Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte im Handlungsfeld „Demokratieförderung“

Seit Beginn der zweiten Förderphase des Programms 2020 ist die wissenschaftliche Begleitung des Handlungsfeldes „Demokratieförderung“ am Deutschen Jugendinstitut e.V. angesiedelt.

Das Handlungsfeld „Demokratieförderung“ im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert Modellprojekte, die bundesweit neue, innovative Ansätze der demokratischen Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen erproben.

Die Modellprojekte entwickeln und modifizieren Konzepte und Methoden der Vermittlung demokratischer Prinzipien, der Entwicklung demokratischer Kompetenzen sowie der Ermöglichung von sozialer und politischer Teilhabe. Die Arbeit der Projekte mit den Zielgruppen Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und (pädagogische) Fachkräfte soll in enger Kooperation mit den jeweiligen sozialisationsrelevanten Akteurinnen und Akteuren, Strukturen und Institutionen erfolgen. Die erprobten Konzepte, gesammelten Erfahrungen und Vorgehensweisen der Projekte sollen auf andere Träger, Praxisfelder und Kontexte übertragbar sein.

Im Handlungsfeld werden 30 Modellprojekte in zwei Themenfeldern gefördert (Stand: 26.02.2020):

  • Demokratieförderung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter (23 Modellprojekte)
  • Demokratieförderung im Kindesalter (7 Modellprojekte)

Mehr zu den einzelnen Projekten unter: „Demokratie leben!

Zentrales Ziel der wissenschaftlichen Begleitung ist es, Erkenntnisse über Prozesse, Strukturen und Zusammenhänge des Handlungsfelds „Demokratieförderung“ zu erhalten, diese aus fachlicher Sicht zu bewerten und auf dieser Wissensbasis zur fachlichen Weiterentwicklung der Modellprojekte beizutragen. Die wissenschaftliche Begleitung ist formativ angelegt und hat summative Anteile. Formativ bedeutet, dass sie vor allem Prozesse von Modellprojekten untersucht, begleitet und den Anspruch hat, einen Beitrag zur fachlichen Reflexion der Projektpraxis zu leisten, z.B. im Rahmen regelmäßiger Einzelprojektworkshops und telefonischer Reflexionsgespräche. Im Fokus stehen hierbei die Phasen der Implementierung und der Umsetzung der Projekte. Summativ bedeutet, dass die wissenschaftliche Begleitung bilanzierend auf den Evaluationsgegenstand „Modellprojekte“ blickt, Resultate der Modellprojekte untersucht und Schlussfolgerungen dazu zieht. Die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Empfehlungen werden für programminterne Akteure, die Fachpraxis und die Öffentlichkeit aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Je Projektphase setzt die wissenschaftliche Begleitung entsprechende inhaltliche Schwerpunkte. Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Begleitung ist eine kontextsensible Analyse der Projektlogiken. Das heißt, unter Berücksichtigung der Ausgangsbedingungen (Ressourcen, Strukturen der Träger, Problemlagen) werden die Bedarfe bzw. Probleme, Innovationsannahmen sowie die Lösungskonzepte der Modellprojekte beschrieben und herausgearbeitet. Hierauf aufbauend stehen in der Implementierungsphase der Projekte vor allem die konzeptionelle Gesamtanlage, Demokratieverständnisse und die Etablierungsprozesse (z.B. Zugangserschließung, Aufbau von Kooperationsbeziehungen) im Fokus, während in der Umsetzungsphase die (pädagogischen) Lern- und Scheiternserfahrungen, Herausforderungen sowie Wirkungseinschätzungen im Mittelpunkt stehen. Am Ende der Begleitung rücken Fragen zur internen und externen Nachhaltigkeit der Modellprojekte in den Blick. Dazu untersucht die wissenschaftliche Begleitung zum einen, welche Aktivitäten die Projekte unternehmen, um ihre Erkenntnisse und Modelle anderen Praxisfeldern, Trägern oder Kontexten zugänglich zu machen. Zum anderen wird analysiert, welche Strategien die Projekte anwenden, um bewährte Modelle auch nach dem Ende der Programmförderung beim eigenen Träger fortzusetzen.

