STEMMEN

Partnerschaftsbeziehungen unterliegen einem markanten Wandel. Die Ehe hat in vielen Ländern als normativer Rahmen für Elternschaft an Bedeutung verloren. Schätzungen auf Basis des Beziehungs- und Familienpanels pairfam zeigen, dass insgesamt jedes vierte Kind in Deutschland von einer Trennung seiner Eltern betroffen ist. Die emotionalen, gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Kosten einer Trennung sind hoch – insbesondere für Partnerschaften mit Kind/Kindern (Geisler u.a. 2018). Gleichwohl ist die Schwelle für eine Inanspruchnahme von Paar- und Trennungsberatung nach wie vor hoch (Job u.a. 2014).

Umfragen in den USA lassen darauf schließen, dass Online-Ressourcen zur Selbsthilfe bei Partnerschaftsproblemen einschließlich Trainingsangeboten zur Stärkung der Paarbeziehung im Vergleich zu herkömmlicher persönlicher Paarberatung als attraktiver eingeschätzt werden und mit größerer Wahrscheinlichkeit in Anspruch genommen werden (Georgia/Doss 2013). Allerdings ist die Verfügbarkeit entsprechender Angebote in Deutschland noch sehr begrenzt. Online-Ressourcen können zwar persönliche Paar- und Trennungsberatung nicht ersetzen, aber bei einer größeren Anzahl an Fällen unterstützend wirken und die Hemmschwelle zur Inanspruchnahme von Beratung verringern.

In dem interdisziplinären Verbundprojekt der Universitäten Göttingen, Heidelberg, München (LMU) und Ulm, dem Universitätsklinikum Ulm sowie dem Deutschen Jugendinstitut wird ein breit gefächertes Online-Angebot entwickelt, das sich an Paare in der Krise, Eltern in der Trennungsphase sowie Eltern und Kinder bzw. Jugendliche nach der Trennung richtet. Diesen Zielgruppen stehen sowohl informative Elemente zur Verfügung (insb. juristische und ökonomische Informationen) als auch psychoedukative Elemente, die dem Training von Bewältigungs- und Beziehungs- bzw. Interaktionskompetenzen dienen, sowie nützliche Tools (z.B. Planungslisten für Umgangskontakte). Das Projekt verbindet psychologische, ökonomische, juristische, sozialwissenschaftliche und IT-Expertise in insgesamt sieben Modulen. Mehr Informationen zum Verbundprojekt finden sich bei der Ludwig-Maximilian Universität.

In dem am DJI angesiedelten Modul „Eine Trennung ökonomisch durchdenken“ werden die sozioökonomischen Konsequenzen einer Trennung bzw. Scheidung aufbereitet. Über die Bereitstellung verschiedener Indikatoren sollen Eltern informierte Entscheidungen zum Thema ermöglicht werden.

Die Indikatoren bilden sozioökonomische Trennungsfolgen in Bezug auf u.a. Erwerbseinbindung, Einkommen und Armutsrisiken zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der Trennung ab. Sie werden mittels statistischer Analysen manifestierter Trennungsbiografien gewonnen und basieren auf unterschiedlichen Mikrodatensätzen, die die Analyse familialen Wandels (SOEP und Mikrozensus) bzw. von erwerbsbiografischen Verläufen im Zusammenhang mit beobachteten Trennungsereignissen (Registerdaten der Deutschen Rentenversicherung inklusive des Record Linkage der Rentenversicherungsdaten mit der deutschen Teilstichprobe des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE-RV)) erlauben.

Kontakt

+49 89 62306-255
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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