Konzeption und Methode

Mit dem Projekt zur Entwicklung eines Tagespflege-Curriculums knüpfte das Deutsche Jugendinstitut an eine langjährige Forschungstradition zum Thema 'Betreuung von Kindern in Tagespflege' an, die mit dem Bundesmodellprojekt "Tagesmütter" (1974 -1979) ihren Anfang genommen hatte. Ein Jahrzehnt später wurde das "Tagesmütter-Handbuch" im DJI konzipiert und herausgegeben, das zu einem angesehenen Standardwerk für alle an der Tagespflege Beteiligten und Interessierten wurde. Das Projekt zur Qualifizierung in der Tagespflege stellte eine schlüssige Fortsetzung des Forschungsstrangs in Form konkreter Praxisentwicklung dar.

Der Projektverlauf erfolgte in drei Phasen:
In der Vorphase von Juni 1997 bis Mai 1998 fanden Verhandlungen mit potentiellen Modellorten statt. Die personelle Erweiterung der Forschungsgruppe wurde vorbereitet, Literaturrecherchen durchgeführt und die Entwicklung des Untersuchungsdesigns vorgenommen.

In der Phase von Juni 1998 bis November 2000 wurden die Datenerhebungen an den Modellorten durchgeführt, ausgewertet und die bis dahin vorliegenden Ergebnisse in Buchform veröffentlicht (Keimeleder, Schumann, Stempinski, Weiß 2001).

Von November 2000 bis Dezember 2001 wurde auf Basis dieser Ergebnisse ein Fortbildungsprogramm für die Kindertagespflege im Umfang von 160 Unterrichtsstunden entwickelt (Weiß, Stempinski, Schumann, Keimeleder 2002).

An dem Projekt waren neun Modellorte als Kooperationspartner beteiligt, deren Fortbildungsprogramme für Tagespflegepersonen wissenschaftlich begleitet wurden. In einem ersten Schritt wurden die jeweils an den Modellorten realisierten Fortbildungsprogramme evaluiert. Berücksichtigt wurden dabei die unterschiedlichen Perspektiven aller beteiligten Persongruppen: diejenigen, die für die Konzeption und Durchführung der Fortbildung verantwortlich sind (Träger, Jugendämter, ReferentInnen), die TeilnehmerInnen an den Kursen (Tagespflegepersonen) und indirekt auch die Eltern und die Kinder.

Die Datenerhebung fand über verschiedene methodische Zugänge statt:
• Dokumentenanalysen
• Hospitationen und Videoaufnahmen (150 Unterrichtsstunden)
• Quantitative Befragung (n=235 Fortbildungsteilnehmerinnen)
• 59 Interviews mit FortbildungsreferentInnen an den Modellorten
• Einzel- und Gruppeninterviews mit ExpertInnen aus den zuständigen Ministerien, Jugendämtern und Trägern der Qualifizierungsprogramme (n=23) sowie
• Einzel- und Gruppeninterviews mit 44 FortbildungsteilnehmerInnen und 26 Tagesmüttern.

Die didaktisch, inhaltlich und methodisch unterschiedlichen Konzepte der Fortbildung wurden erhoben und auf intendierte und mögliche nicht-intendierte Effekte hin untersucht.

In einem zweiten Schritt wurden die Ergebnisse der Untersuchungen mit den FortbildungsreferentInnen der beteiligten Modellorte reflektiert. Dazu wurden drei mehrtägige Workshops mit PraxisvertreterInnen der untersuchten Modellorte zu folgenden Themen durchgeführt:

• Förderung von Kindern in Tagespflege
• Arbeitsbedingungen der pädagogischen Fachkräfte
• Beziehungssystem Tagespflege
• Trägerschaft der Qualifizierungsmaßnahmen für Tagespflegepersonen
• Professionalisierung der Tagespflege
• Abschlußmodalitäten der Fortbildungsmaßnahmen

Auf den beiden ersten Arbeitsschritten aufbauend wurde schließlich ein eigenständiges Fortbildungsprogramm zur Grundqualifizierung von Tagesmüttern entwickelt.

In die Projektarbeit flossen über die Einbindung in ein wissenschaftliches Netzwerk verschiedener nationaler und internationaler ExpertInnen im Forschungsfeld Kindertagespflege auch internationale Erfahrungen ein.

Kontakt

+49 89 62306-347
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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