Rheinland-Pfalz

DJI nimmt Stellung zum Thema Kinderarmut

DJI-Fachgruppenleiterin Birgit Riedel; Foto: David Ausserhofer
01. Februar 2017 -

Die Abteilung Kinder und Kinderbetreuung des DJI befasst sich aktuell in einer Reihe von Projekten mit Fragen ungleicher Zugangs- und Teilhabechancen sowie mit Fragen einer inklusiven Qualität von frühkindlicher Bildung und Betreuung, etwa im Projekt Nationale Bildungsberichterstattung[1], im Internationalen Zentrum Frühkindliche Bildung Betreuung und Erziehun[2]g (ICEC) oder in der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte[3] (WiFF). Vor diesem Hintergrund hat Birgit Riede[4]l für das DJI im Sozialpolitischen Ausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz Stellung genommen zum Antrag der Fraktionen der SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Kinder- und Jugendarmut in Rheinland-Pfalz wirksam begegnen) sowie dem Antrag der Fraktion der CDU (Familien unterstützen – Kinder fördern).

Armut von Kindern beeinträchtigt nicht nur ihre unmittelbaren Beteiligungsmöglichkeiten an Aktivitäten im Rahmen von Schule und Freizeit, mit der Familie und mit Peers und damit ihr Wohlbefinden im Hier und Jetzt. Andauernde Armutserfahrungen wirken sich nachteilig auf ihre Entwicklungs- und Bildungschancen aus – mit Folgen, die sich bis in das Erwachsenenalter nachzeichnen lassen. Von Anfang an gerechte Teilhabechancen für alle Kinder zu gewährleisten, stellt daher eine zentrale politische Aufgabe und einen wichtigen Ansatzpunkt zur Armutsbekämpfung dar. Um die Potenziale frühkindlicher Bildung und Betreuung für die Verringerung von Ungleichheit und für die Armutsbekämpfung zu realisieren, sollte sich die Aufmerksamkeit auf folgende (ausgewählte) Aspekte richten:

Kinder aus einkommensschwachen und bildungsarmen Familien sowie Kinder, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufwachsen, sind in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege nach wie vor unterrepräsentiert. Hier gilt es, gezielt gegenzusteuern, um allen Kindern einen gleichen Zugang zu frühkindlichen Bildungsangeboten zu gewähren.

Um eine positive Wirkung für Kinder in benachteiligten Lebenslagen zu erzielen, reichen der Zugang zu frühkindlicher Bildung und eine durchschnittliche Qualität der Angebote allein allerdings nicht aus. Eine sehr gute Qualität der Angebote ist nachweislich erforderlich, um diese Kinder effektiv zu fördern. Die Empfehlungen einer EU-Arbeitsgruppe, an deren Erarbeitung das DJI beteiligt war, geben hier einen klaren Qualitätsrahmen vor und sprechen sich für ein Bildungs- und Betreuungsangebot aus, das inklusiv ist, wertschätzend mit sozialer, ethnischer und kultureller Diversität umgeht und vielfältige Bezüge in den Sozialraum unterhält und stärkt. In Gebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf ist zudem eine überdurchschnittliche Ausstattung der Kindertageseinrichtungen mit finanziellen und personellen Ressourcen notwendig.

Armutsbetroffene Gruppen wie Alleinerziehendenfamilien oder Niedrigverdienende sind besonders häufig von atypischen Arbeitszeiten betroffen und daher auf eine umfassende Unterstützung und Flexibilität von Angeboten der Kindertagesbetreuung angewiesen. Das DJI befürwortet vor diesem Hintergrund die Einführung eines Instruments der Bedarfsermittlung und Angebotsplanung auf kommunaler Ebene, das elterliche Bedarfe realistisch und valide erfasst.

zur Stellungnahme[5]