven / Liebelt, Anne / Burblies, Jan H. (2024): Geschlechtsbezogene Disparitäten. In: Stanat, Petra u.a. (Hrsg.): IQB-Bildungstrend 2024, S. 199–236
Leber, Ute / Schwengler, Barbara (2025): Nur wenige Betriebe kennen die „Assistierte Ausbildung flexibel“. In: IAB-Forum – Grafik aktuell, H. 15.01.2025
Statistisches Bundesamt (2024): Anfängerzahl in Bildungsprogrammen zwischen Schule und Ausbildung im Jahr 2023 erneut gestiegen. Pressemitteilung Nr. 113 vom 21. März 2024
Statistisches Bundesamt (2026): Statistischer Bericht: Integrierte Ausbildungsberichterstattung – Vorläufige Ergebnisse – Berichtsjahr 2025. Wiesbaden

Weitere Analysen gibt es in Ausgabe 2+3/2026 von DJI Impulse „Bildung ohne Barrieren. Wie sich Übergänge chancengerechter gestalten lassen“ (Download PDF[2]).