Wie gut fühlen sich Kinder und Jugendliche von ihren Familien unterstützt?
Daten des UNICEF-Berichts 2025 zeigen: Ein Großteil der 11-Jährigen berichtet von hoher familiärer Unterstützung. Bei den 13- und 15-jährige nimmt die Zahl stark ab

Familiäre Unterstützung spielt eine wichtige Rolle für eine positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und kann ein Schutzfaktor sein. Der am Deutschen Jugendinstitut (DJI) erstellte UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025 zeigt, dass 81 Prozent der 11-jährigen Mädchen und 77 Prozent der 11-jährigen Jungen in Deutschland die Unterstützung durch ihre Familie als hoch erachten.
Die Untersuchung beruht auf den Ergebnissen der internationalen Studie „Health Behaviour in School‑aged Children“ (HBSC) der Jahre 2021/2022. In der HBSC‑Studie konnten 11-, 13- und 15-Jährige ihre Zustimmung zu vier Aussagen zur emotionalen Unterstützung und Hilfe von ihrer Familie ausdrücken (z. B. „Meine Familie ist sehr bemüht, mir zu helfen.“; „Ich kann mit meiner Familie über meine Probleme sprechen.“).
[1]
Ältere Kinder und Jugendliche empfinden geringere Unterstützung
Die Daten zeigen zudem, dass die Wahrnehmung der familialen Unterstützung in den älteren Gruppen sinkt. Dies hängt nach Einschätzung der DJI-Forschenden damit zusammen, dass ältere Kinder weniger Unterstützung benötigen und im Jugendalter die Entwicklung der Selbstständigkeit eine wichtige Rolle spielt. Zudem nimmt die Konfliktneigung in der Beziehung zu den Eltern während der Ablösungsprozesse der Pubertät zu. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Mädchen, bei denen die Unterstützung durch die Eltern schon zwischen 11 und 13 Jahren deutlicher zurückgeht als bei Jungen. Dies entspricht zahlreichen internationalen Befunden, die für die hier betrachtete Altersspanne eine frühere Selbstständigkeitsentwicklung von Mädchen im Vergleich zu Jungen aufzeigen. Entsprechend berichtet bei den 15-Jährigen ein höherer Anteil der Jungen als der Mädchen von hoher familiärer Unterstützung. Diesen Geschlechtsunterschied gibt es in allen ausgewählten Staaten außer in Norwegen und Finnland.
Familienklima aus Sicht der Kinder und Jugendlichen in Deutschland
Neben der Unterstützung durch die Familie wird auch ein durch Wärme, Wertschätzung und Geborgenheit geprägtes Familienklima in der Literatur vielfach als ein zentraler Faktor für gelingendes Aufwachsen beschrieben. Im DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) aus dem Jahr 2023 gaben knapp 5.000 Kinder ab 5 Jahren selbst Auskunft zu diesem Thema.
Analysen der AID:A-Daten zeigen, dass die Kinder das Familienklima, in dem sie aufwachsen, insgesamt sehr positiv bewerten. Kinder zwischen 5 und 8 Jahren schätzen ihr Familienklima relativ hoch mit einem durchschnittlichen Wert von 3,4 auf einer vierstufigen Skala von 1 („sehr schlecht“) bis 4 („sehr gut“) ein. Für Kinder und Jugendliche ab 9 Jahren zeichnet sich ein sehr ähnliches Bild ab: So wird das Familienklima ebenfalls als sehr positiv eingeschätzt, wenngleich die 9- bis 12-Jährigen noch positivere Einschätzungen angeben als die 13- bis 17-Jährigen.
Geschlecht und sozioökonomische Situation spielen keine Rolle bei Bewertung des Familienklimas, die Familienform dagegen schon
In Hinblick auf Unterschiede im Familienklima lässt sich festhalten, dass sich keine Unterschiede nach Geschlecht des Kindes und in Bezug auf die sozioökonomische Situation des Haushalts zeigen. Jungen und Mädchen schätzten ihr Familienklima also ähnlich ein und auch der Bildungshintergrund der Eltern oder eine finanzielle Deprivation des Haushalts macht für die Einschätzung des Familienklimas keinen Unterschied. Dieses Bild bestätigt sich jedoch nicht für die Familienform. Für die Altersgruppe der 13- bis 17-jährigen Jugendlichen spielt es eine Rolle, in welcher Familienkonstellation sie aufwachsen. Jugendliche, die in einer Stieffamilie oder in einer alleinerziehenden Familie leben, schätzen das Familienklima etwas schlechter ein als Kinder in einer Kernfamilie.
Pressemitteilung zur Veröffentlichung des UNICEF-Berichts zur Lage der Kinder in Deutschland 2025[2]Wichtige Ergebnisse des UNICEF-Berichts im Videointerview mit DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger[3]Phoenix-Mitschnitt der Vorstellung des Berichts auf der Bundespressekonferenz, 12.11.25[4]
Kontakt
Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier
Leiterin Fachgruppe “Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern”
Tel.: 089/62306-592
langmeyer@dji.de
Martin Kern
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-397
mkern@dji.de