Antisemitismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Verbundforschung soll Weiterbildung von Fachkräften zum Thema Antisemitismus verbessern

03. Juni 2026 -

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) bietet wichtige Räume, um mit jungen Menschen auch kontroverse gesellschaftliche Themen zu besprechen. Antisemitismus ist eines dieser Themen. Der richtige Umgang damit stellt Fachkräfte jedoch häufig vor Herausforderungen. Ein Forschungsprojekt des Deutschen Jugendinstituts (DJI), der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung (IIA) an der Universität Trier und der Amadeu Antonio Stiftung untersucht nun, wie Fachkräfte der OKJA beim Umgang mit Antisemitismus besser weitergebildet werden können.

Antisemitische Vorfälle haben in Deutschland seit dem 7. Oktober 2023 und im Zuge des Krieges in Israel und Gaza stark zugenommen – auch unter jungen Menschen. Antisemitismuskritische Unterstützungs-, Beratungs- und Fortbildungsangebote finden vor allem im Bereich Schule statt, selten in der OKJA mit ihren deutschlandweit etwa 8000 Einrichtungen. „Dabei bietet gerade die Offene Kinder- und Jugendarbeit Möglichkeiten, herausfordernde Themen zu bearbeiten“, erklärt Tobias Johann, der am DJI gemeinsam mit Tobias Roscher und Philipp Aue als wissenschaftlicher Referent im Projekt forscht.

Standardisierte Online-Befragung von etwa 8000 Einrichtungen in Deutschland und Gruppendiskussionen mit Fachkräften

Um die momentane Situation der Fachkräfte zu analysieren, Unterstützungsangebote abzuleiten und diese anschließend zu evaluieren, wurde das Verbundprojekt „Antisemitismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit“ ins Leben gerufen. Empirische Bedarfsanalyse, Wirkungsevaluation sowie Wissens- und Ergebnistransfer liegen dabei in der Verantwortung des DJI. Ende des Jahres 2026 finden die Erhebungen für die Bedarfsanalysen statt. „Wir planen eine standardisierte Online-Befragung von etwa 8000 Einrichtungen in ganz Deutschland sowie Gruppendiskussionen mit Fachkräften in ausgewählten Regionen“, erläutert Tobias Roscher die Details der Erhebung. „Wir hoffen auf große Teilnahmebereitschaft der Fachpraxis. Unsere Ergebnisse sollen sich dann positiv auf die bedarfsgerechte Weiterentwicklung von von rassismus- und antisemitismuskritischen Fortbildungen auswirken“, ergänzt Philipp Aue. 

Die IIA erfasst anschließend als Verbundpartner im Projekt die Angebotslandschaft antisemitismuskritischer Fort- und Weiterbildungskonzepte für Fachkräfte und prüft diese mit Blick auf Leerstellen. Die Befunde werden von ju:an, der Praxisstelle Antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit der Amadeu Antonio Stiftung, genutzt, um konkrete Fortbildungsangebote weiterzuentwickeln und zu erproben. Diese Erprobungen werden durch das DJI wissenschaftlich begleitet und auf ihre Wirkungen hin evaluiert. Ausgehend von den Resultaten dieser Untersuchungen möchten die Kooperationspartnerin Fachdebatten Impulse setzen für eine Etablierung antisemitismus- und rassismuskritischer Standards in der Kinder- und Jugendarbeit und in der offenen Bildungsarbeit.

Das Projekt wird mit einer Summe von über einer Million Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderrichtlinie "Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus" gefördert und läuft bis März 2029.
 

DJI-Projekt „Antisemitismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Empirische Studie zu Bedarfslagen und Problemwahrnehmungen pädagogischer Fachkräfte seit dem 7. Oktober 2023 und zur Wirksamkeit darauf ausgerichteter Fortbildungsformate (ASJA)[1]

ASJA-Projekt an der Universität Trier[2]

ju:an-Praxisstelle: Antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit[3]

Kontakt
Tobias Johann
Fachgruppe „Politische Sozialisation und Demokratieförderung“
Tel.: 0345/68178-77
johann@dji.de

Martin Kern
Abteilung Medien und Kommunikation
Tel.: 089/62306-397
mkern@dji.de