Queere Jugendliche machen in der Ausbildung mitunter schlechte Erfahrungen

Ein DJI-Projekt hat Interviews mit LSBT*Q Jugendlichen geführt und Empfehlungen erarbeitet, die ihre Situation an beruflichen Schulen und Betrieben verbessern sollen

Bild: AdobeStock/oneinchpunch

30. März 2021 -

Acht von zehn lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* oder queeren Jugendlichen haben aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit bereits Diskriminierung erlebt, etwa jede_r Zweite in Schule, Ausbildung und Beruf, zeigte eine Befragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im Jahr 2017. Insbesondere die Schule ist für sie ein Ort, an dem sie mit stigmatisierenden, homo- und trans* feindlichen Zuschreibungen konfrontiert werden. Wie die Situation dieser Jugendlichen in der Ausbildung ist, hat erstmals und ausschnittsweise eine aktuelle DJI-Studie untersucht.

Spott, Beleidigungen und Beschimpfungen gehen häufig von Gleichaltrigen aus
Die Auswertung von Interviews mit 17 LSBT*Q Jugendlichen in vollzeitschulischen und dualen Ausbildungen im Jahr 2019 legt nahe: In Berufsschulen machen LSBT*Q Jugendliche mehr negative Erfahrungen als in Praxisstellen und Betrieben. Spott, Beleidigungen, Beschimpfungen und eine diskriminierende Sprache gehen häufig von Gleichaltrigen aus, mit denen kein enger Kontakt besteht. Vorgesetzte und Lehrkräfte verhalten sich hingegen bis auf wenige Ausnahmen angemessen und bei Bedarf unterstützend. Und von näherstehenden Kolleg_innen erfahren die Jugendlichen auch Beistand, wenn sie von anderen ausgegrenzt, verspottet oder beleidigt werden. Die Interviews lassen zudem darauf schließen, dass die Situation für LSBT*Q Jugendliche an Berufsschulen und berufsbildenden Schulen etwas weniger angespannt ist als an allgemeinbildenden Schulen. „Das höhere Lebensalter der Jugendlichen in der Ausbildung und weniger enge Beziehungen zwischen den Schüler_innen sind mögliche Gründe dafür“, erklärt Dr. Claudia Krell, die die Studie durchführte.

Die Psychologin stuft das Aufwachsen in einer heteronormativen Umwelt für die Jugendlichen insgesamt als belastend und herausfordernd ein: „Häufig nehmen sich LSBT*Q Jugendliche als ‚anders‘ wahr und müssen für sich einen Lebensentwurf erst erarbeiten“, sagt Krell. Ganz besonders treffe dies auf trans* und gender*diverse Jugendlichen zu. Deshalb war es Teil des Forschungsprojekts, Handlungsempfehlungen für berufliche Schulen und Ausbildungsbetriebe zu entwickeln, um die Situation von LSBT*Q Jugendlichen zu verbessern. In diesen Prozess waren neben Wissenschaftler_innen auch Lehrkräfte aus Berufsschulen sowie Fachkräfte aus der Praxis eingebunden.

Das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Unterricht und Ausbildung von Lehrkräften verankern
Zu den Empfehlungen zählt, das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowohl im Unterricht als auch bei der Ausbildung von Lehrkräften und Ausbilder_innen zu etablieren. Hierbei gehe es auch darum, die Potenziale von Diversität in Teams aufzuzeigen. Welche Haltung gegenüber Vielfalt vertreten und wie bei Diskriminierung gegenüber sexueller Orientierung und geschlechtlicher Zugehörigkeit vorgegangen werde, sollte unabhängig von konkreten Vorfällen kommuniziert werden. Auch Anlaufstellen für das Thema seien wichtig. Für eine größtmögliche Verbindlichkeit sollten diese Maßnahmen in Schul- und Betriebsordnungen festgeschrieben werden.


Abschlussbericht „Erfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* bzw. queeren Jugendlichen in der beruflichen Bildung[1]Ergebnisse der DJI-Befragung über Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von LSBT*Q Jugendlichen und jungen Erwachsenen[2]Weitere wissenschaftliche Analysen zum Thema "Queere Jugend"[3]


Kontakt
Dr. Claudia Krell
Abteilung Jugend und Jugendhilfe
089 62306-310
krell@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
hofele@dji.de