Auch wenn bekannt ist, daß Mobilität im jugendlichen Alltag eine hohe Dringlichkeit und Präsenz besitzt, ist im Kontext der Jugendforschung bislang kaum erforscht, welche Rolle Mobilität in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus spielt, wie lebenslagenbezogene Aspekte der privaten Ressourcenaneignung einerseits sowie den infrastrukturellen Angeboten andererseits die Ausgestaltung differenzieller Mobilitätstypen beeinflussen und wie Lebensstile und Mobilitätsstile im Jugendalter sich in unterschiedlicher Art und Weise voraussetzen und beeinflussen.

Was heißt es also, in einer entfalteten Mobilitätsgesellschaft aufzuwachsen? Inwieweit ist die per Mobilität erreichte größere individuelle Freiheit mit spezifischen Risiken verbunden? Welche Lösungen werden von Jugendlichen hierbei gesehen und präferiert? Die Gruppe der Jugendlichen ist in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse, da das "Unterwegssein" in ihrer Lebensgestaltung eine zentrale Rolle spielt. Selbstbestimmt mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten, ist für den Ablösungsprozeß vom Elternhaus und die Ausgestaltung der eigenen Identität wichtig und wird zu einem zentralen Bedürfnis. Der Zusammenhang von Lebensstilen und dem Mobilitätsverhalten von Jugendlichen ist bislang jedoch lediglich ansatzweise, vornehmlich im Bereich der Verkehrssicherheits- bzw. Unfallforschung, wissenschaftlich untersucht worden. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen die große Heterogenität der Gruppe der Jugendlichen, die es erfordert, differenzierte Angebote und Maßnahmen für die einzelnen Subgruppen bereitzustellen bzw. durchzuführen.

  • Die Projektkonzeption von U.MOVE sieht drei aufeinander aufbauende Projektbausteine vor: die Identifizierung und Erfassung von Mobilitätsstilen Jugendlicher, ein Konzept von zielgruppenorientierten Mobilitätsdiensten für Jugendliche, eine Empfehlung für die Umsetzung der Ergebnisse.
  • Mit der Erforschung der Determinanten und individuellen Motive der Mobilität Jugendlicher unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lebensstile und der Identifizierung einzelner jugendspezifischer Mobilitätsstile will U.MOVE zu einem detaillierteren Verständnis des Mobilitätsverhaltens dieser Gruppe beitragen. Die Erkenntnisse aus U.MOVE sollen dazu führen, einem Automatismus Alternativen gegenüberzustellen, die den Jugendlichen neue Mobilitätschancen jenseits der Nutzung des Pkw bieten. Leitbild ist dabei die Multimobilität: Unter Berücksichtigung des Stilpluralismus der Jugendkultur und seiner Auswirkungen auf das individuelle Mobilitätsverhalten sollen intermodale Verkehrsangebote konzipiert werden, die alle Verkehrsträger umfassen.
  • Am Beispiel von vier Untersuchungsräumen (Dortmund, Potsdam, Passau und Greifswald) aus zwei unterschiedlichen Gebietskategorien ("ländlich geprägte Regionen" und "Regionen mit großen Verdichtungsräumen") wird sowohl das Mobilitätsverhalten der Jugendlichen im engeren Sinne (Verkehrsmittelwahlverhalten, Wege etc.) quantitativ erfaßt sowie das Erleben der regionalen ‘Mobilitätswelt’ der Jugendlichen qualitativ untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei die Altersklassen der 15 bis 17-jährigen, der 18 bis 20-jährigen und der 21 bis 26-jährigen.
  • Ausgehend von den aufgezeigten offenen Fragen in der Verkehrsforschung sind dazu folgende Schritte notwendig: Die Handlungserfordernisse und Handlungszwänge, die aus der Lebenssituation von Jugendlichen resultieren, müssen transparent gemacht werden. Dazu kann auf die klassischen Analyseinstrumente der empirischen Verkehrsforschung zurückgegriffen werden, die sich schwerpunktmäßig mit den externen Einflußfaktoren auf das individuelle Mobilitätsverhalten (situative Bedingungen sowie objektive Handlungserfordernisse und -zwänge)beschäftigen. Diese klassische Analyse muß jedoch ergänzend die internen Einflußfaktoren auf das individuelle Mobilitätsverhalten berücksichtigen. Gerade im Bereich des Mobilitätsverhaltens von Jugendlichen ist ein starker Einfluß von mobilitätsbezogenen Präferenzen und Einstellungen zu erwarten, weil deren Lebenssituation in der Regel noch nicht so stark durch die Handlungserfordernisse des Berufs- und Familienlebens bestimmt wird.
  • Die Anwendung einer methodisch auf den Bereich der Mobilität zugeschnittenen Lebensstilforschung kann zu einem tieferen Verständnis jugendlicher Mobilität beitragen. Sie eröffnet die Möglichkeit, die heterogene Population der Jugendlichen anhand von mobilitätsbezogenen Verhaltens- und Einstellungsmerkmalen in Subgruppen mit unterschiedlichen Mobilitätsstilen zu differenzieren und zu klären, welche Verbindungen zwischen der Zugehörigkeit zu bestimmten Lebensstilgruppen und den verkehrsbezogenen Einstellungen und Verhaltensweisen im einzelnen bestehen.

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie im Rahmen des Forschungsfeldes "Mobilität besser verstehen".

Das Projekt wird von einem Forschungsverbund durchgeführt, in dem neben dem DJI das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes NRW in Dortmund (Projektkoordination) und das Sekretariat für Zukunftsforschung in Gelsenkirchen beteiligt sind. Darüber hinaus besteht die Zusammenarbeit mit Verkehrsdienstleistern.

Kontakt

+49 89 62306-210
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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