DJI-Kolloquium - Online per Webex

Demokratie beginnt im Kleinen: Schulische Einflüsse auf die politische Entwicklung Jugendlicher

Datum: 16. November 2022 14:00 Uhr - 16:00 Uhr

Für die Entwicklung von politischen Einstellungen und Verhaltensweisen wird der Schule eine zentrale Bedeutung zugesprochen. Junge Menschen verbringen nicht nur einen Großteil ihres Alltags in Bildungseinrichtungen, sondern es ist auch deren Ziel, sie zu selbstständigen, toleranten und aktiven Bürger:innen zu erziehen. Der Blick in den Kontext Schule verdeutlicht jedoch die Vielfalt schulischer Faktoren, die auf die politische Entwicklung junger Menschen einwirken können, wobei neben curricularen Einflüssen vor allem klimatische (z.B. demokratisches Klassenklima) und strukturelle Merkmale (z.B. demographische Diversität) des Schulkontextes als wesentlich erachtet werden. Ziel des Beitrags ist es, einen Überblick über ausgewählte Befunde zur Rolle schulischer Erfahrungen auf die politische Entwicklung Jugendlicher zu geben.

Ein Schwerpunkt des Beitrags wird dabei die Frage adressieren, welche schulischen Faktoren (z.B. curricular vs. schulklimatisch) in Bezug auf welche politischen Outcomes von besonderer Bedeutung sind und inwiefern schulische Einflüsse je nach individuellen (z.B. Alter) oder sozio-strukturellen Hintergründen (z.B. SES) der Schüler:innen variieren. Hierzu werden Ergebnisse einer aktuellen Meta-Analyse präsentiert, im Rahmen derer über 300 Studien zwischen dem Jahr 2000 und 2020 systematisch zusammengetragen wurden.

Darüber hinaus werden Befunde eines laufenden Forschungsprojektes vorgestellt, das den Einfluss schulischer Erfahrungen auf populistische und antidemokratische Haltungen betrachtet (JUROP; Jugendliche und Europa: zwischen Polarisierung und Zusammenhalt). Die Auswertungen basierend auf quantitativen Befragungsdaten von ca. 1.000 Neuntklässlern aus Thüringen und Nordrhein-Westfalen unterstützen die Annahme, dass Schule (vor allem das Erleben eines offenen und demokratischen Schulkontextes) populistischen Tendenzen entgegenwirken kann.

Referentin:
Dr. Katharina Eckstein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ihre Promotion zum Thema Entwicklungsverläufe und Einflussfaktoren auf politisches Engagement im Jugendalter hat sie 2011 unter Betreuung von Prof. Dr. P. Noack, Prof. Dr. B. Gniewosz und Prof. Dr. P. Fauser abgeschlossen. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Themenbereiche schulische und familiale Einflüsse auf politische Einstellungen und Verhaltensweisen im Jugendalter, politische Identität, Stabilität und Veränderung (anti-)demokratischer Einstellungen sowie quantitative Forschungsmethoden (v.a. mehrebenenanalytische, längsschnittliche, meta-analytische Auswertungsverfahren).

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