Was eine gute Heimerziehung ausmacht

Neuerscheinung analysiert Qualitätskriterien für stationäre Einrichtungen, begleitender Praxis-Ratgeber unterstützt Jugendliche im Auswahlprozess

Jugendliche in einem Heim

© iStockphoto/Ridofranz

20. Mai 2022 -

Die Heimerziehung greift intensiv in den Lebensverlauf junger Menschen ein. In kaum einem anderen Bereich übernimmt der Staat eine ähnlich große Verantwortung für Leben und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die Unterbringung in einem Heim oder einer anderen betreuten Wohnform soll positive Bedingungen für das Auf­wachsen junger Menschen schaffen. Doch was ist eine „gute“ Heim­erziehung? Was sind Kennzeichen eines guten Heimes? Was ist wichtig und was findet bei der Diskussion um Qualität zu wenig Beachtung?

Diesen und weiteren Fragen sind die Forschenden des Forschungsprojekts „Gute Heime – Möglichkeiten der Sichtbarmachung der Qualitäten stationärer Hilfen zur Erziehung“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) nachgegangen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erkundeten, woran aus Sicht der verschiedenen Akteure im Feld stationärer Jugend­hilfeeinrichtungen Qualität festgemacht werden kann und wie die Frage, was Qualität ist, beantwortet werden kann. Sie führten in den Jahren 2017 und 2018 neben einer Analyse des Fachdiskurses Befragungen der Akteure zu ihrer Perspektive auf Qualität durch und berücksichtigten dabei die Struktur-, die Prozess- und die Ergebnisebene.

Drei Perspektiven auf Qualität  

Es wurde sowohl die Perspektive der Kinder und Jugendlichen (Adressa­tinnen- und Adressatenperspektive), der Fachkräfte in Einrichtungen (Innenperspektive), in Jugendämtern und Landesjugendämtern (Außen­perspektive) untersucht. Die Analyse ihrer Perspektiven und wie sie sich zueinander verhalten standen im Fokus des Projekts.

Die Forschenden haben nun die Projektergebnisse veröffentlicht. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Kinder und Jugendliche bei der Qualitätsbeschreibung eines Heimes Kriterien anlegen, die das Heim als Ort für die eigene Entwicklung, für das Erleben von Wertschätzung und guter Beziehungen beschreiben. Die befragten Fachkräfte in den Einrich­tungen sehen Qualität als das Ergebnis ihrer pädagogischen Grundaus­richtungen und dem Umgang mit unauflösbaren Ambivalenzen im Erziehungshandeln. Kommunale Jugendämter und Landesjugendämter erwarten, dass sich Einrichtungen als verlässliche Kooperationspartner erweisen, für sie erscheinen eine klare Profilierung und eine Beratungs­offenheit als Qualitätsmerkmale notwendig.

Von den Ergebnissen sollen sowohl die Adressatinnen und Adressaten der Hilfen zur Erziehung als auch die Jugendämter und die Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe profitieren. Diejenigen, die sich an Qualitätsbeschreibungen oder Qualitätsprofilen orientieren, sollen die aus der Praxis herausgearbeiteten Informationen erhalten, die ihnen helfen, sich einen Eindruck von der Qualität der Einrichtung zu machen.

Praxis-Ratgeber unterstützt Jugendliche im Auswahlprozess

Im Rahmen des Projekts ist der Peer-to-Peer-Ratgeber „Mehr als einfach nur ein Zimmer“ entstanden. Als eine Art Checkliste wurde er für junge Menschen entwickelt, die vor der Entscheidung stehen, ein zweites Zuhause zu finden und soll ihnen Orientierung und Unterstützung im Auswahl- und Übergangsprozess geben. Dabei wurde einerseits auf Interviews mit Jugendlichen, die für das Projekt durchgeführt wurden, zurückgegriffen und andererseits auch junge Menschen selbst bei der Entwicklung des Ratgebers involviert. 

Das DJI hat das Forschungsprojekt im Kooperationsverbund mit dem Deutschen Verein und der Bertelsmann Stiftung ins Leben gerufen. Es entwickelte sich aus dem Modellvorhaben „Kein Kind zurück lassen!“ und wurde durch das Land Nordrhein-Westfalen, den Europäischen Sozialfond und die Bertelsmann Stiftung finanziert.


Gute Heime – Möglichkeiten der Sichtbarmachung der Qualitäten stationärer Hilfen zur Erziehung, Maria Burschel, Kathrin Klein-Zimmer, Mike Seckinger, 312 Seiten, 978-3-7799-6879-5[1]

DJI-Projekt Gute Heime – Möglichkeiten der Sichtbarmachung der Qualitäten stationärer Hilfen zur Erziehung[2]

Ratgeber „Mehr als einfach nur ein Zimmer“[3]


Kontakt

Dr. Mike Seckinger
Tel.: 089/62306-213
seckinger@dji.de

Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-173
waldschuk@dji.de