Personalia

Dr. Tilly Lex verabschiedet sich in den Ruhestand

Dr. Tilly Lex (DJI); Foto: David Ausserhofer
13. Dezember 2016 -

Nach 31 Jahren reger Forscherinnentätigkeit verlässt eine Instanz das Deutsche Jugendinstitut. Mit ihrer immer an der Sache orientierten, konzentrierten und bisweilen auch kämpferischen Art sowie einer hochproduktiven Arbeitsweise ist Tilly Lex dem wissenschaftlichen Nachwuchs im Haus ein großes Vorbild.

Ihr Hauptaugenmerk richtete Tilly Lex in ihrem Forscherleben auf die Gruppe junger Menschen, die sich schwerer tut als andere, einen Hauptschulabschluss zu erlangen und anschließend einen Ausbildungsplatz oder den Einstieg in den Beruf zu finden. „Viele 16-Jährige sind damit überfordert, in so jungen Jahren die richtigen Entscheidungen zu treffen und Weichen zu stellen; deswegen müssen sie besonders unterstützt werden“, sagte sie einmal in einem DJI-Interview und formulierte damit ihren Antrieb für unzählige empirische Studien, Auswertungen, Vorträge und Veröffentlichungen.

Dass die Wege in ein erfülltes Berufsleben durchaus gewunden sein können, war Tilly Lex aus eigener Erfahrung gut bekannt. 1951 geboren wuchs sie mit sechs Geschwistern auf einem Bauernhof in der Nähe von München auf. Nach Volksschule, Haushaltungsschule und nachgeholter Mittlerer Reife auf einer Mädchenrealschule machte sie zunächst eine Ausbildung zur Elektroassistentin und arbeitete drei Jahre bei Siemens im Bereich Halbleitertechnologie.

Mit 23 Jahren wechselte sie zur Berufsoberschule für Technik und Gewerbe in München und erlangte auf dem zweiten Bildungsweg die fachgebundene Hochschulreife. Da ihr die für die allgemeine Hochschulreife notwendige zweite Fremdsprache fehlt, eignet sie sich diese  im Rahmen eines längeren Arbeitsaufenthalts in Frankreich an und absolviert 1978 die erforderliche Zusatzprüfung. Einem Studium steht nun nichts mehr im Wege.

Bei der Auswahl der Studienrichtung ist für sie eines klar: Es wird kein technisches Fach sein. Lieber möchte sie sich endlich mit Themen befassen, die mehr mit Menschen und gesellschaftlichen Zusammenhängen zu tun haben. 1978 schreibt sie sich an der LMU in München für das Studium der Soziologie mit dem Schwerpunkt Industrie und Betriebssoziologie ein. Am Ende des Studiums geht Tilly Lex für drei Semester nach Frankreich, wo sie sich an der Universität Paris 10 (Nanterre) auf ihre Diplomarbeit zum Thema „Gewerkschaftliche Reaktionen auf Rationalisierungstendenzen in Frankreich“  vorbereitet. In dieser Zeit arbeitet sie als Studienassistentin in einem Marktforschungsinstitut und führt eine Untersuchung über den Robotereinsatz in der europäischen Automobilindustrie durch.

Nach dem Studium arbeitet die Diplomsoziologin zunächst ein Jahr bei Infratest-Industria in der Marktforschung, bevor sie sich der Jugendforschung zuwendet und nebenbei in der Erwachsenbildung tätig wird.

1985 kommt Tilly Lex zum Deutschen Jugendinstitut, wo ihre dritte berufliche Laufbahn - als Jugendforscherin - beginnt: zunächst in der Abteilung Jugend und Arbeit. Dort setzt sie sich im Rahmen einer empirischen Studie zum Übergang Jugendlicher an der ersten und zweiten Schwelle erstmals mit den Problemen Jugendlicher auseinander. 1988 wechselt sie in die Abteilung Jugendhilfe und Jugendhilfeforschung, wo sie über einen langen Zeitraum in die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation von Modellprogrammen zur sozialen und beruflichen Integration von benachteiligten Jugendlichen eingebunden ist.

Als 1998 der neue Forschungsschwerpunkt 1 „Übergänge in Arbeit“ eingerichtet wird, übernimmt sie die stellvertretende Leitung der Abteilung. Seitdem steht für Tilly Lex die Erforschung der Ausbildungs- und Erwerbsbiografien von Jugendlichen, insbesondere jenen mit beruflichen Schwierigkeiten, im Vordergrund. Auch ihre Dissertation, mit der sie 1996 an der pädagogischen Fakultät der Universität der Bundeswehr München promoviert, befasst sich mit dem Thema der „Berufswege Jugendlicher zwischen Integration und Ausgrenzung“. Freiberuflich ist sie seit Jahren als Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig.  

Um eine solide Datenbasis zu schaffen, startete das DJI für die längerfristige Betrachtung der  Wege von Jugendlichen in die Arbeitswelt im Jahr 2004 das sogenannte „DJI-Übergangspanel“ mit insgesamt zehn Befragungswellen bis zum Herbst 2009, an deren Konzeption und Auswertung Tilly Lex maßgeblich beteiligt war. Hieraus entwickelten sich in der Folge lokale und regionale Übergangsstudien z.B. für die Städte München, Leipzig und Stuttgart. Der Ansatz des Deutschen Jugendinstituts, eine Schnittstelle von Wissenschaft, Praxis und Politik zu bilden, kam in diesen Projekten auf ideale Weise zum Ausdruck. Es entstanden Leitfäden und eine Toolbox für das kommunale Übergangsmanagement und nicht zuletzt die Transferagenturen Mitteldeutschland (mit Sitz in Leipzig) und Bayern (mit Sitz in München), die 2014 gegründet wurden. 

Im Rahmen der abteilungsübergreifenden Surveyforschung AID:A (Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten) brachte Tilly Lex ihre langjährige Expertise in Fragen des Übergangs von jungen Menschen in Ausbildung und Erwerbsarbeit ein – sowohl bei der Konzeption und Formulierung der Fragebögen als auch bei der Auswertung.

Den vorläufigen (!) Schlusspunkt unter eine beeindruckend lange Publikationsliste setzte Tilly Lex mit einer Broschüre zur beruflichen Qualifizierung von jungen Flüchtlingen, die sie gemeinsam mit dem ehemaligen Leiter des Forschungsschwerpunkts Dr. Frank Braun verfasste.

Die „Übergänge“ waren ihr Spezialthema, nun steht Tilly Lex vor dem Übergang in den Ruhestand. Wir wünschen Ihr dazu alles Gute!