Geflüchtete Kinder und Jugendliche unterstützen

Rasche Integration, Fortbildung für schulpsychologische Beratung, Qualifizierung von Fachkräften der Schulsozialarbeit und Informationen für Eltern können dazu beitragen, geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu helfen

23. März 2022 -

Ein Großteil der geflüchteten Kinder und Jugendlichen bringt aus dem Kriegsgebiet der Ukraine hochgradig belastende Erfahrungen mit, und bei rund einem Drittel muss mit posttraumatischen Belastungsstörungen gerechnet werden. Wie lässt sich die Bearbeitung dieser traumatischen Erfahrungen unterstützen? „Auf Anfrage der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz haben wir Möglichkeiten evidenzbasierter Unterstützungsangebote für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus den Kriegsgebieten der Ukraine aufgezeigt. Wir stellen Empfehlungen vor, die in der Praxis umsetzbar sind,“ erklärt Prof. Dr. Sabine Walper, Direktorin des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Rasche Integration der Kinder und Jugendlichen

Von entscheidender Bedeutung ist die rasche Integration der Kinder und Jugendlichen in Kindertagesbetreuung, Schule sowie Freizeitangebote der Kinder- und Jugendhilfe, um ihnen ein möglichst strukturiertes Umfeld zu bieten. Wichtig ist hierbei die Begleitung der jungen Menschen durch gut informiertes, geschultes Personal, das Belastungsreaktionen einordnen kann und Raum für Gespräche über belastende Erlebnisse und Ängste bietet, ohne „auszufragen“.

Fortbildung für schulpsychologische Beratungsstellen und Beratungslehrkräfte

Fortbildungen für schulpsychologische Beratungsstellen und Beratungslehrkräfte tragen dazu bei, die Kenntnisse von Lehrkräften überkriegs- und fluchtbedingte Belastungen, speziell Traumatisierungen, ihre Folgen undInterventionsmöglichkeiten zu verbessern. Vorgeschlagen wird die Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus den Lehrerfortbildungsinstituten der Länderunter Einbindung eines Lehrstuhls für klinische Psychologie mit Schwerpunkt Traumatherapie, vorzugsweise in der Arbeit mit Geflüchteten, um die Konzeption und Umsetzung einer solchen Fortbildung zu unterstützen.

Qualifizierung von Fachkräften der Schulsozialarbeit

Das Programm „Mein Weg“ wurde für die Arbeit von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit unbegleitet geflüchteten Minderjährigen entwickelt und trägt nachweislich zum Abbau von posttraumatischen Belastungsstörungen bei. Durch eine Qualifizierung von Fachkräften der Schulsozialarbeit kann es verfügbar gemacht und eingesetzt werden.

Informations- und Psychoedukationskampagne für Eltern auf Ukrainisch

Um die Eltern besser einbinden zu können, wird eine Informations- und Psychoedukationskampagne auf Ukrainisch empfohlen, die über erwartbare Belastungsreaktionen der Kinder und Unterstützungsangebote informiert. Hierbei lässt sich auf unterschiedliche Hilfetelefone verweisen, die auch russischsprachige Telefonseelsorge umfassen. Zur zielgruppengerechten Ansprache kann die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eingebunden werden. Als Grundlage für die Entwicklung von Materialien (Flyer, Broschüren) mit Informationen zu Hilfeangeboten wäre eine Umfrage bei ukrainischen Eltern zu Sorgen und Fragen, die sie jetzt bewegen, sinnvoll. Die Materialien können über Schulen und Online verbreitet werden.

Prof. Dr. Sabine Walper, Prof. Dr. Heinz Kindler, Svenja Geissler, M.A., Möglichkeiten der evidenzbasierten Unterstützung geflüchteter Kinder und Jugendliche aus den Kriegsgebieten der Ukraine[1]Unterstützung geflüchteter Kinder und Jugendlicher aus der Ukraine durch rasche Integration in Kitas und Schulen
Stellungnahme der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz
(SWK)[2]
Projekt „BETTER CARE“ Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung unbegleiteter junger Flüchtlinge durch gestufte Behandlungsangebote[3]

 

Kontakt

Prof. Dr. Sabine Walper
Vorstandsvorsitzende und Direktorin des DJI
Tel.: 089/62306-289
walper@dji.de

Marion Horn
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-311
horn@dji.de