Erschwerter Übergang ins Erwachsenenalter
Ergebnisse einer vergleichenden Studie belegen, wie Institutionen und kulturelle Normen in Japan und Europa die Übergänge junger Menschen ins Erwachsenenalter prägen
Damit junge Erwachsene im Prozess der sozialen und beruflichen Integration Gestaltungschancen nutzen können, müssen sie dazu fähig sein, Entscheidungen zu treffen, Unsicherheit zu ertragen sowie Risiken einzugehen und produktiv zu handhaben. Nicht alle jungen Menschen sind hierauf gleichermaßen gut vorbereitet, da ihnen unterschiedliche Ressourcen und Potenziale zur Bewältigung entsprechender Anforderungen zur Verfügung stehen. Um sie bei der Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Potenziale sowie bei der Bewältigung von Risiken zu unterstützen, sind unter anderem politische und institutionelle Akteurinnen und Akteure gefordert. Sie leisten wichtige Beiträge zur Strukturierung der Lebensverläufe junger Menschen, beispielsweise beim Übergang von der Schule in das Erwerbsleben.
Die nun veröffentlichte vergleichende Studie „Youth Transition and Social Welfare“, die 2019 begonnen wurde, geht von den zunehmend problematischen Übergängen junger Menschen ins Erwachsenenalter in Japan aus und konzentriert sich dann auf die Situation junger Erwachsener im Vereinigten Königreich, Deutschland, Norwegen und der Schweiz. Die Forschenden, unter ihnen Prof. Dr. Birgit Reißig, Wissenschaftlerin am Deutschen Jugendinstitut (DJI), untersuchen, wie länderspezifische Institutionen und kulturelle Normen Übergangsrisiken in den jeweiligen Ländern lösen. Hierbei berücksichtigen sie Aspekte der Sozialpolitik.
Jedes Land hat eigene nationale Daten verwendet. Für Deutschland haben die Forschenden mit den Daten des DJI-Surveys Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A) gearbeitet. Um die Übergänge betrachten zu können wurden zwei Altersspannen betrachtet – 22 bis 24 Jahre und 29 bis 31 Jahre, jeweils mit besonderem Schwerpunkt auf dem Geschlecht.
Problematische Übergangssituation in Japan
Die radikalen sozialen und wirtschaftliche Veränderungen in Japan seit den 1990er Jahren haben dazu geführt, dass immer mehr junge Menschen mit Übergangsrisiken konfrontiert sind. Die Forschenden konzentrieren sich auf drei wichtige Übergänge: den Übergang von der Schule ins Berufsleben, den Übergang in die Selbstständigkeit und den Übergang in die Partnerschaft. Obwohl es einige Ähnlichkeiten beim Übergang von jungen Menschen in Industrieländern gibt, beeinflusst der spezifische nationale Kontext die Art und Weise, wie junge Erwachsene diesen Übergang erleben, wobei einige größeren Risiken ausgesetzt sind als andere.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Ländern
Die Beiträge zeigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den fünf behandelten nationalen Kontexten auf. Zu den Gemeinsamkeiten gehören die geschlechtsspezifische Natur der Übergänge und eine höhere Lebenszufriedenheit bei denjenigen, die ihren Wohn- und Haushaltsübergang abgeschlossen hatten. Die Ergebnisse zeigen auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen dem Übergang von der Schule ins Berufsleben und der Lebenszufriedenheit. Männer in prekären Beschäftigungsverhältnissen waren mit ihrem Leben am wenigsten zufrieden. Bei Frauen, die keine Arbeit haben, beeinflusst die Stärke der Norm des männlichen Ernährers die Lebenszufriedenheit. Die unterschiedlichen sozialpolitischen Regularien für junge Menschen beeinflussten die Übergangsmuster in den fünf Ländern. So sind junge Menschen in Japan nur randständig im Blick sozialer Sicherungssysteme und Risiken aufgrund atypischer Beschäftigungen werden kaum aufgefangen. Die Bewertung früherer Typologien jugendbezogener Sozialpolitik macht deutlich, dass auch außereuropäische Kontexte wie Japan berücksichtigt werden müssen, die sich nicht ohne Weiteres in bestehende eurozentrische Modelle einordnen lassen. So zeigen die Analysen, dass die jugendbezogene Sozialpolitik in Japan als symbolisch bezeichnet werden kann, im Gegensatz zu den familienorientierten Systemen in Deutschland und der Schweiz und den individualisierten Systemen im Vereinigten Königreich und in Norwegen.
Youth Transition and Social Welfare. A Comparative Study of Japan, Germany, Switzerland, The United Kingdom, and Norway, Akio Inui, Jan Skrobanek, Christian Imdorf, Birgit Reißig, Andy Biggart (Hrsg.), 243 Seiten, ISBN: 978-981-96-8946-0[1]
Kontakt
Prof. Dr. Birgit Reißig
Leitung Forschungsschwerpunkt Übergänge im Jugendalter
0345/68178-33
reissig@dji.de
Sonja Waldschuk
Abteilung Medien und Kommunikation
089/62306-173
waldschuk@dji.de