Wirksamer Kinderschutz braucht alle Sektoren
Expertinnen und Experten aus Politik, Justiz, Wissenschaft, Medizin und Jugendhilfe entwickeln konkrete Ansätze für wirksameren Kinderschutz in Deutschland

© Dominik Butzmann/BMBFSFJ/photohek.de
Wie kann der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt in Deutschland strukturell gestärkt werden und welche Maßnahmen entfalten die größte Wirkung? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 11. Mai 2026 Teilnehmende am „Runden Tisch Kinderschutz“, zu dem die World Childhood Foundation Deutschland (WCFD) gemeinsam mit der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), Kerstin Claus, ins Hotel Adlon Kempinski Berlin eingeladen hatte. Expertinnen und Experten aus Politik, Justiz, Wissenschaft, Medizin, Jugendhilfe, Sicherheitsbehörden und Betroffenenvertretungen, darunter Prof. Dr. Christina Boll und Prof. Dr. Heinz Kindler, Forschende am Deutschen Jugendinstitut (DJI), kamen zusammen, um konkrete Handlungsbedarfe zu diskutieren, Verantwortlichkeiten zu benennen und sektorübergreifende Entwicklungsziele für den Kinderschutz in Deutschland zu formulieren. Kerstin Claus unterstrich die Notwendigkeit der Vernetzung aller beteiligten Professionen und Strukturen. Bisher fehlten verlässliche Daten zu den Folgen und Kosten von Missbrauch; eine umfassende Folgestudie sei deshalb dringend erforderlich.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden, Gründerin der World Childhood Foundation, Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten, und Kerstin Claus. Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist eine Querschnittsaufgabe, die Gesundheit, Jugendhilfe, Justiz, innere Sicherheit, Bildung und viele weitere gesellschaftliche und ökonomische Strukturen – direkt oder indirekt – betrifft. Diese intersektorale Perspektive prägte den Runden Tisch: In sechs parallel arbeitenden Fachforen identifizierten die Teilnehmenden zentrale, systemübergreifend wirksame Prioritäten.
Leitfragen der Fachforen
Leitend für alle sechs Foren war die Frage „Was wirkt – was kostet es – und wie schaffen wir maximale Wirkung bei begrenzten Ressourcen?“. Im Fokus standen evidenzbasierte Maßnahmen sowie die Identifikation von Wirkungsverlusten durch Doppelstrukturen, fehlende Standards, Zuständigkeitsbrüche oder mangelnde Koordination zwischen den Systemen.
Im Fachforum 2 „Ökonomie und Finanzen“ standen beispielsweise die gesellschaftlichen Kosten verspäteter Interventionen sowie Fehlanreize in bestehenden Finanzierungsstrukturen im Mittelpunkt. In allen Fachforen spielte die Frage eine zentrale Rolle, wie die Perspektiven Betroffener wirksam in Entscheidungs- und Schutzprozesse integriert werden können.
Die Ergebnisse wurden anschließend in einem moderierten Runden Tisch zusammengeführt. Prof. Dr. Christina Boll präsentierte die Ergebnisse des Fachforums „Ökonomie und Finanzen“. Die Ergebnisse aller sechs Fachforen wurden in einem Handlungspapier gebündelt und symbolisch Frau Staatssekretärin Dr. Petra Bahr überreicht, die in Vertretung der Bundesregierung an der Veranstaltung teilnahm.
Mehrstufiger, ressort- und sektorübergreifender Folgeprozess
Der Runde Tisch ist Auftakt eines länger angelegten Arbeitsprozesses. Eine Jugendkonsultation begleitet das Vorhaben: Junge Repräsentantinnen und Repräsentanten, die bereits im Vorfeld einbezogen wurden, verfolgten die Veranstaltung. In den kommenden Wochen werden die formulierten Prioritäten gemeinsam mit ihnen überprüft und geschärft. Das ausgearbeitete Handlungspapier wird in einem nächsten Schritt offiziell an die Bundesregierung übergeben. Ziel ist nicht ein umfassender Maßnahmenkatalog, sondern die Verständigung auf wenige, ressortübergreifend tragfähige Prioritäten.
Website der UBSKM[1]Website der World Childhood Foundation Deutschland (WCFD)[2]DJI-Fachgruppe „Familienhilfe und Kinderschutz“[3]
Kontakt
Prof. Dr. Christina Boll
Abteilungsleitung „Familie und Familienpolitik“
Tel.: 089/62306-423
boll@dji.de
Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089 62306-173
waldschuk@dji.de