Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention (Programmbereich E)

Im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ werden im Programmbereich E Modellprojekte gefördert, die neue Wege im pädagogischen Umgang mit Radikalisierungsprozessen erproben und bedarfsorientiert modifizieren sollen. Modellprojekte agieren generell in einem pädagogischen Experimentierraum. So sollen sie im Programmbereich insbesondere Präventionsansätze (weiter-)entwickeln und erproben sowie ihre pädagogischen Erfahrungen und Vorgehensweisen in den Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe nachhaltig verankern. Die Projekte arbeiten präventiv gegen Rechtsextremismus, gegen demokratiefeindliche und gewaltorientierte Formen des Islamismus sowie gegen linke Militanz. Seit Programmbeginn wurde die Anzahl an Modellprojekten deutlich aufgestockt: Anfang 2015 förderte das BMFSFJ 36 Modellprojekte, bis 2017 hat sich die Anzahl der Modellprojekte etwa verdoppelt und liegt nun bei über 70 Projektvorhaben (mehr zu den einzelnen Projekten unter: „Demokratie leben!“).

Seit Beginn des Bundesprogramms 2015 ist das Deutsche Jugendinstitut e.V. mit der wissenschaftlichen Begleitung des Programmbereichs E beauftragt.

Die wissenschaftliche Begleitung des Programmbereichs hat zum Ziel, die unterschiedlichen pädagogischen Strategien der Projekte zu systematisieren sowie projektübergreifend pädagogische Lernerfahrungen zu bündeln. Ihr übergreifender fachlicher Anspruch ist es, einerseits die jeweilige Eigenlogik der drei Themenfelder bzw. des Handlungsfelds Radikalisierungsprävention zu berücksichtigen und zum anderen die Handlungsansätze und Umsetzungserfahrungen der Projekte in Bezug zu übergreifenden fachlichen Fragestellungen zu setzen. Die Analysen sowie daraus abzuleitende Empfehlungen werden für ein breites Spektrum an programminternen Akteuren sowie für Akteure der pädagogischen Fachpraxis aufbereitet.

Die wissenschaftliche Begleitung enthält sowohl formative als auch summative Elemente und ist demnach sowohl prozess- als auch ergebnisorientiert. Insbesondere aus dem Erprobungs- und Modifikationsauftrag von Modellprojekten leitet sich ab, dass die Projekte verstärkt formativ evaluiert werden müssen. Durch das Begleiten der Modellprojekte bereits während der Projektumsetzung können Programm- und Projektlogik(en) auch prozessunterstützend in der Experimentierphase geklärt und den geförderten Projekten und politischen Programminitiatoren zeitnah Möglichkeiten der fachlichen und fachpolitischen Reflexion geboten werden. Am Ende der Projektumsetzung bilanziert die wissenschaftliche Begleitung ergebnisorientiert die Zielerreichung, indem sie die Leistungen und (Neben-)Effekte der Projektförderung im Bereich Radikalisierungsprävention rückblickend darstellt.

Inhaltliche Schwerpunkte der wissenschaftlichen Begleitung sind die

  • Darstellung der Eigenlogiken des Programmbereichs: Die Erhebungen der wissenschaftlichen Begleitung orientieren sich an dem Instrument des „Logischen Modells“, welches hilft, den Programmbereich mit seiner „impliziten Handlungslogik“ zu analysieren. Hierfür werden projektübergreifende Ausgangsbedingungen und (themenfeldbezogene) Kontexte, Problemwahrnehmungen sowie (pädagogische) Lösungsstrategien für zentrale Zielgruppen, Zielsetzungen und Vorgehensweisen analysiert.

  • Orientierung an den Projektphasen: Die wissenschaftliche Begleitung berücksichtigt in den jährlichen Schwerpunktsetzungen die unterschiedlichen Phasen, in denen sich die Projekte im Laufe ihrer Umsetzung befinden. So werden in der beginnenden Implementierungsphase der Projekte vor allem die konzeptionelle Gesamtanlage und die Etablierungsprozesse in den Blick genommen. Später stehen die pädagogischen Lernerfahrungen und Herausforderungen sowie die Fachlichkeit des pädagogischen Handelns im Mittelpunkt. Zum Ende der Förderphase des Bundesprogramms liegt der Fokus der wissenschaftlichen Begleitung auf Fragen zur Wirksamkeit der pädagogischen Angebote und zu Nachhaltigkeitsstrategien.

  • Orientierung am Modellprojektauftrag: Die wissenschaftliche Begleitung rekonstruiert die Perspektiven der Projekte darauf, wie sie die Bedarfe der (sozial-)pädagogischen Regelpraxis in Bezug auf die jeweiligen Themenfelder formulieren. Die Begleitung beschreibt den Innovationscharakter der geförderten Projekte sowie die Erprobungsstrategien und -erfahrungen. Im letzten Umsetzungsjahr wird vor allem auf Strategien fokussiert, die dazu dienen, ihre pädagogischen Methoden und Lernerfahrungen aus den Modellprojekten in die Regelpraxis der Kinder-und Jugendhilfe zu transferieren.

Für die Einordnung und Bewertung der Projektumsetzungen geht die wissenschaftliche Begleitung möglichst gegenstandsangemessen und kontextsensibel vor. Zugleich zieht sie phänomenbezogene und pädagogische Fachdebatten heran und führt diese mit den Erprobungen und Erfahrungen der Modellprojekte zusammen. Beispielsweise bezieht sich die wissenschaftliche Begleitung in der Bewertung des Programmbereichs auf die wissenschaftlich diskutierten Radikalisierungsfaktoren, bettet Projektstrategien in verbreitete Präventionstypologien ein und kontextualisiert Erprobungserfahrungen in übergreifende Herausforderungen in der pädagogischen Präventionsarbeit.

Die wissenschaftliche Begleitung realisiert eine Projektbegleitung mit unterschiedlicher Reichweite und Tiefe: Sie kombiniert quantitative Erhebungen bei allen Projekten mit qualitativen Erhebungen bei einem ausgewählten Teil der Projekte. Das Ziel der quantitativen Fragebogenerhebungen ist es, vergleichbare Aussagen der Projekte, bspw. zu pädagogischen Konzeptionen und zu Nachhaltigkeitsaktivitäten, zu generieren und somit über alle Projekte aussagefähig zu sein. Mit einem ausgewählten Sample von Projekten finden zusätzlich qualitative Erhebungen statt. Sichtbar gemacht werden dabei die Perspektiven der Projekte auf den Modellprojektauftrag, das Themen- und Handlungsfeld, ihre pädagogischen Handlungsorientierungen und dahinterstehende Präventionslogiken. Es werden leitfadengestützte, offene Interviews und Reflexionsgespräche mit den Projektumsetzenden geführt sowie teilnehmende Beobachtungen in unterschiedlichen pädagogischen Settings realisiert. Zusätzlich bilden Adressatenbefragungen mit Kurzfragebögen, aber auch Gruppendiskussionen die Grundlage für die Analyse von retrospektiven Einschätzungen zur Akzeptanz der Projekte durch die Teilnehmenden und der zugeschriebenen angebotsbezogenen Wirkungen.

In Workshops der wissenschaftlichen Begleitung werden mit Mitarbeitenden der Modellprojekte aktuelle Herausforderungen in der pädagogischen Praxis diskutiert sowie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung kommunikativ validiert.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung werden in jährlichen Zwischenberichten veröffentlicht. 2015 bis 2017 wurden die Zwischenberichte für den Programmbereich E (Radikalisierungsprävention) gemeinsam mit dem Programmbereich D (Ausgewählte Phänomene gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiestärkung im ländlichen Raum, siehe auch wissenschaftliche Begleitung des Programmbereichs D) verfasst:

  • Greuel, Frank/Langner, Joachim/Leistner, Alexander/Roscher, Tobias/Schau, Katja/Steil, Armin/Zimmermann, Eva/Bischoff, Ursula (2015): Erster Bericht: Modellprojekte. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu GMF, Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention. Zwischenbericht für den Zeitraum 01.01.2015 bis 31.12.2015 (Download)
  • Greuel, Frank/Langner, Joachim/Leistner, Alexander/Roscher, Tobias/Schau, Katja/Steil, Armin/Zimmermann, Eva/Bischoff, Ursula (2016): Zweiter Bericht: Modellprojekte. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu GMF, Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention. Zwischenbericht für den Zeitraum 01.01.2016 bis 31.12.2016 (Download)
  • Figlestahler, Carmen/Greuel, Frank/Langner, Joachim/Leistner, Alexander/Rehse, Aline/Roscher, Tobias/Schau, Katja/Steil, Armin/Walter, Elisa/Zimmermann, Eva (2019): Dritter Bericht: Modellprojekte. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu GMF, Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention. Zwischenbericht 2017 (Download)
  • Figlestahler, Carmen/Greuel, Frank/Grunow, Daniel/Langner, Joachim/Schau, Katja/Schott, Marco/Zierold, Diana/Zschach, Maren (2019): Vierter Bericht: Modellprojekte E. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention. Zwischenbericht 2018 (Download)

Kontakt

+49 345 68178-29
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

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