Professor Dr. Thomas Rauschenbach: Kita-Kindheit neue Normalität in Deutschland
Nicht einmal 25 Jahre haben genügt, um die Koordinaten des Aufwachsens von Kindern im Vorschulalter grundlegend zu verändern, sagte Prof. Dr. Thomas Rauschenbach in seinem Eröffnungsvortrag zur DJI-Jahrestagung 2015[1] in Berlin. So besuchen in der Bundesrepublik heute 96 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren eine Kita; auch von den Zweijährigen wird bereits mehr als die Hälfte in einer Kindertageseinrichtung betreut. Solche hohen und weiter steigenden Quoten signalisieren, dass eine neue Normalität erreicht sei, so Rauschenbach. Während in der alten Bundesrepublik gerade einmal 15 Prozent der Kinder unter 6 Jahren einen Kindergarten besuchten, sind heute bereits 71 Prozent aller U6-Kinder in einer Kindertagesbetreuung. Wichtigste Triebfeder bei dieser Entstehung einer „Kita-Kindheit“ seien veränderte Erwerbsmuster: Das traditionelle elterliche Erwerbsmodell mit dem Vater als Alleinverdiener wird nur noch von einer Minderheit der Paare gelebt. Inzwischen sind von den Müttern mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren rund 70 Prozent erwerbstätig – vor 20 Jahren waren es nur 50 Prozent. Demzufolge sinkt das Kita-Einstiegsalter: Im Westen liegt es heute im Schnitt bei 2,7 Jahren und im Osten mit 1,9 Jahren noch deutlich darunter, wobei hier die Tagespflege mit ihrem häufig sehr frühen Beginn im Lebensverlauf noch nicht eingerechnet ist. Dennoch dürfe die zeitliche Verfügbarkeit von Eltern für den Arbeitsmarkt nicht zu einer extremen Ausweitung der Betreuungszeiten von Kleinkindern führen. Immerhin verbrächten viele Vorschulkinder heute schon in der Kita so viel Zeit wie ein vollzeitbeschäftigter Erwachsener an seinem Arbeitsplatz und sogar mehr Zeit als ein Kind in der herkömmlichen Grundschule.
Vortragsfolien[2]
Der Verlagerung der Erziehungsaufgaben in die Kita widmet sich auch der BR-Hörfunkbeitrag von Gabriele Knetsch:
Bildungsort Familie[3]
Nicht einmal 25 Jahre haben genügt, um die Koordinaten des Aufwachsens von Kindern im Vorschulalter grundlegend zu verändern, sagte Prof. Dr. Thomas Rauschenbach in seinem Eröffnungsvortrag zur DJI-Jahrestagung 2015[4] in Berlin. So besuchen in der Bundesrepublik heute 96 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren eine Kita; auch von den Zweijährigen wird bereits mehr als die Hälfte in einer Kindertageseinrichtung betreut. Solche hohen und weiter steigenden Quoten signalisieren, dass eine neue Normalität erreicht sei, so Rauschenbach. Während in der alten Bundesrepublik gerade einmal 15 Prozent der Kinder unter 6 Jahren einen Kindergarten besuchten, sind heute bereits 71 Prozent aller U6-Kinder in einer Kindertagesbetreuung. Wichtigste Triebfeder bei dieser Entstehung einer „Kita-Kindheit“ seien veränderte Erwerbsmuster: Das traditionelle elterliche Erwerbsmodell mit dem Vater als Alleinverdiener wird nur noch von einer Minderheit der Paare gelebt. Inzwischen sind von den Müttern mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren rund 70 Prozent erwerbstätig – vor 20 Jahren waren es nur 50 Prozent. Demzufolge sinkt das Kita-Einstiegsalter: Im Westen liegt es heute im Schnitt bei 2,7 Jahren und im Osten mit 1,9 Jahren noch deutlich darunter, wobei hier die Tagespflege mit ihrem häufig sehr frühen Beginn im Lebensverlauf noch nicht eingerechnet ist. Dennoch dürfe die zeitliche Verfügbarkeit von Eltern für den Arbeitsmarkt nicht zu einer extremen Ausweitung der Betreuungszeiten von Kleinkindern führen. Immerhin verbrächten viele Vorschulkinder heute schon in der Kita so viel Zeit wie ein vollzeitbeschäftigter Erwachsener an seinem Arbeitsplatz und sogar mehr Zeit als ein Kind in der herkömmlichen Grundschule.
Der Verlagerung der Erziehungsaufgaben in die Kita widmet sich auch der BR-Hörfunkbeitrag von Gabriele Knetsch: