Wissenschaftliche Begleitung der Landes-Demokratiezentren sowie von Mobiler, Opfer- und Ausstiegsberatung (Programmbereich B)

Die Landes-Demokratiezentren sind vom Bundesprogramm geförderte Struktureinheiten auf Länderebene. Sie haben den Auftrag, die Weiterentwicklung von Konzepten und Strategien zur Förderung von Demokratie und Vielfalt zu unterstützen. Zudem übernehmen sie auf der Ebene der Bundesländer die Koordinierung unterschiedlicher Maßnahmen und Beratungsangebote im Umgang mit Demokratie- und Menschenfeindlichkeit sowie politisch oder weltanschaulich begründeter Gewalt. Die Intention dieser Maßnahmen und Angebote ist es, auf vor allem rechtsextremistische und islamistische Handlungen und Strukturen, die bei lokalen Akteuren bzw. Betroffenen Gefühle von Hilflosigkeit und Überforderung auslösen können, mit passenden Unterstützungsangeboten zu reagieren.  Des Weiteren werden Ausstiegs- und Distanzierungsangebote für junge Menschen, die sich politisch oder religiös radikalisieren, (weiter-)entwickelt.

Das Evaluationsdesign der wissenschaftlichen Begleitung orientiert sich am Ansatz der "programmtheoriebasierten Evaluation": Dabei werden mithilfe sogenannter "Logischer Modelle" Annahmen über die Zusammenhänge von Kontextbedingungen, verfügbaren materiellen und immateriellen Ressourcen, Maßnahmen sowie Wirkungen im Programmbereich skizziert. Diese logische Modellierung dient im Sinne der Konstruktion einer "Programmtheorie" dazu, die Ziele sowie Erträge des Programmbereichs herauszuarbeiten und sichtbar zu machen sowie Veränderungen in der Anlage des Programmbereichs abzubilden, die sich im Programmverlauf ereignen.

Bei der Evaluation des Programmbereichs verfolgt die wissenschaftliche Begleitung einen partizipativen Ansatz. Das heißt, die wissenschaftlich begleiteten Akteure werden aktiv in die (Weiter-)Entwicklung von Fragestellungen und Erhebungsinstrumenten einbezogen und Ergebnisse gemeinsam diskutiert. Dadurch können Entwicklungen und Ergebnisse multiperspektivisch betrachtet und das praxisnahe Erfahrungs- und Expertenwissen der Akteure gewinnbringend in die Erhebung integriert werden. Dies soll eine qualifizierte und belastbare Darstellung von erbrachten Leistungen der Beratungsangebote ermöglichen.

Die wissenschaftliche Begleitung fokussiert ihren Blick auf zwei Ebenen. Zum einen werden die strukturellen Umgestaltungsprozesse und inhaltlichen Erweiterungen auf der Ebene der Landes-Demokratiezentren, zum anderen die Weiterentwicklung spezifischer Beratungsangebote gegen Rechtsextremismus sowie ausgewählte Landes-Modellvorhaben zur Auseinandersetzung mit islamistischen Phänomenen begleitet. Im Mittelpunkt der Begleitung der strukturellen Umgestaltungsprozesse der Landes-Demokratiezentren stehen der Verlauf und die praktische Umsetzung der oben beschriebenen Weiterentwicklung der ehemaligen Landeskoordinierungsstellen zu Landes-Demokratiezentren. Außerdem wird in den Blick genommen, inwieweit diese zur (Weiter-)Entwicklung von Landesstrategien und -konzepten im Handlungsfeld beitragen. Dazu wird auch die thematische Erweiterung – vor allem im Bereich der sogenannten islamistischen Radikalisierung – untersucht.

In der Begleitung der Weiterentwicklung spezifischer Beratungsangebote liegt der Fokus auf Fragen zu den Arbeitsansätzen und Zielgruppen der Angebote der Distanzierungsarbeit "Rechtsextremismus" und der Modellvorhaben "Islamismus" sowie zu den Arbeitsansätzen der im Rahmen des Bundesprogramms neu geschaffenen Angebote der Mobilen Beratung und Opferberatung. Zudem stellt sich die Frage, welche (auch längerfristigen) Auswirkungen die verstärkte Zuwanderungsbewegung in 2015 und 2016 sowie die zeitgleich aufgetretene gesellschaftliche Polarisierung auf die Angebote, insbesondere der Mobilen und Opferberatung, haben.
Darüber hinaus werden Querschnittsfragen bearbeitet, die sowohl den Programmbereich der Landes-Demokratiezentren als auch die Programmevaluation betreffen, z.B. das Zusammenwirken der Programmbereiche.

Zur Beantwortung der Fragen werden unterschiedliche sozialwissenschaftliche Methoden eingesetzt, um sowohl Informationen über das gesamte Feld als auch vertiefte Informationen zu ausgewählten Projekten und Bereichen zu erhalten.

Mit derMethode der Dokumentenanalyse werden Informationen aus den Konzepten, Anträgen sowie Sachberichten der 16 Landes-Demokratiezentren sowie ergänzenden Online-Dokumenten (z.B. die Homepages der Landes-Demokratiezentren) generiert. Schriftliche, teilstandardisierte Befragungen geben u.a. Auskunft zu Veränderungen in den Strukturen sowie im Leistungsangebot der Landes-Demokratiezentren und zur Einschätzung der Erträge und Herausforderungen im Programmbereich. Laufende Entwicklungen (Veränderungen) im Programmbereich werden außerdem über leitfadengestützte, problemzentrierte Experteninterviews sowie in Workshops mit den koordinierenden Akteuren aller 16 Landes-Demokratiezentren erhoben.

Die Beratungsangebote selbst werden ebenfalls mittels leitfadengestützter Interviews untersucht. Weitere Informationen erhebt die wissenschaftliche Begleitung in Workshops mit den Mitarbeitenden sowie in schriftlichen, teilstandardisierten Befragungen. Darüber hinaus dokumentieren die Angebote der Mobilen Beratung sowie der Opferberatung ihre vielfältigen Leistungen im Rahmen eines begleitenden Monitorings, welches die wissenschaftliche Begleitung regelmäßig auswertet.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung zum Programmbereich finden sich in den jährlichen Zwischenberichten:

Kontakt

+49 345 68178-29
Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
Franckeplatz 1
Haus 12/13 06110 Halle

Diese Seite verwendet Cookies um die Funktionalität sicherzustellen, Zugriffe zu analysieren und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.
Durch die weitere Verwendung stimmen Sie der Verarbeitung von Cookies zu. Weitere Informationen und Hinweise zum Widerspruch finden Sie in der Datenschutzerklärung.