Eine Brücke zwischen Jugend und Politik: Jugendkreisräte setzen im Landkreis Aichach-Friedberg Impulse


Von Gerlinde Knöpfle und Theresa Kern

Im Landkreis Aichach-Friedberg eröffnet ein Jugendparlament jungen Menschen die Möglichkeit, sich aktiv an der Entwicklung des Landkreises zu beteiligen, jugendrelevante Themen zu diskutieren und ihre Interessen in der Kommunalpolitik zu vertreten. So erhalten sie Einblicke in politische Entscheidungsprozesse und lernen, wie Demokratie auf kommunaler Ebene funktioniert. Die Idee hatte das Bildungsbüro des Landkreises im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Regionalen Entwicklungsagentur für kommunales Bildungsmanagement (REAB) Bayern, deren Regionalbüro Süd am Deutschen Jugendinstitut (DJI) angesiedelt ist. Sie unterstützt Landkreise und kreisfreie Städte dabei, auf Basis eines datenbasierten Bildungsmanagements einen passend zugeschnittenen, modernen Mix an Bildungsangeboten zu entwickeln.

Jugendparlament mit Rückhalt: starkes Engagement und enge Zusammenarbeit

Die Jugendbeteiligung im Landkreis Aichach-Friedberg zeigt: Partizipation und Demokratiebildung braucht engagierte Fürsprecher:innen, wie den Landrat Dr. Klaus Metzger und die Mitarbeitenden der verschiedenen Abteilungen der Kommunalverwaltung. Deren Rückhalt und Zusammenwirken ermöglichten es, die Gründung eines Jugendparlaments zu realisieren. Die Federführung übernahmen das Bildungsbüro und das Jugendamt. Ersteres verfolgt dabei auch das Ziel, demokratische Bildung im Landkreis systematisch auszubauen – ein Vorhaben, das inzwischen auch durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wird.

Um mögliche Herausforderungen bei der politischen Beteiligung von Jugendlichen schon von Beginn an mitzudenken, nutzte das Team von Aichach-Friedberg die Erfahrungen und Expertise verschiedener Partner. So gab es einen intensiven Austausch mit einem anderen Landkreis, der bereits über langjährige Erfahrungen mit einem Jugendparlament verfügt. Die Akademie für Kinder- und Jugendparlamente in Berlin wurde als wichtige Anlaufstelle für Beratung und fachlichen Input einbezogen. 

Agieren und Abstimmen nach dem Vorbild des regulären Kreistags

Im Mai 2022 wurde schließlich der sogenannte Jugendkreistag gegründet. Das Gremium befasst sich mit allen Themen, die für junge Menschen im Landkreis relevant sind – von Bildung, Freizeit und öffentlichem Nahverkehr bis hin zu Klimaschutz, Jugendhilfe und Integration. Ziel ist es, konkrete Anregungen zur Verbesserung der Lebensqualität junger Menschen zu erarbeiten.

Der Geschäftsordnung zufolge darf jede weiterführende Schule mindestens eine Person im Alter von 14 bis maximal 20 Jahren in den Jugendkreistag entsenden. Die Vertreter:innen werden in einem demokratischen Verfahren an der Schule für zwei Jahre gewählt. Maximal 40 Jugendliche bilden zusammen mit dem Landrat das Gremium. Wie im regulären Kreistag finden die vom Landrat geleiteten Sitzungen regelmäßig im Großen Sitzungssaal des Landratsamts statt, auch die Abstimmungen richten sich nach dem Vorbild des Kreistags. 

Zusätzlich werden die Jugendlichen im Sinne der Demokratiebildung von der kommunalen Jugendarbeit und dem Bildungsbüro begleitet und beraten. So werden beispielsweise die Tagesordnungen der Sitzungen in enger Abstimmung zwischen den Sprecher:innen des Jugendparlaments und den Zuständigen im Jugendamt und Bildungsbüro festgelegt. Das dreiköpfige Sprecher:innen-Team ist zudem berechtigt, die Interessen des Jugendparlaments im Kreistag und in Fachausschüssen zu vertreten. Die Jugendkreisrät:innen sammeln Ideen von ihren Mitschüler:innen, entwickeln Projektvorschläge und setzen sie gegebenenfalls um. Hierfür steht dem Jugendkreistag ein jährliches Budget von 5.000 Euro zur Verfügung.

Demokratische Prozesse kennenlernen und Verantwortung übernehmen

Während der ersten Amtsperiode haben die Jugendlichen bereits konkrete Projekte umgesetzt – darunter eine Baumpflanzaktion als Zeichen gegen den Klimawandel und ein Kinoabend unter dem Motto „Von der Jugend für die Jugend“. Nach diesen ersten Erfolgen hat der neue Jugendkreistag, der seit Februar 2024 im Amt ist, weitere wichtige Themengebiete definiert. Handlungsbedarf sehen die Jugendlichen insbesondere bei der Ausstattung ihrer Schulen sowie dem öffentlichen Personennahverkehr. Klimawandel und die Umwelt spielen für sie weiterhin eine bedeutende Rolle, ebenso wie die Auseinandersetzung mit Rassismus und Sexismus. Um die Themen zu bearbeiten, wurden Arbeitsgruppen gebildet.

Über ihre Arbeit im Jugendkreistag sammeln die Jugendlichen vielfältige Erfahrungen im Bereich der politischen Bildung – sei es durch die Teilnahme an Sitzungen, den direkten Austausch mit der Kommunalverwaltung oder durch Diskussionen mit Politiker:innen. Sie erhalten vielfältige Einblicke, um ein tieferes Verständnis für kommunalpolitische Prozesse zu entwickeln. Zu ihren zentralen Aufgaben gehören außerdem, die gesammelten Informationen und Diskussionsergebnisse zurück in die Schulen zu tragen und Anliegen von Mitschüler:innen wiederum aufzunehmen. 

Begleitet werden die Jugendlichen durch gezielte Angebote zur Demokratiebildung – etwa durch Workshops zum konstruktiven Umgang mit Andersdenkenden. Dabei lernen sie nicht nur, dass politische Entscheidungsprozesse oft mit komplexen Sachverhalten verknüpft sind, sondern auch, wie herausfordernd es sein kann, tragfähige Lösungen zu finden. Ebenso wird ihnen die Vielschichtigkeit politischer Zuständigkeiten vermittelt – also wer wofür zuständig ist: Gemeinde, Landkreis, Land oder Bund. 

Über Chancen und Grenzen der Jugendbeteiligung reflektieren

Diese wertvollen Lernprozesse bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich, für die aktuell nach neuen Lösungswegen gesucht wird. Häufig sind die Themen zu komplex für eine vertiefte Diskussion im Jugendparlament oder betreffen Bereiche, für die der Landkreis gar nicht zuständig ist. Aus diesem Grund findet aktuell eine Reflexions- und Überarbeitungsphase statt, in der es darum geht, Wege zu finden, wie die Meinungen der Jugendlichen wirksam platziert werden können und wie trotz der thematischen Komplexität eine fundierte Meinungsbildung ermöglicht werden kann.

Mehr Infos zum Jugendkreistag des Landkreises Aichach-Friedberg

Weitere Analysen gibt es in Ausgabe 3+4/2025 von DJI Impulse „Besser beteiligen – warum die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen wichtig ist – und wie sie gelingen kann“ (Download PDF).

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