Verbesserte Personalschlüssel, aber Belastung durch Ausfälle

Der fünfte ERiK-Forschungsbericht zeigt auf, wie sich die Qualität in der Kindertagesbetreuung weiterentwickelt hat

07. Mai 2026 -

Welche Fortschritte gibt es bei Qualität und Zugang zur Kindertagesbetreuung – und wo besteht weiterhin großer Handlungsbedarf? Seit dem Jahr 2019 begleiten Wissenschaftler:innen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund die Entwicklung der Frühen Bildung in Deutschland wissenschaftlich. Im Rahmen des bundesweiten Monitorings im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) haben sie nun den fünften Forschungsbericht veröffentlicht, der die Veränderungen bis zum Jahr 2024 beschreibt. 

Der aktuelle Bericht analysiert die Entwicklung der Kita-Qualität in zehn Handlungsfeldern, die im KiTa-Qualitätsgesetz festgelegt wurden und für deren Verbesserung der Bund den Ländern von 2023 bis 2026 rund acht Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hat. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen, um das Personal in den Kitas zu halten und neue Fachkräfte zu gewinnen, aber auch solche, um die Förderung der kindlichen Entwicklung, Gesundheit, Ernährung und Bewegung weiterzuentwickeln. 

Verbesserungen zeigen sich dem Bericht nach unter anderem beim Personal-Kind-Schlüssel, also dem Verhältnis von pädagogischem Personal zu betreuten Kindern. Er gilt als zentrales, strukturelles Qualitätsmerkmal von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung, weil er darüber entscheidet, ob und inwiefern das Kita-Personal den Kindern positive pädagogische Interaktionen und bildungsanregende Aktivitäten ermöglichen kann. Während sich im Jahr 2019 in Gruppen für unter 3-Jährige eine pädagogisch tätige Person um durchschnittlich 4,2 Kinder kümmerte, waren es im Jahr 2024 nur noch 3,8. In Gruppen mit Kindern von 3 Jahren bis zum Schuleintritt hat sich der Personal-Kind-Schlüssel von 8,4 auf 7,5 Kinder verbessert. Die Personal-Kind-Schlüssel unterscheiden sich zwar weiterhin deutlich zwischen den Bundesländern, doch die Abstände haben sich etwas verringert. Auch mit Blick auf Kinder mit besonderem Förderbedarf zeigt sich den Daten zufolge ein positiver Trend: Gruppen mit mindestens einem Kind, das Eingliederungshilfe erhält, sowie Gruppen mit einem höheren Anteil an Kindern, die zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, sind inzwischen personell besser ausgestattet. 

Der umfangreiche Forschungsbericht verweist allerdings zugleich darauf, dass Personalausfälle eine erhebliche Beeinträchtigung der pädagogischen Arbeit in Kindertageseinrichtungen darstellen: So berichteten im Jahr 2024 insgesamt 69 Prozent der knapp 5.000 befragten Kita-Leitungskräfte, dass sie in den vergangenen sechs Monaten Personalausfälle in ihrer Einrichtung auszugleichen hatten. Die betroffenen Einrichtungen mussten demnach in dem Halbjahr vor der Befragung an durchschnittlich 53,8 Tagen mit weniger Personal auskommen als geplant. Das entspricht durchschnittlich zwei von fünf Tagen pro Woche, wenn für diesen Zeitraum ohne Berücksichtigung von Feiertagen 130 Werktage angesetzt werden. 

Gründe für die Personalausfälle waren den Angaben der Leitungskräften zufolge längere Erkrankungen sowie unbesetzte Stellen und unvorhergesehene Kündigungen. Die beiden letztgenannten Ursachen waren demnach in den westdeutschen Ländern und den Stadtstaaten häufiger ein Problem als in den ostdeutschen Flächenländern. Die betroffenen Einrichtungen reagierten darauf häufig mit einer Verkürzung der Öffnungszeiten oder vorübergehenden Schließungen von Gruppen.

Sprachförderung gewinnt an Relevanz

Im Hinblick auf die sprachliche Förderung zeigt das Monitoring, dass die Beobachtung und Dokumentation kindlicher Sprachkompetenz fest in der Ausbildung für Erzieher:innen verankert sind. Insbesondere Mehrsprachigkeit hat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen: 61 Prozent des jüngeren Personals (Jahrgang 1990 und jünger) nennt das Thema als Teil der eigenen Ausbildung während das nur auf 32 Prozent des älteren Personals (Jahrgang 1970 und älter) zutrifft.

Zudem sind mehrsprachige Materialien und Aktivitäten mittlerweile vor allem in Einrichtungen etabliert, die ein hoher Anteil an Kinder mit nicht-deutscher Familiensprache besucht. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass dort Fördermaßnahmen früher beginnen und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken: In Einrichtungen, in denen mehr als 30 Prozent der Kinder zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, beginnt die Sprachförderung typischerweise bereits im Alter von 41 Monaten und dauert durchschnittlich rund 20 Monate. Einrichtungen mit niedrigerem Anteil an Kindern mit nicht-deutscher Familiensprache fördern demgegenüber erst etwa ab dem 49. Lebensmonat gezielt die Sprachentwicklung der Kinder, die dann rund 14 Monate andauert. Obwohl oder gerade weil Sprachförderung fester Bestandteil der Kita-Praxis ist, sieht das Personal einen konstant mittleren Bedarf an Fortbildungen zum Thema „Sprache/Literacy“. Eine differenzierte und frühzeitige Sprachstandsdiagnostik und zielgenaue Förderung können zu mehr Chancengleichheit beitragen.

Monitoring bildet verschiedene Perspektiven auf Qualität ab

Für das Monitoring werden im zweijährigen Turnus Personen auf allen Ebenen des Kita-Systems zu ihrer Sicht auf Qualität in der Kindertagesbetreuung befragt: Jugendämter, Träger, Kita-Leitungen und pädagogisches Personal, Kindertagespflegepersonen sowie – einmalig im Jahr 2022 – auch Kinder. Außerdem werteten die Wissenschaftler:innen die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik, den Mikrozensus sowie Daten der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) aus, bei der jährlich bis zu 20.000 Eltern zu ihrer Zufriedenheit mit der Kindertagesbetreuung befragt werden. 

Parallel zum fünften Forschungsbericht werden weitere zentrale Materialien veröffentlicht: In der Forschungsdatenbank des DJI werden die zugrundeliegenden Daten, Codebücher und Fragebögen für die Nutzung durch Wissenschaft und Fachöffentlichkeit bereitgestellt. Darüber hinaus gibt es einen umfangreichen Tabellenanhang, der die zentralen Auswertungen des Berichts im Detail dokumentiert, sowie einen separaten Methodenbericht. Zentrale Ergebnisse des ERIK-Forschungsberichts 2024 wurden bereits im „Monitoringbericht zum KiTa-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz (KiQuTG) 2024“ des BMBFSFJ veröffentlicht.
 

Fünfter ERiK-Forschungsbericht 2026 (E-Book im Open Access)[1]Methodenbericht[2]ERIK-Projektwebsite DJI[3]ERIK-Projektwebsite des Forschungsverbunds DJI/TU Dortmund[4]Forschungsdatenbank des DJI[5]Monitoringbericht des BMFSFJ zum KiQuTG 2024[6] 


Kontakt
Dr. Yasmin Öztürk
Leitung des Projekts „Entwicklung von Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung“ (ERiK)
089 62306-209
erik@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-446
hofele@dji.de