Queere Jugendliche in NRW stärker durch Diskriminierung belastet

Die Auswertung einer DJI-Studie für Nordrhein-Westfalen zeigt, wie LSBT*Q-Jugendliche ihre Situation dort im Vergleich zum Bundesdurchschnitt erleben

07. Mai 2021 -

Obwohl in den vergangenen Jahren die Akzeptanz in Deutschland gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zugenommen hat, werden immer noch viele Jugendliche deswegen diskriminiert: 8 von 10 Jugendlichen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder queer (LSBT*Q) sind, gaben im Rahmen einer bundesweiten Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im Jahr 2017 an, bereits an irgendeinem Ort ausgegrenzt, beleidigt, beschimpft oder verspottet worden zu sein. DJI-Wissenschaftlerinnen und –Wissenschaftler haben diese Befragungsdaten nun für das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen ausgewertet und zusätzlich Interviews mit 15 Jugendlichen in diesem Bundesland geführt.

Die Ergebnisse zeigen, welche Erfahrungen junge queere Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren in NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern machen: Zwar empfinden die Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen die Diskriminierung im Bereich Schule, Ausbildung und Beruf belastender als im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig gaben die jungen Menschen dort häufiger als in den anderen Bundesländern an, dass Lehrkräfte in solchen Situationen im Schulalltag eingreifen und sie unterstützen. Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei den Freizeiteinrichtungen: Jugendzentren und Jugendgruppen, die sich speziell an queere Jugendliche richten, sind unter den Befragten in NRW deutlich bekannter als in den übrigen Bundesländern. Jugendzentren und Beratungsstellen werden ihren Angaben nach auch häufiger genutzt. Die interviewten Jugendlichen aus NRW beurteilen die Angebote in ihrem Bundesland positiv. In Schulen, Bildungs- und Arbeitsstätten wünschen sie sich hingegen mehr Aufklärung über und Sichtbarkeit von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Bei der DJI-Studie „Coming-out und dann…?“ wurden im Jahr 2014 bundesweit mehr als 5.000 14- bis 27-Jährige online befragt und 40 persönliche Interviews mit nicht-heterosexuellen und/oder nicht-cisgeschlechtlichen Jugendlichen geführt. Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert. Für das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen wurden die Daten für NRW im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ausgewertet und im Jahr 2019 zusätzlich 15 Interviews mit queeren Jugendlichen in NRW geführt. Die zentralen Themen waren der Verlauf des Coming-outs, unterstützende und diskriminierende Erfahrungen in Familie, Freundeskreis Schule und Ausbildung sowie die Nutzung von Freizeit- und Beratungsangeboten der queeren Jugendarbeit in NRW.


Abschlussbericht „Coming-out in NRW. Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ [1](2020) Ergebnisse der bundesweiten DJI-Befragung über Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von LSBT*Q Jugendlichen und jungen Erwachsenen (2017)[2]Erfahrungen von von LSBT*Q Jugendlichen in der beruflichen Bildung (2021)[3]Weitere wissenschaftliche Analysen zum Thema Queere Jugend[4]


Kontakt
Dr. Claudia Krell
Abteilung Jugend und Jugendhilfe
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krell@dji.de

Uta Hofele
Abteilung Medien und Kommunikation
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