Städte locken Kriminelle an

 

In Deutschland wird die den Strafverfolgungsbehörden – Polizei, Staatsanwaltschaft, Justiz – bekannt gewordene Kriminalität in verschiedenen Statistiken registriert. Die Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalstatistik wird besonders dadurch eingeschränkt, dass der Polizei ein Teil der begangenen Straftaten nicht bekannt wird. Der Umfang dieses Dunkelfeldes hängt von der Art des Deliktes ab und kann sich unter dem Einfluss variabler Faktoren (z.B. Anzeigebereitschaft der Bevölkerung, Intensität der Verbrechenskontrolle) auch im Zeitablauf ändern. Somit ist die polizeilich registrierte Kriminalität ein von Struktur und Intensität strafrechtlicher Sozialkontrolle abhängiger Sachverhalt. Hinzu kommt, dass bei numerischer Betrachtung ein Ladendiebstahl so viel wie ein Mord zählt.

Für Deutschland wurden 2005 ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte insgesamt 6.391.715 Verstöße gegen die Strafgesetze des Bundes registriert. Die mit Strafe bedrohten Versuche wurden dabei wie vollendete Handlungen gezählt. Die Häufigkeitszahl (Fälle pro 100.000 Einwohner) für 2005 beträgt 7.747.

Die Karte zeigt die räumliche Verteilung der Häufigkeitszahlen nach Landkreisen und kreisfreien Städten, die geografische Lage des Tatortes wird somit berücksichtigt:

Die polizeilich registrierte Kriminalität zeigt zum einen, dass die erfassten Fälle pro 100.000 Einwohner deutlich ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle aufweisen. Es sind vor allem die Kreise in den südlichen Flächenstaaten Bayern, Baden-Württemberg und Hessen wo 2005 weniger Delikte gemeldet wurden. Zum anderen zeigt die Karte, dass die südlichen Städte wesentlich höhere Anteile verzeichnen als die umliegenden Landkreise. Diese Diskrepanz wird in den nördlichen bzw. östlichen Ländern geringer.
Die Aussagekraft der Häufigkeitszahl wird dadurch beeinträchtigt, dass nur ein Teil der begangenen Straftaten der Polizei bekannt wird, und dass u.a. Stationierungsstreitkräfte, ausländische Durchreisende, Touristen, Besucher und grenzüberschreitende Berufspendler sowie Nichtdeutsche, die sich illegal im Bundesgebiet aufhalten, in der Einwohnerzahl nicht enthalten sind. Straftaten, die von diesem Personenkreis begangen wurden, werden aber in der polizeilichen Kriminalstatistik gezählt.
Zusammenfassend lassen sich diese regionalen Unterschiede nicht allein durch unterschiedliches Anzeigeverhalten erklären. Vielmehr kommen Ursachen wie z,B. günstigere Tatgelegenheiten oder größere sozioökonomische Probleme in Betracht.

Von den polizeilich registrierten Straftaten wurden 2005 insgesamt 55,0 % aufgeklärt, wodurch 2.313.136 Tatverdächtige ermittelt werden konnten. Damit beläuft sich die auf jeweils 100.000 der Wohnbevölkerung (ohne Kinder unter 8 Jahren) bezogenen Tatverdächtigenbelastungszahl auf 2.570. Die Aufklärungsraten sind deliktspezifisch unterschiedlich hoch. Die Spannweite reicht von 5% (Taschendiebstahl) bis zu 100% (Geld- und Wertzeichenfälschung).
Falls die in einem Berichtsjahr in der polizeilichen Kriminalstatistik registrierten Tatverdächtigen rechtskräftig verurteilt werden, gelangen sie wegen der unterschiedlichen Verfahrensdauer teils im Berichtsjahr, teils im Folgejahr oder auch erst noch später in die Strafverfolgungsstatistik.

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