Jugendliche können mehr denn je ihren eigenen Weg zur Sexualität finden - ein Prozeß, während dessen die meisten Mädchen und Jungen über eine Phase von mehreren Jahren Schritt für Schritt neue Erfahrungen machen.
Mit diesen äußeren sexuellen Freiheiten sind gleichzeitig Anforderungen gewachsen, sich selbständig und eigenverantwortlich orientieren und entscheiden zu müssen und das eigene Verhalten in der Beziehung oder Begegnung abzustimmen. Zudem bringt das Wegbrechen "selbstverständlicher", unhinterfragter sexueller Normen und eindeutiger Rollenmuster für "den" Mann und "die" Frau neuartige Verunsicherungen in die sexuelle Entwicklung Jugendlicher. Dies gilt auch für die widersprüchliche Erfahrung, daß Gleichheit in der sexuellen Selbstbestimmung zu einem weithin geteilten, aber nicht eingelösten Versprechen geworden ist.

Auf diesem Hintergrund ist die schrittweise experimentelle Einübung partnerorientierter Sexualität, mehr als dies für die Elterngeneration zugetroffen hat, ein integraler Bestandteil der Jugendphase geworden. Dieser Prozeß, während dem die Selbst- und Fremdbilder der Jugendlichen zunehmend stabiler werden, ist Gegenstand des Forschungsprojektes. Das zentrale Forschungsinteresse gilt förderlichen und hinderlichen Bedingungen für die Einübung einer lustvollen, erfüllten und verantwortlichen Sexualität.
Es besteht der Anspruch, Wissen für präventive sexualpädagogische Arbeit bereitzustellen. Dabei wird die Aufmerksamkeit nicht vorschnell auf die Vermeidung von Gefahren eingeengt; denn soziale Basisfähigkeiten wie Selbstvertrauen, kommunikative Kompetenz, sich klar abgrenzen können und die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme unterstützen - so eine forschungsleitende These - Mädchen und auch Jungen darin, eine lustvolle, erfüllte Sexualität zu finden und kompetent und verantwortungsbewußt mit den Gefährdungen im Bereich von Sexualität umgehen zu können.