Folgende Fragestellungen sind für die wissenschaftliche Begleitung des Handlungsfelds relevant:

  • Handlungsfeldcharakteristik: Was ist charakteristisch für das neue Handlungsfeld „Demokratieförderung“ und die beiden Themenfelder „Demokratieförderung im Kindesalter“ und „Demokratieförderung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter“?
  • Handlungslogiken der Modellprojekte: Welche Handlungslogiken verfolgen die Modellprojekte der beiden Themenfelder in Bezug auf ihre Zielgruppen/-institutionen?
  • Veränderungen: Welche (un-)intendierten Veränderungen erzeugen die Modellprojekte in ihrer Arbeit?
  • Nachhaltigkeit: Welche Nachhaltigkeitsstrategien werden von den Modellprojekten umgesetzt?
  • Adressierung von Zielgruppen/-institutionen: Welche Zielgruppen, sozialisationsrelevanten Institutionen und sozialräumlichen Kontexte werden wie und warum von den Modellprojekten adressiert?
  • Kontexte und Rahmenbedingungen: Welche Kontexte und Rahmenbedingungen sind für die Umsetzung der Modellprojekte und die Themenfelder prägend?
  • Professionelles Handeln der Modellprojekte: An welchen fachlichen Qualifikationen und Prinzipen orientieren sich Umsetzende der Modellprojekte in der pädagogischen Praxis?

Die wissenschaftliche Begleitung setzt bei ihrer Analyse und Einordnung der Projektarbeit an den wissenschaftlichen Debatten und Fachdiskursen im Feld an, insbesondere an die dort diskutierten Herausforderungen und Spezifika des Handlungsfelds „Demokratieförderung“.

Das Evaluationsdesign der wissenschaftlichen Begleitung ist multimethodisch und multiperspektivisch gestaltet. Es ist sowohl formativ als auch summativ angelegt. Das heißt, die wissenschaftliche Begleitung arbeitet prozess- und ergebnisorientiert. Sie erhebt gegenstandsangemessen in einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden und befragt je nach jährlichem Schwerpunkt verschiedene am Modellprojekt beteiligte Personengruppen. Dabei bezieht sie sich auf die wissenschaftlichen Standards der Gesellschaft für Evaluation (DeGEval).

Zu den geplanten Erhebungen gehören:

  • Dokumentenanalysen, z.B. der Projektunterlagen,
  • eine jährliche standardisierte Online-Befragung der Modellprojekte (Monitoring) ab 2021,
  • Einzelprojektworkshops mit den Modellprojekten, z.B. zur Modellierung der Projektlogik (2020),
  • leitfadengestützte Interviews mit Projektverantwortlichen,
  • leitfadengestützte Interviews mit Kooperationspartnern der Projekte,
  • leitfadengestützte Interviews mit Teilnehmenden,
  • teilnehmende Beobachtungen, z.B. an Veranstaltungen, Angeboten,
  • multiperspektivische Wirkungsstudien.

Darüber hinaus werden gemeinsame Workshops mit den Mitarbeitenden der Modellprojekte im Handlungsfeld durchgeführt. Die geplanten Workshops dienen dazu, Dimensionen von Modellhaftigkeit (Innovation und Übertragbarkeit) zu thematisieren, Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung gemeinsam mit den Modellprojekten zu diskutieren und einen fachlichen Austausch zwischen den Modellprojekten zu aktuellen Herausforderungen anzuregen.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung finden sich in jährlichen Berichten und sollen in Fachartikeln einer interessierten (Fach-)Öffentlichkeit zur Verfügung und zur Diskussion gestellt werden.

Kontakt

+49 345 68178-29
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle