Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu ausgewählten Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und zur Demokratiestärkung im ländlichen Raum (Programmbereich D)

Der Programmbereich D im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert Modellprojekte, die neue Wege im Umgang mit Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und zur Demokratiestärkung im ländlichen Raum erproben. Die Modellprojekte entwickeln, erproben und modifizieren Konzepte und Methoden der Sensibilisierung, des Empowerments und der Demokratieförderung für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene sowie (pädagogische) Fachkräfte. Die erprobten Konzepte, gesammelten Erfahrungen und Vorgehensweisen der Modellprojekte sollen zudem die Regelstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe anregen und nachhaltig dorthin übertragen werden. In den Jahren 2016/2017 wurde der Programmbereich um zwei Themenfelder erweitert und die Anzahl der geförderten Modellprojekte erhöht. Wurden Anfang 2015 noch 60 Modellprojekte in fünf Themenfeldern gefördert, sind es durch die Programmaufstockungen mittlerweile über 90 Modellprojekte in sieben Themenfeldern (vgl. Auflistung):

  • Antisemitismus (seit 2015)
  • Islam-/Muslimfeindlichkeit (seit 2015)
  • Antiziganismus (seit 2015)
  • Homosexuellen- und Transfeindlichkeit (seit 2015)
  • Demokratieförderung im ländlichen Raum (seit 2015)
  • Rassismus und rassistische Diskriminierung (seit 2016/2017)
  • Antidiskriminierung und Frühprävention im Vorschulalter (seit 2016/2017)

(mehr zu den einzelnen Projekten unter: „Demokratie leben!“).

Das Deutsche Jugendinstitut e.V. ist seit Beginn des Programms 2015 mit der wissenschaftlichen Begleitung des Programmbereichs D beauftragt.

Die wissenschaftliche Begleitung hat zum Ziel, Erkenntnisse über Prozesse, Strukturen und Zusammenhänge des Programmbereichs zu generieren. Konkret bedeutet das, die (pädagogischen) Konzepte der Projekte zu analysieren, themenfeldspezifische sowie themenfeldübergreifende Lernerfahrungen der Modellprojekte zu erfassen und diese zu systematisieren. Die Ergebnisse und daraus abgeleiteten Empfehlungen werden für programminterne Akteure, die Fachpraxis und die Öffentlichkeit aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Begleitung ist eine kontextsensible Rekonstruktion der Projektlogiken sowie der Eigenlogiken des Programmbereichs und dessen Themenfelder. Das heißt, unter Berücksichtigung der Ausgangsbedingungen (Ressourcen, Strukturen der Träger, Problemlagen) untersucht sie die Bedarfs- bzw. Problembeschreibungen, Innovationsannahmen sowie die Lösungskonzepte ausgewählter Projekte. Sie fragt also, wie die Projekte warum in welchen (lokalen) Kontexten arbeiten.

Ein weiterer Ankerpunkt der wissenschaftlichen Begleitung ist der dem Förderbereich zugrundeliegende Innovations-, Erprobungs- und Übertragungsauftrag. Je Projektphase setzt die wissenschaftliche Begleitung entsprechende inhaltliche Schwerpunkte. Während in der Implementierungsphase der Projekte vor allem die konzeptionelle Gesamtanlage und die Etablierungsprozesse (z.B. Herstellung des Zielgruppenzugangs, Aufbau von Netzwerken) im Fokus lagen, standen in der Umsetzungsphase die (pädagogischen) Lern- und Scheiternserfahrungen, Herausforderungen sowie Wirkungseinschätzungen im Mittelpunkt. Am Ende der Begleitung rücken Fragen zur internen und externen Nachhaltigkeit der Modellprojekte, und hier insbesondere die Arbeit mit (pädagogischen) Fachkräften sowie an und in Organisationsstrukturen in den Blick. Dazu untersucht die wissenschaftliche Begleitung u.a., welche Aktivitäten die Projekte unternehmen, um ihre Erkenntnisse und Modelle in die Regelpraxis (z.B. Kinder- und Jugendhilfe) zu übertragen.

Für die Analyse und Einordnung der Projektarbeit sind in der wissenschaftlichen Begleitung die wissenschaftlichen Debatten und Fachdiskurse im Feld, insbesondere die dort diskutierten Herausforderungen und Spezifika der jeweiligen Themen- und Handlungsfelder relevant.

Das Evaluationsdesign der wissenschaftlichen Begleitung ist multimethodisch und multiperspektivisch gestaltet. Es ist sowohl formativ als auch summativ angelegt. Das heißt, die wissenschaftliche Begleitung arbeitet prozess- und ergebnisorientiert. Dabei bezieht sie sich auf die wissenschaftlichen Standards der DeGEval. Sie erhebt gegenstandsangemessen in einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Instrumenten und befragt verschiedene am Modellprojekt beteiligte Akteurinnen und Akteure. Zu den quantitativen Erhebungen gehören:

  • eine jährliche standardisierte Online-Befragung der Modellprojekte (Monitoring) sowie
  • eine schriftliche Befragung von Teilnehmenden.

Ziel der quantitativen Erhebungen ist es, übergreifende Aussagen über den Programmbereich treffen zu können und somit über alle Projekte hinweg aussagefähig zu sein. Für tiefergehende Aussagen zu Themen- und Handlungsfeldern und zu konkreten Arbeitsstrategien finden qualitative Erhebungen bei einer Auswahl (intensiv begleitetes Sample) bzw. mit allen Projekten statt. Zum Spektrum der qualitativen Methoden gehören:

  • Dokumentenanalysen,
  • leitfadengestützte Interviews mit Projektverantwortlichen und Kooperationspartnern der Projekte,
  • teilnehmende Beobachtungen an Veranstaltungen, Angeboten,
  • leitfadengestützte Telefoninterviews (Vollerhebung) sowie
  • leitfadengestützte Teilnehmendenbefragungen.

Darüber hinaus werden in Workshops mit Mitarbeitenden der Modellprojekte aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Praxis und die Fachdebatte diskutiert. Im Sinne der formativen Evaluation dienen diese auch der Präsentation der Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und dem Austausch dazu.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung der Modellprojekte werden in den jährlichen Zwischenberichten veröffentlicht. 2015 bis 2017 wurden die Zwischenberichte für den Programmbereich D (Ausgewählte Phänomene gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiestärkung im ländlichen Raum) gemeinsam mit dem Programmbereich E (Radikalisierungsprävention, siehe auch wissenschaftliche Begleitung des Programmbereichs E) verfasst:

  • Greuel, Frank/Langner, Joachim/Leistner, Alexander/Roscher, Tobias/Schau, Katja/Steil, Armin/Zimmermann, Eva/Bischoff, Ursula (2015): Erster Bericht: Modellprojekte. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu GMF, Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention. Zwischenbericht für den Zeitraum 01.01.2015 bis 31.12.2015 (Download)
  • Greuel, Frank/Langner, Joachim/Leistner, Alexander/Roscher, Tobias/Schau, Katja/Steil, Armin/Zimmermann, Eva/Bischoff, Ursula (2016): Zweiter Bericht: Modellprojekte. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu GMF, Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention. Zwischenbericht für den Zeitraum 01.01.2016 bis 31.12.2016 (Download)
  • Figlestahler, Carmen/Greuel, Frank/Langner, Joachim/Leistner, Alexander/Rehse, Aline/Roscher, Tobias/Schau, Katja/Steil, Armin/Walter, Elisa/Zimmermann, Eva (i.E.): Dritter Bericht: Modellprojekte. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu GMF, Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention. Zwischenbericht 2017
  • Brand, Alina/Johann, Tobias/Leistner, Alexander/Rehse, Aline/Roscher, Tobias/Walter, Elisa/Zimmermann, Eva (i.E.): Vierter Bericht: Modellprojekte D. Programmevaluation „Demokratie leben!“ Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zu GMF und Demokratiestärkung. Zwischenbericht 2018

Kontakt

+49 345 68178-29
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

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