„Kinderschutz braucht mehr Ressourcen“

Laut Kinderschutz-Experten Dr. Heinz Kindler zeigt der aktuelle Rekordanstieg bei Kindeswohlgefährdungen vor allem, dass wirksame Konzepte zur Unterstützung von gefährdeten Familien fehlen

Kinderschutz-Experte Dr. Heinz Kindler Foto: David Ausserhofer

06. September 2019 -

Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2018 bei etwa 50400 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren 10 Prozent oder rund 4700 Fälle mehr als im Vorjahr. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ist dies nicht nur der höchste Anstieg, sondern auch der höchste Stand an Kindeswohlgefährdungen seit Einführung der Statistik im Jahr 2012.

Laut Dr. Heinz Kindler, Kinderschutz-Experte des Deutschen Jugendinstituts (DJI), zeigen die aktuellen Zahlen die anhaltende Bedeutung des Themas Kinderschutz und den noch weiter zunehmenden Bedarf an Ressourcen im Kinderschutz. Kindler hält nicht nur größere Stellenumfänge im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) für notwendig, sondern auch wirksamere Konzepte, um Familien und Kinder bei Gefährdung und möglichst bereits im Vorfeld zu unterstützen.

Zu den Ursachen des Rekordanstiegs erklärt Kindler: „Welche Gründe der überproportionale Anstieg der Fälle akuter Gefährdung hat, ist unbekannt. Denkbar ist, dass die Kategorie „latenter Gefährdung“ seltener gewählt wird, weil sich herumspricht, dass diese Kategorie rechtlich nicht eindeutig zuordenbar ist. Tatsächlich zielen Jugendhilfe- und Familienrecht darauf ab, dass eine Einschätzung vorgenommen wird, ob gegenwärtig eine Kindeswohlgefährdung vorliegt oder nicht. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass sich in der Gesellschaft etwas verändert und Jugendämter häufiger mit sehr zugespitzten Problemlagen konfrontiert werden. Dies könnte nur eine Studie klären, die genauer hinschaut, als dies im Rahmen der Bundesstatistik möglich ist.“

Aktuelles DJI-Projekt „Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Baden-Württemberg“
Kontakt:

Dr. Heinz Kindler
Fachgruppenleitung „Familienhilfe und Kinderschutz“
Tel.: 089/62306-245
kindler@dji.de

Birgit Taffertshofer
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/632306-180
taffertshofer@dji.de

 

 

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