Wissenschaftliche Begleitung der Landes-Demokratiezentren

Die wissenschaftliche Begleitung des Handlungsbereichs Land ist am Deutschen Jugendinstitut e.V. angesiedelt. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert im Handlungsbereich Angebote insbesondere der Mobilen Beratung, der Opferberatung, der Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit im Kontext von Rechtsextremismus sowie der Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus und Islamfeindlichkeit. Diese werden von Landes-Demokratiezentren koordiniert und vernetzt. Die bestehenden Strukturen, Strategien und Konzepte sollen ab 2020 orientiert an den Bedarfen der Länder weiterentwickelt, gefestigt und ausgebaut werden.

Die wissenschaftliche Begleitung versteht sich als sozialwissenschaftliche Evaluation (Lüders 2006). Das bedeutet, sie orientiert sich an den Standards und Gütekriterien quantitativer und qualitativer Sozialforschung und geht gegenstandsangemessen und kontextsensibel vor. Darüber hinaus ist die Einordnung und Bewertung der Entwicklungen im Programmbereich Teil der wissenschaftlichen Begleitung; Grundlage für die Umsetzung des Evaluationsauftrags sind dabei die Standards der Gesellschaft für Evaluation (DeGEval 2018).

Das Evaluationsdesign der wissenschaftlichen Begleitung enthält sowohl formative Elemente (Strukturen, Situationen und Prozesse analysieren, Praxis begleiten und Befunde zurückspiegeln) als auch summative Elemente (Erträge des Programmbereichs bilanzieren). Bei der Evaluation des Programmbereichs legt die wissenschaftliche Begleitung darüber hinaus Wert auf partizipative Elemente: Die begleiteten Akteurinnen und Akteure werden aktiv in die (Weiter-)Entwicklung von Fragestellungen und Erhebungsinstrumenten einbezogen und Ergebnisse werden gemeinsam diskutiert. Sie sollen damit zur Reflexion ihrer Praxis angeregt werden.

Die wissenschaftliche Begleitung fokussiert ihren Blick auf zwei Ebenen:

  1. Koordinationsstrukturen der Landes-Demokratiezentren,
  2. Umsetzungspraxis der Beratungs- und Präventionsangebote.

In der Untersuchung der Koordinationsstrukturen der Landes-Demokratiezentren wird vor allem untersucht:

  • Welche inhaltlichen Schwerpunktsetzungen nehmen die Landes-Demokratiezentren vor? Was beeinflusst diese Schwerpunktsetzungen?
  • Wie gestaltet sich die Koordinierungs- und Vernetzungsarbeit der Landes-Demokratiezentren?
  • Inwieweit gelingt es, alle relevanten Akteurinnen und Akteure des Bundesprogramms zusammenzuführen?
  • Welchen Einfluss hat die Koordinierungsarbeit auf die Qualität der Beratungs- und Präventionsangebote in den einzelnen Bundesländern?

In der Betrachtung der Umsetzungspraxis der Beratungs- bzw. Präventionsangebote sollen vor allem die folgenden Fragestellungen verfolgt werden:

  • Welche Entwicklungen zeichnen sich in den einzelnen Angeboten ab?
  • Wie wird der Zugang zu Zielgruppen gestaltet?
  • Welche Problemverständnisse und fachlichen Orientierungen liegen den einzelnen Angeboten zugrunde?

Wie wirkt diese Arbeit bei den Adressierten unter welchen Bedingungen? Wie schätzen die Beratungsnehmenden die Beratungsarbeit ein?

Die Bearbeitung der Fragestellungen erfolgt in unterschiedlichen Schwerpunkten, die über den gesamten Zeitraum der wissenschaftlichen Begleitung mit unterschiedlicher Intensität multiperspektivisch bearbeitet werden. In den einzelnen Schwerpunkten kommen sowohl quantitative als auch qualitative Methoden der Sozialforschung zum Einsatz, um einerseits Befunde über das gesamte Feld zu erhalten und andererseits einzelne Fragestellungen vertieft zu bearbeiten. Das konkrete methodische Vorgehen der Erhebung und Auswertung zu den einzelnen Schwerpunkten wird entsprechend der anvisierten Erkenntnisgewinne und der Bedingungen des Feldes ausgewählt und angepasst.

  1. Für länderbezogene Analysen zu Koordinationsleistungen und Netzwerken auf der Ebene der Landes-Demokratiezentren werden quantitative und qualitative Netzwerkanalysen an zwei Erhebungszeitpunkten durchgeführt.
  2. Zur Rekonstruktion der Perspektive der Beratungsnehmenden sowie zu explorativen Analysen der Wirksamkeit und der Professionalisierung der Beratungs- und Präventionsangebote werden qualitative und quantitative Daten erhoben (u.a. Interviews mit den Beraterinnen und Beratern und den Beratungsnehmenden, teilnehmende Beobachtungen).
  3. Um die länderübergreifenden Entwicklungen und Wirkungen auf Ebene der Koordination sowie der Beratungs- und Präventionsangebote zu untersuchen, werden u.a. Experteninterviews und Gruppendiskussionen mit Koordinierenden aller Bundesländer sowie standardisierte Befragungen bei allen Landes-Demokratiezentren und Trägern der Beratungs- und Präventionsangebote durchgeführt.

Fragen, die das Bundesprogramm als Ganzes betreffen, werden in (teil-)standardisierter Form bei allen im Programmbereich geförderten Akteurinnen und Akteuren erhoben und der Evaluation des Gesamtprogramms zur Auswertung zur Verfügung gestellt.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung werden im Laufe der Förderphase in fünf thematisch orientierten Berichten (Entwicklungen im Feld der Opferberatung, Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit sowie Angebote im Bereich islamistischer Extremismus, multiperspektivische Betrachtung der Beratungsangebote mit Fokus auf Perspektive der Beratungsnehmenden, Effekte der Vernetzung von Partnerschaften für Demokratie und Landesstruktur, Koordinationsfunktion und Netzwerkarbeit in den Ländern) dargestellt. In einem Abschlussbericht werden schließlich die Entwicklungen in der gesamten Förderphase aufgegriffen, Befunde zusammengeführt und die Erträge von „Demokratie leben!“ im Handlungsfeld herausgestellt. Darüber hinaus sollen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung in Fachartikeln und Vorträgen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Ergebnisse der zurückliegenden Förderphase finden Sie hier.

Kontakt

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Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
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